Sonntag, 17. September 1995

Buchkritik - Eine Reise durch das Frankreich der Frauen


Hessische Allgemeine, Kassel
17. September 1995
von Ina Joop

Recklinghäuser Zeitung, Marl
21. Oktober 1995
von Angela Lamza

Nürnberger Zeitung
26. Juni 1995
von Sharon Chaffin

Neue Zürcher Zeitung
25. April 1995
von Christane Schott






Recklinghäuser Zeitung , Marl
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Manch eine Zeitgenössin wird es vielleicht als Provo-kation empfinden: Der Autor des Buches "Vive la fran- çaise - Die stille Revolution der Frauen in Frankreich" ist ein Mann, ein deutscher Journalist , der mit einer Französin verheiratet in Frank-reich lebt. Aber auch dieser Hinweis wird nicht ausreichen, um als Autor eines Buches über Frauen in Frankreich zu überzeugen. Seine Aufzeichnungen mischen sich - und das sehr heftig - in die Frauendebatte dieser Jahre ein.

Der 46jährige Journalist Reimar Oltmanns gehört zu jenen Männern, die im Emanzipations-bestreben der Frauen den eigentlichen zentralen gesellschaftlichen Sprengsatz kommender Jahrzehnte ausmachen. Als er noch in jenen Frauen bewegten Jahren in Deutschland lebte, porträtierte er Politiker- innen auf dem dornigen Weg an die Macht. Er beschrieb ihren Gestaltungsspielraum, ihre Visionen und ihre Hoffnungen.

In Frankreich ging er den umgekehrten Weg. Über zwei Jahrzehnte reiste Reimar Oltmanns durch die Re- publik und war dem Selbstverständnis der Franzö-sinnen auf der Spur - schwierige und geduldige Lern-prozesse! Er war bei den Soldatinnen von Kampfein- heiten in La Valbonne, bei den Ingenieurinnen in den Kernkraftwerken, bei den Bäuerinnen, Pilotinnen, Fischerinnen und Politi-kerinnen. Er beschreibt junge Mädchen in ihrer Perspektivlosigkeit - aber auch Mäd-chenhandel und Prostitution.

Bei seinen Reportagen und Milieu-Recherchen ließ sich Reimar Oltmanns von einem Hauptgedanken leiten: Warum verlaufen die Emanzipationsprozesse in Frank-reich so ganz anders - in manchen Bereichen entgegen- gesetzt - als in Deutsch-land? Warum ist die Französin in ihrer Selbstbehauptung viel weiter als ihre deutsche Nachbarin?

Und er behauptet: In den letzten fünf Jahren haben Französinnen mehr in ihrem Land verändert als in den 25 Jahren zuvor: Ohne inszenierten "Geschlechter-kampf" und ohne angemessene politische Repräsentanz erreichten Frankreichs Frauen, dass die gesellschaft- lichen Rahmenbedingungen wesentlich verstärkt auf ihre Be-dürfnisse zugeschnitten wurden. Frankreichs Frauen verzichten weder auf Kinder noch auf Karriere. Ob in den Provinzen oder in den Ballungszentren: Die Französin ist längst zu einem Machtfaktor geworden. Frankreichs Frauen rollen ihr Land von unten, von der Basis auf. Längst diktiert eine erkennbare feminine Atmosphäre Umgang und Geschehen in unserem Nachbarland.

Reimar Oltmanns Buch ist ein Buch über das Land Frankreich: Eine Reise durch das Frankreich der Frauen; durch virulente Veränderungen und Wider-sprüche einer Gesellschaft, durch markante Milieus und rasante wirtschaftliche wie soziale Umbrüche in den neunziger Jahren. Und es ist ein Buch, das Nachdenk- lichkeit erzeugt. Ganz im Sinne der Pariser Philosophin Elisabeth Badinter: "Die Deutschen führen Krieg mit ihren Männern. Aber ich finde, die Situation der französischen Frau ist wesentlich besser als die der Amerikanerin oder Deutschen. Denn wir haben mehr Rechte, mehr Gleichheit, auch in der Mentalität."


Hessische/Niedersächsische Allgemeine, Kassel
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"Sie müssen denken wie ein Mann, sich geben wie ein junges Mädchen , aussehen wie eine Dame und arbeiten wie ein Pferd." Mit diesem Satz im Hinterkopf verließ Reimar Oltmanns Ende der 80er Jahre Deutschland. Und in seiner neuen Heimat Frankreich sollte plötzlich nichts mehr so sein wie es einmal war - für einen Mann in den Irrungen und manchmal auch verbissenen Wirrungen der deutschen Frauenbewegung. Der Jour- nalist und Autor unserer Zeitung sah sich als "neu sozialisiertes Männlein Frauen bewegter deutscher Jahre" mit einer ihm bis dato unbekannten Art von Frauenbewegung konfrontiert.
EIN LOBLIEB
Schwärmerisch schwelgt er in einer von "femininer Atmosphäre" und "vitaler weiblicher Gestaltungskraft" durchdrungenen Französischen Republik. "Vive la Française!" - Der Buchtitel ist Programm: ein Loblied auf die Französinnen. Nun hat das weniger damit zu tun, dass Oltmanns sein jüngstes Werk seiner franzö- sischen Frau Jannick Boulle gewidmet hat, als vielmehr damit, dass ihn "Die stille Revolution der Frauen in Frankreich" nachhaltig beeindruckt und fasziniert hat.

Gut gemeinte Warnungen deutscher Feministinnen begleiteten den Autor: romanisch-katholisch Männer- obrigkeit ersticke feminine Machtverlagerungen schon im Ansatz. Seine Antwort: "Weder von der Kirche noch von den Männern würden sich die französischen Frauen ihre Weiblichkeit nehmen lassen". Und dabei hätten sie in den vergangenen fünf Jahren mehr verändert als in den 25 Jahren davor

Oltmanns: " Die Französin ist längst zu einem Macht- faktor geworden. Sie rollt ihr Land von unten - von der Basis - auf." Wer nun glaubt, es handele sich bei diesem Buch um einen reinen Jubelbericht eines Mannes auf die Medames und Made-moiselles, liegt falsch. Sicher kann Oltmanns seine Begeisterung für Frankreich und seine Bewunderung für die Französinnen nicht verber- gen. Unkritisch feiert er aber weder das Land noch die Frauen.

Oltmanns hat sein Buch angelegt als eine lesenswerte Reise durch das Frankreich der Frauen. Jedes Kapitel erschließt einen anderen Lebensbereich der französi- schen Gesellschaft. Und das konsequent aus Frauen- sicht. Oltmanns besuchte die Frauen in Frankreichs Armee, in den Fischerdörfern und Kernkraftwerken, sah sich bei Bäuerinnen, Nordafrikanerinnen, Prostituierten und Prominenten ebenso um wie bei Arbeitslosen und den Frauen aus der Résistance und aus der Politik.

Herausgekommen sind feingeschliffene Milieu-Studien - mit Seitenhieben auf eine hartnäckige aber weniger erfolgreiche Frauenbewegung in Deutschland. Die Reportageform, wie sie unsere Leserinnen und Leser aus Oltmanns' Beiträgen für die Sonntagszeit kennen, macht aus der minutiösen Sammlung von Fakten, den Hintergrund-Recherchen, Momentaufnahmen, Zeit- lupenbeobachtungen und Porträts hautnahe - weil erlebte - Schilderungen.




NÜRNBERGER ZEITUNG
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... ... Sein Buch ist angereichert mit Wissen über Land und Leute, immer wieder baut er in seinen Reportagen Brücken zur französischen Vergangenheit, sinnvolle Ver-gleiche zwischen Deutschland und Frankreich, den beiden Kulturen. Besonders gelungen sind ihm detail- lierte Personenbeschreibungen, beispielsweise die Lebensgeschichte von Patricia Kaas; jenes Aschen- brödel , das aus einer armen, kinderreichen Bergmanns- familie zur Chanson-Sängerin mit internationalem Ansehen avancierte und nun auf dem Höhepunkt ihrer Karriere ihre eigene Person, ihre Identität nicht mehr erkennen kann.



NEUE ZÜRCHER ZEITUNG
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... ... Als aufmerksamer Beobachter des Landlebens im speziellen und des Gastlandes präsentiert Reimar Oltmanns reichhaltiges Zahlenmaterial, originelle Wortbeiträge der Interviewpartnerinnen und infor- mative Exkurse in die Revolutionsgeschichte und hinter den Kulissen des Elysée-Palastes.















Samstag, 2. September 1995

Au bout de la plume: "Vive la française" un livre sur les femmes en France


Journaliste-écrivain allemand vivant à Bourg-en-
Bresse
. Reimar Oltmanns vient de publier un livre
sure la femm
e française.



Le Progrès, Bourg-en-Bresse
le 2. septembre 1995
par François Villeminot


Non, Reimar Oltmanns, ce journaliste et écrivain allemand de 46 ans, n'a pas voulu provoquer ses concitoyennes en écrivant dans sa langue maternelle "Vive la Française", qui vient d'être publié en Allemagne. Même si l'auteur est marié à une Française et même s'il vit à Bourg-en-Bresse depuis plusieurs années, il n'est pas tombé dans le piège d'une admiration béate face à tout ce qui porte le label "made in France". Cet ouvrage sous-titré "La révolution tranquille des femmes en France" est une véritable étude de société. Elle constitue en cela une pièce supplémentaire versée au dossier et elle risque, à ce titre, d'alimenter le débat sur les femmes au cours de ces dernières années.

Le parcours humain et professionnel de Reimar Oltmanns lui confère une qualité d'observateur privilégié. Journaliste ayant exercé son activité en Allemagne, grand reporter envoyé aux Etats-Unis, en Amérique latine en Asie et en Afrique puis corres- pondent durant deux années en Italie, il ne s'est pas contenté de rendre compte de l'aspect éphémère des événements. Il a su, au contraire, relier les donnés offertes par ses multiples champs d'obersvation et en tirer, grâce à sa disponibilité intellectuelle, une synthèse qu'il enrichit au quotidien.

A ce titre, il se défend de faire oeuvre de romancier, privilégiant, dans se démarche, l'étude de milieu. Un milieu qu'il s'attache à décrire avac précision et sensi- bilité, de manière à faire pénétrer ses lecteurs dans un décor et dans une atmosphère.

VOISINES MAIS DIFFÉRENTES

A son arrivée en France, Reimar Oltmanns a constaté que la lutte des sexes devenue obsessionelle en Alle- magne, aux Etats-Unis et même en Italie, ne se présen- tait pas dans l'Hexagone en termes de confrontation. Au fil des mois, il s'est rendu compte aussi que "la femme française n'avait pas étré reléguée come simple appoint de la vie économique".

Lui sont revenues alors en mémoire les réflexions de ses concitoyennes féministes jugeant la suprématie des hommes francais pétris de cultur catholique et romaine comme un obstacle à toute vellérité de pouvior féminin.

Reimar Oltmanns dénonce aussi une certaine presse allemande. Une "presse de boulevard" trop florissante et qui contribue á cette distorsion de l'image outre Rhin de la femme française.

"Au cours de ces dernières années, cette catégorie de magazines s'est complu à utiliser, à des fins perverses, de vieux stéreotypes du dixneuvième siècle". Des clichées tellement simplistes et restrictifs qu'ils cantonnent "les courtisanes sur les Champs-Elysées et les bonnes au foyer". Et l'auteur s'interroge alors sur les raisons d'une telle méconnaissance, "alors que le chemin entre l'Alle- magne et la France est si proche". Alors qu'Allemandes et Françaises ressemblent étrangement à des voisins de palier. Et si ces images surannées n'étaient pas autre chose qu'une facon de se prémunir contre certaines vagues de fond?

RECOURS AUX EMBLÈMES

Statistiques à l'appui, Reimar Oltmanns pose une autre question qui porte en elle-même les premiers éléments de reponse. "Si c'est vrai qu'en France, les femmes n'ont rien à dire , commont expliquer précisé- ment que se soit la Française qui, au regard de l'Europe, soit la plus présente dans la vie active, avec toutes les infrastructures - écoles, cantinesk crèches - qui lui permettent un tel investisment?" Et l'auteur décline d'autre avancées comme la loi relative à l'inter- ruption des grossesse qui en Allemagne, en est restée au stade des discussions.

Au fil de douze chapitres et souvent à travers des figures emblématiques. Reimar Oltmanns illustre son propos. Il lui donne chair, intelligence et audace. Il démontre, même si bien du chemin reste à parcourir, que la femme françaises a su partir de la base pour faire sauter, par exemple, les verrous des métiers masculins. Et l'on fait connaissance avec des femmes soldats ou pilotes de ligne, avec des femmes pêcheurs et des pay- sannes.

Apparaissent aussi la jeune femme sans qualification, la femme immigrée et la prostituée. Cette dernière donne l'occasion à l'auteur de prononcer un long réquisitoire contre la prostitution et l'organisation du trafic. "Les accords de Schengen ouvrent les frontières à de pré- tendus corps de ballets et servent de paravents à un véritable trafic de femmes".

L'un chapitres les plus forts concernce les femmes de l'ombre. Ces résistantes dont Reimar Oltmanns éclaire les visages dans un exorcisme émouvant. "Quand on se penche avec minutie sur ce problème, on com- prend l'absurdité de ce qui s'est passé entre Allemagne et la France".

Il ne se contente pas cependent d'apporter sa pierre aux relations franco-allemandes, Il va plus loin pour élargir sa vision à l'échelle de l'Europe. Une fois de plus, il inter- roge: "Où onduit cette Europe si elle ne s'inscrit que dans un cadre strictement économique?" Lui qui a is ses pas sur les sentiers de la France profonde, de ses modes de vie et de la comunion entre les êtres, en appelle à un sursaut, à uns prise de consience pour que cette qualité de vie ne soit pas laminiée.











Donnerstag, 24. August 1995

Lourdes qui rit, Eglise qui pleure - Cette des miracles et crise de la foi



















La ville des miracles se porte bien. Mais cette vitalité cache un désarroi profond au sein de l'Eglise catholique en France. Avec la menace d'un schisme entre intégristes et progressistes. Une analyse sans complaisance du journal alternatif de Berlin.


Courrier international,
Paris
24. août 1995
de Reimar Oltmanns

Au pied des Pyrénées, Lourdes, Idyllique. Atmosphère de tourisme teintée de religiosité, ambiance de foire mêlée de piéte. Bigots et bibelots. Sainte Vierge en plâtre et en plastique, Sainte Vierge aurélée de petites ampoules éle- ctriques. Avec plus de douze millions de visiteurs par an, Lourdes est devenue le plus grand lieu de
pèlerinage au monde.

Philippe Douste-Blazy, quarante-six ans, maire de Lourdes, estime que " la foi chré- tienne ne répond plus aux questions existentielles des individus. En revanche,
Lourdes joue encore ce rôle. Ce qui explique que les masses affluent dans la ville: Lourdes est devenue, sans le vouloir; un haut lieu de culte qui marche formidable-ment bien." Parfois, il se surprend à contempler pensivement cette foule immense venue regégénérer sa foi. "Vous savez , le fondamentalisme s'est brusquement ré-veillé non seulement chez les musulmans, mais aussi dans l'Eglise catholique, sou-ligne-t-il. Les cathédrales sont vides, les caisses sont pleines, l'entre-prise est impo-sante - mais la foi est bien souvent minime. Il y a plus que jamais urgence à engager uns nouvelle mission évangélisatrice du monde moderne. Lourdes, avec ses 18.000 habitants, en est le bastion. En France et un Europe." Une Mecque des mythe, des légendes et des exagérations caricaturales dans un siècle acquis à la rationalité et à l'affût du progrès.

2,5 millions d'handicapés sont été conduits à Lourdes

Lourdes, été 1995. D'un pas nonchalant, une colonne de pèlerins se dirige vers la

basilique. L'église fut inaugurée en 1958 pour le centenaire de l'apparition de la Vierge aux yeux de Bernadette Soubirous. Fille d'un pauvre meunier, celle-ci a eu plusieurs visions de l'Immaculée Conception. Dans l'imposante maison de Dieu, près de 200 mètres de long sur 80 mètres de large, 25.000 croyants peuvent réciter leur prière dans uns acoustique étourdissante. Les temps sont révlous où seuls les ma-lades plaçaient de fervents espoirs en un authentique miracle. En tout, 2,5 millions d'handicapés physiques ont été conduits à Lourdes. Pas moint de 3.500 guéri-sons ont été attestées par des médecins. Dont 65 ont été officiellement authen-tifiées comme miracles par Rome.

"Chemins de la spiritualité biblique"

Les temps sont également révolus où Lourdes se devait d'insuffler un nouvel élan, de nouvelles légendes au mythe de la Sainte Vierge. Désormais, en ces temps de crise qui secouent les chrétiens, la formule magique qui fascine tient en un mot: ésotérisme, Séminaires de recueillement, découvere des "chemins de la spiritualité biblique", entraînement à la pratique des prières et implerations de la Vierge censées ouvrir la voie vers la guérison, l'Eglise de France ratisse large pour rassembler ses ouailles. Et faire concurrence au bouddhisme et à l'islam. Il y a longtemps que Lourdes est devenue, sur ordre du pape Jean-Paul II, une dépendance parfaite de la Curie romaine. La France n'est-elle pas la fille aînée de l'Eglise?

L'évêque Johannes Dyba, aumônier militaire allemand, participe à Lourdes au pèlerinage militaire inter- national, qui regroupe 25.000 hommes. La Bundeswehr y est présente avec 3.000 hommes et 6 trains spéciaux.

Les vieilles cathédrales se dépeuplent, coûteux vestiges d'une culture à la dérive

L'évêque a même fait venir 40 des soldats malades. D'autres soldats les portent sur leurs épaules pour parcourir, au pas, le chemin de croix. Le soir, on chante beaucoup dans les cafés: chanson à boire ici, Lili Marleen là, l'humeur est à la bière dans le sud de la France. Atmoshère permissionnaire et ambiance de jour de fête. La petite ville de Pyrénées grouille d'uniformes de toute sorte, du treillis à la tenue militaire, plus seyante pour les charmes de la ville. Et le père Schadt, l'aumônier militaire, prêche sur le terrain de football: "Les gars, nous jouons avec et pour la vie. Notre Vierge Marie est l'entraîneur et Dieu est le président." (Pèterinage à Lourdes, été 1994.)

Grands groupes d'édition et de presse

L'ambiance lourdaise contraste avec la profonde crise d'identité et de structure de l'Eglise catholique. La survie e l'Eglise française est assurée par les milliers d'écoles privées catholiques - on en dénombre près de 10.000 - et les grands groupes d'édition et de presse qui comptent 500 titre et réalisent n chiffre d'affaires de près de 300 million euro par an. Si, en 1946, le tiers des Français se rendait à la messe du dimanche, lis n'étaient plus qu'a peine 8 % en 1991. Et les 1.400 candidats à la prêtrise de la fin de la Seconde Guerre mondiale ne sont plus qu'une centaine aujourd'hui. Atmosphère de fin du monde dans une République où, de'Atlantique aux rives du Rhin, les vieilles cathédrales se dépeuplent pour apparaître comme de coûteux vestiges d'une culture à la dérive. Pourtant, dans toute son histoire, Lourdes a touijours été un révélateur des bouleversements du monde chatholique.

Aujourd'hui, subrepticement, elle est devenue un fief du fondamentalisme clérical. Tout à fait l'esprit de l'arche- vêque de Paris, Mgr. Jean-Marie Lustiger, "Les Lumières ont donné naissance au totalitarisme, en divinisant la raison humaine. Une Eglise qui se disloque elle-même sous l'effet de l'esprit des Lumières ne peut pas sauve le monde. S'il existe un décalage entre l'elite et le peuple, il y a risque de fracture."

Baptisez les foetus avortés

Rome et Saint-Siège, la reconquête de l'Europa par le catholicisme - Lourdes et ses conséquences. Sur le parvis de la basilique, dix femmes enceintes venues de Tou- louse attendent de pouvoir entrer. "Baptisez les foetus avortes et enterrez-les religieusement, Monseigneur", peut-on lire sur leurs banderoles. Derrières elle se pressent une cinquantaine d'hommes, tous membres des commandos anti-avortement. Depuis des mois, ils font les gros titres. Surtout, ils ont la morale officielle des cardinaux de leur côté. A Grenoble, en octobre dernier, le père Gérard Calvet s'est même enchaîné avec huit de ses adeptes à des lits de la clinique uni-versitaire de la Tronche. Lorsque, en janvier dernier, cd bénédictin et ses adeptes ont été condamnès à 800 Euro d'amende, il était clair que l'archevêque de Paris paierait. De toute façon, la peine de prison a été prononcée avec sursis. (France 1995).

Mgr. Jacques Gaillot, l´évêque d'Evreux

Jamais, en France, l'Eglise catholique 'a été aussi déchirée, aussi paralysée, aussi menacée de scission, Non au divorce, non à la contraception, non à l'avorte- ment, non au mariage des prêtres , non à l'ordination de femmes. Mais oui à l'exclusion de ceux qui veulent insuffler une nouvelle force de vie au catholicisme d'aujourd'hui et lui rendre ainsi une certaine crédibilité. Mgr. Jacques Gaillot, l'évêque d'Evreux démis de ses fonctions par le pape en janvier 1995, a décidé de se joindre aux exclus du pays, les SDF, les malades du sida, les chômeurs, ceux qui dépendent de l'aide sociale.

Il y a longtemps que le nom de Gaillot est devenu, pour les chrétiens, synonyme de la division: l'Eglise qui se vit au quotidien: 50.000 personnes se sont rendues à Evreux il y a six mois: plus de 100.000 ont signé des petitions contre l'exclusion de Mgr. Gaillot, parce qu'il était présent, "la où, mal-heureusement, en tant qu'Eglise, on ne nous trouve pas souvent": "Vivre l'Evangile" était, pour lui, plus important que les messes, processions et autres pèlerinages mystiques. Cependent, Mgr. Gaillot ne pouvait pas deviner que les cardinaux de France s'etaient déja mis d'accord, un an après sa nomination en 1985, pour inciter le pape à le démettre de ses fonctions d'évêque d'Evreux. A l'époque, Mgr. Gaillot était le seul évêque français à s'être prononcé contre la désision de la conférence épis- copales: "Assurer öa paix grâce à la dissuasion nucléaire". Une décision qui fut prise à la basilique de Lourdes.


















































Samstag, 19. August 1995

Frische Luft für die Gesellschaft







































Als Kunststudentin an der Pariser École du Louvre lebte die Konservatorin Marie-Françoise Poiret schon im 19. Jahrhundert - in den Museen und Grands Palais. Ob nun in der Provinz in Bourg-en-Bresse am Musée de Brou oder dann wieder im Musée d'Orsay, der Louvre, das Musée national d'art moderne oder auch das Centre Pompidou - eine zentrale Frage durchdrang jedwede Epochen. Wie viel Architektur braucht die Macht, um sich zu profilieren. Wie viel Macht braucht die Archi- tektur, um von sich reden zu machen? - Männer-Grandeur. Frauen-Befunde.

Frankfurter Rundschau
vom 19. August 1995
von Reimar Oltmanns

Als junge Kunststudentin an der École du Louvre lebte Marie-Françoise Poiret schon ein bisschen wie im 19. Jahrhundert; genauer gesagt im Paris der Museen und Grands Palais, die in ihrer Monumentalarchitektur allenfalls drei Fixsterne vergangener Jahrhunderte dulden: Kunst, Kultur und natürlich Paris als "wahrlich kulturelle Hauptstadt der Welt" - als markanter Brenn- spiegel einer vom französischen Kunstverständnis geprägten Epoche.

SELBSTFINDUNG IN SACHEN KUNST

Es waren erst die siebziger Jahre dieses Jahrhunderts, in denen Frankreichs Frauen erstmals ihre Selbstfindung in Sachen Kunst wie auch Architektur suchten. Jene Ära des Aufbruchs schuf ein offenes, diskussionsfreudiges Klima. Erstmals wurde der gesellschaftliche Zustand der Republik transparent anhand der Kunst reflektiert - ein latente Antifeminismus der Kulturnation wurde dabei ins Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt. Es waren auch die Jahre der Fotografin Annette Messager, die nachfolgende Frauen-Generationen beeinflussen sollten. In ihrer Pariser Ausstellung des Jahres 1977, "Die Por- träts der Geliebten", geißelte sie mit ironisch-bissigem Blickwinkel das von der Werbeindustrie vorfabrizierte Image der Feminität. In ihren späteren Exponaten rückte Annette Messager das eigene Verlangen, ihre Gefühle in den Mittelpunkt. Oder auch die Malerin Anne Marie Jugnet. Mit ihren Botschaften wehrt sie sich gegen das "Gefühl des Blindwerdens" durch unent- wegte Reizüberflutung samt austauschbarer Bilder- bombardements in Massenmedien.

Zumindest aus diesem noch zaghaft keimenden gesell- schaftlichen Klima eines künstlerischen Frauen-Em- pfindens heraus entwickelte Marie-Françoise Poiret ihr Berufsziel: Sie wollte Konservatorin werden. Nur Französinnen , die waren in über zweitausend Museen der Republik nicht vorgesehen. Dementsprechend tauchte der französische Frauenanteil an den Kultur- gütern der Nation in früheren Jahrzehnten auch in keiner Statistik auf.

"GESICHTSLOSE VAGINA"

Frankreich im Sommer '95 - ein Bild macht Furore und gibt zugleich den Blick frei auf den scheinbar konser- vierte kulturelle Gemütslage der Republik. Im Pariser Musée d'Orsay hängt neuerdings auch Gustave Cour- bets kleines Bild "L'Origine du monde" (Ursprung der Welt). Es zeigt, wie der Pariser "Nouvel Observateur" schrieb, "ein seidenglattes Geschlecht mit einsamer Begierde" - einen Frauenkörper ohne Gesicht. Dafür einen liegenden Torso mit geöffneten Beinen. Im Jahre 1866 hatte es Gustave Courbet gemalt. Seither war es weitgehend der Öffentlichkeit entzogen. Kaum jemand ahnte, dass die "gesichtslose Vagina" seit 1955 der fran- zösische Psychoanalytiker Jacques Lacan in seinem Landhaus versteckte. Er starb und seine Erben spen- deten es dem Staat, um so der Erbschaftssteuer zu entgehen.

Die französische Kunst hatte ihr Thema - ihr sommer- liches Frauenthema. Gewiss wird dabei vordergründig über Grenzüberschreitungen, dumpfe Zurschaustellung, gar Frauendiskriminierung geredet. Aber allenfalls in winzigen Sprechblasen oder Begleitsätzen zum üppig veröffentlichten Vierfarbfoto in fast ausnahmlos allen Illustrierten; als Entlastung des sittsam genormten Anstands sozusagen. "Ja", stöhnt die Kasseler Leiterin der documenta '97, die Pariser Kuratorin Catherine David, unser Kunstbegriff ist revisionsbedürftig. Kunst ist nun mal kein weibliches Konsumprodukt."


MÄNNER-GRANDEUR VERBLICHENER TAGE

Wohl in keinem anderen Land der westlichen Welt ist die Verbindung zwischen Kunst, Machtpolitik samt ihrer Identitätsgeschichte so prestigebedacht eng gezurrt wie in Frankreich. Wohl keine Kulturnation starrt so inständig auf längst verflossene Jahrhunderte, die da Grandeur - Männer-Grandeur - verhießen, um "für Ruhm und Stabilität" der Republik zu sorgen, wie es in zahlreichen Erlassen so mancher Innen- minister unterschiedlichster parteipolitischer Couleur geschrieben stand. Wenn überhaupt jemand sich in Frankreich in einem Museum engagieren durfte, musste er sich nach seinem obligatorischen Kunststudium bis dato einem individuellen Tauglichkeitstext unterziehen. Weltweit ein einmaliges, vornehmlich Frauen selek- tierendes Männer-Spektakel. Eben ein willkürliches Prüfungsverfahren, das keine allgemein gültigen Quali- fikationskriterien kannte. Marie-Françoise spielte für ihr Konservatoren-Examen noch "Monopoly", wie sie es nennt. "Qui, quoi, où" (wer, was, wo) waren in jenem Beziehungsgeflecht allemal hilfreicher als Kenntnisse und Ideen.

MILIEU AUS ANDEREN WELTEN


Marie -Françoise sagt: "Frauen werden in ihrem Selbst- wertgefühl nicht gestärkt und auch nicht ermutigt, in die Männer-Domänen einzudringen, wenn sie unter Männer-Dominanz ausgebildet werden." Erst mit der Schaffung des "Instituts International d'Historie des Arts et du Patrimonie" - im Jahre 1993 in der Ära des sozialistischen Kulturministers Jack Lang - wurden allgemein verbindliche Ausbildungswege beschlossen, eine Ungerechtigkeitslücke gestopft. "Das brachte", bemerkt die im Jahre 1994 ernannte Direktorin der Musée de France, Françoise Cachin, "viel frische Luft in diese miefige Gesellschaft hinein." Ein von der Außen-welt abgeschirmtes Milieu, dem seit dem 19. Jahr- hundert keinerlei Veränderungen widerfuhr. Hieß ihre Institution, die immerhin 34 Staatsmuseen verwaltet und zudem die Aktivitäten weiterer tausend unter ihrer Obhut betreut, doch bis nach dem Zweiten Weltkrieg noch bezeichnenderweise "Musées Napoléon".

Ganz plötzlich waren sie da - Frankreichs Frauen in den männlich geschützten Kulturhochburgen von ehedem. Der leise Frauenmarsch durch die ehrwürdigen Institu- tionen, durch die Vernissagen der Schlösser und der oft verschlummerten Provinzmuseen der Republik hatte be- gonnen - nachhaltig und alsbald in der Überzahl.

Im gesamten Kulturbereich Frankreichs vermochten Französinnen in den vergangenen vier Jahren ihr Engagement (auch in Teilzeitarbeit) um 30 Prozent steigern. In Zahlen: Anno 1988 waren es 51,4 Prozent im Jahre 1992 schon 81,4 Prozent. Im Bereich der Bilden- den Künste erreichten Studentinnen ein Patt. An der renommierten École du Louvre sind die Frauen auf dem Vormarsch. Nur noch 534 Männer lernten im Jahr 1994 an dieser Hochschule, die die Konservatoren ausbildet. Dafür saßen im selben Zeitraum insgesamt 2.438 Frauen (82 Prozent) in den Hörsälen.

Mit der 59jährigen Kunsthistorikerin Françoise Cachin - sie ist die Enkelin des neoimpressionistischen Malers Paul Signac (*1863+1935) - steht seit 1994 zum ersten Mal überhaupt eine Frau an der Spitze der französi- schen Museen. Immerhin zählt der Louvre in Paris jährlich mit fünf Millionen Besucher, das Centre Pompi- dou betreten täglich 26.000 Menschen (pro Jahr 7,7 Millionen). Ob Französinnen oder Touristinnen - auf jeden Fall sind es Frauen, die die Mehrheit der Museumsbesucher stellen.

PRESTIGE, MACHT, RENOMMÉ

"Das große Problem Frankreichs ist", gesteht Madame Cachin, "dass man immer Geld für Prestige-Investi- tionen hat. Geht es dann aber um den Unterhalt, den Alltag, die weniger medienträchtigen und glanzloseren Posten, schließen sich die Geldhähne." Immerhin stehen dem Land laut Kulturbudget 1995 insgesamt 2,04 Milliarden Euro zur Verfügung. Es war eine alte Forder- ung der einst regierenden Sozialisten, dass der Kultur- etat im Gesamthaushalt des Staates wenigstens ein Prozent ausmachen sollte. Dieses ehrgeizige Ziel ließ sich zeitweilig auch erreichen. Nur mit dem politischen Akzent: In der Mitterrand-Ära (1981-1995) wurden keine der sogenannten großen Projekte des Präsidenten außerhalb der Hauptstadt realisiert.

Szenenwechsel - ins ländliche, innere Frankreich. Das Musée de Brou im Kleinstädtchen Bourg-en-Bresse im Dreieck zwischen Genf, dem Ort Macon und der Metro- pole Lyon vermittelte bis weit in die siebziger Jahre hinein den Eindruck provienzieller Verschlafenheit - bis die Frauen aus dem fernen Paris kamen und einen "ver- wahrlosten Schatz" vorfanden.

MUSEUM AUS LIEBE ERBAUT

Ob in den Museen in Bordeaux, St Etienne oder auch Grenoble - unmerklich belegte die Kunst in Frankreich verschiedene Regionen mit aufs Land verschickte
Restauratorinnen. In Bourg-en-Bresse war es ein Kloster neben einer Kirche aus der Frührenaissance. Imposant von außen, hoch und hell im Interieur steht sie am Stadtrand. Gebaut wurde die Eglise de Brou in den Jahren 1505 bis 1536 im Auftrag Margaretes von Öster- reich von dem flämischen Baumeister Louis von Boghen. Sie ist, so wissen Kunstführer zu be- richten, "eines der drei Gebäude der Welt, die aus Liebe errichtet wurden." Margarete, Tochter des Kaisers Maximilian von Öster- reich, wollte ihrem Mann ein Denkmal setzen. Er, der Herzog Philibert der Schöne von Savoyen (1480-1504) , starb nämlich nach nur dreijähriger Ehe im Alter von 24 Jahren.

Drei Kreuzgänge sind dem Gotteshaus angebaut worden. Hier versteckte sich früher ein Kunstmuseum vor der Öffentlichkeit wie einst die Augustinermönche ihren Sammeleifer. Mittlerweile könnte jenes Provinz- museum als dezenter Hinweis gedeutet werden, was Frauen zu leisten vermögen, wenn man sie nur ließe.

PROVINZ-GEMÄUER

In einem kleinen, hinteren Erker hockt die 48jährige Museumsdirektorin Marie-Françoise Poiret an ihrem Schreibtisch. In früheren Jahren, da hatte Marie-Françoise nur den Louvre im Kopf. Unvorstellbar war für sie, sich einmal von Paris zu verabschieden. Als ihr die Direktorinnen-Position (Verdienst monatlich 3.100 Euro) Ende des siebziger Jahrzehnts angeboten wurde, da wusste sie auf Anhieb nicht, "wo dieses verdammte Provinznest liegt". Doch Marie-Françoise nahm an, weil sie wusste, dass jeder Direktor dem Museum seinen individuellen Stempel aufdrückt - für Marie-Françoise ihre Frauendiktion.

Zehn Jahre später ist das Musée de Brou für Einge- weihte kaum wieder zu erkennen. Ob in den Büros, Bibliotheken oder auch Ausstellungshallen - weit und breit sind es nur Frauen, die begutachten, werkeln, richten; zehn an der Zahl. Männer fehlen in der Führungsetage; aber es gibt fünf Pförtner oder Auf- seher im Erdgeschoss.

Unbehagen äussern jene Museumsfrauen, weil die Öffentlichkeit zur Jahrhundertwende Frauen in der Kunst immer noch für ungewöhnlich hält. Für die Museumsfrauen sind Künstlerinnen eine Selbstver- ständlichkeit. Dabei ließen sich Marie-Francoise mit ihren Kolleginnen wohl kaum auf einen Stellungskrieg zwischen weiblicher und männlicher Kultur ein. Sie lacht und murmelt: "Eher führen wir hier subversiv Regie." - "Ja, ja", fährt sie fort, "der Bürgermeister hat einen Fehler gemacht, mich hier einzustellen. Wir krempeln Stück um Stück das ganz Museum um."

Was so viel heißt: raus mit den vermotteten Utensilien napoleonischer Beutezüge, die irgendwo in den Kellern einlagern; raus mit den Exponaten lokaler Größen längst verblichener Tage. Es waren vornehmlich Männer aus dem 19. Jahrhundert, deren Konterfeis Schleifen und Kränze eine verstaubte Würde verliehen.

Das Provinzmuseum Brou und seine Konservatorinnen - das sind Frauenbrüche oder auch der langsame Ab- schied von glorreich hochgehaltenen Männertagen, die da als Kunst daherkamen. Auch wenn ihr Etat zur Zeit keine Ankäufe zulässt, wollen sie rein in die zeitge- nössische Kunst, wollen ausstellen, thematisieren, dis- kutieren, wollen rein in die Schulen, um für Kinder den eher abstrakten Kunstbegriff erlebbar zu vermitteln.

GELD-MANGEL

Wenn da nur nicht die Geldsorgen wären. Marie-Françoise verwaltet jährlich etwa 140.000 Euro für neue Präsentationen und den jeweiligen Katalogdruck. Die Stadt kommt mit etwa 550.000 Euro für Personal- ausgaben, Computer- und Telefonkosten, Strom etc. auf. In der Mitterrand-Ära stand den Museumsfrauen für den Ankauf von Kunstwerken ein von Paris bezu- schusster Betrag zwischen 23.ooo und 180.000 Euro zur Verfügung - je nach Haushaltslage. Nur in diesem Jahr bekommt das Brou-Museum wie auch viele andere on der Republik nicht einmal mehr einen Cent aus Paris.

"Als wir noch reich waren", begeistert sich Brou-Konservatorin Marie-Dominique Nivière noch im nach- hinein, "da machten wir drei Ausstellungen im Jahr." "Nein", unterbricht Marie-Françoise, "wir haben 1982 auch schon mal zwölf Vernissagen organisiert. Da hatten wir Frauen einen richtigen Kunsthunger in dieser Region."

KLOSTERRUNDGANG

Es war die Zeit, als Marie-Françcoise in den Niederlanden auf den Bildhauer Richard Serrat stieß. Sie kamen überein, dass er mit zwei neu entworfenen Skulpturen dem Klosterrundgang Eintönigkeit nimmt. Der amerikanische Künstler sorgte für Wirbel in dem Städtchen Bourg-en-Bresse. Wütende Artikel in den Medien, Flugblätter besorgter Bürger, Protestgeschrei vierlerorts. Nur Marie-Françoise mit ihren Frauen blieb eisern - sie setzen Richard Serrat durch. Mit diesem Prestigekampf haben sie sich aber auch erst selber behaupten können. Seither steigt die Besucherzahl ihres Museums stetig. In früheren Zeiten kamen jährlich etwa 40.000 Menschen, um Frankreichs Epoche im 19. Jahrhundert zu bestaunen. Unter ihrer Frauenregie sind es inzwischen cirka 120.000 Besucher - ist das Musée de Brou zum attraktiven Touristenfaktor dieser Region geworden.

Nur eines ist geblieben, wie es schon immer war, wenn auch nur als Ritual. Wenn sich die Direktorin Marie-Françoise Poiret in den Abendstunden auf den Heimweg macht und sich vom Museumspförtner Jacques verabschiedet, ruft dieser - die Mütze aufsetzend - ein "bonne soirée, "Mademoiselle" hinterher.

Dienstag, 25. April 1995

Première Dame de France - Elle osa franchir des frontières - Danielle Mitterrand



































Alors que le tapage retentissant fait autour de Sarkozy-Bruni dans la presse de boulevard actuelle nous amène à nous souvenir du dé- part discret de la scène publique de Danielle Mitterrand, (*1924+2011) de 1981 à 1995 Première Dame de France, et de loin par rapport à celles qui l'ont précédée depuis Napoléon. Avec sa fonda- tion "France Libertés", "elle a aidé dans le monde entier des Hommes privés de droits, sous-alimentés, mourant de faim, menacés par les guerres ou par le virus du Sida. Du point de vue de la classe dominante française , elle fut la "Cen- drillon" de la nation. Et pourtant, l'épouse de François Mitterrand (*1916+1996) a bien plus provoqué que toutes celles qui l'ont pré- cédée voire lui ont succédé jusqu'à maintenant.
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Frankfurter Rundschau
25. Avril 1995
de Reimar Oltmanns
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Quand il s'agit de l'importance de la "Grande Nation", de son rayonnement, de sa gloire, Danielle Mitterrand parle à mi-voix. Un ton qui surprend, traduisant pres- que de l'ennui. "Dans le monde politique, beaucoup d'hommes vaniteux sont hantés par le mythe du pou- voir hérité d'années révolues, comme si nous vivions encore en monarchie. Ils tolèrent seulement des épouses décoratives comme signes de leur charitable bien- veillance, mais pas de femmes qui s'engagent pour les droit de l'Homme et donc aussi pour arracher les droits des femmes. Cela me fait mal ...".
PALAIS DE CHAILLOT
Elle est debout à la fenêtre, au dernier étage du "Palais de Chaillot", place du Trocadéro à Paris. Elle n'a pas élu domicile au Palais de l'Eysée, la résidence du Président avaec ses 395 pièces et ses quelques mille figurants, mais dans les bureaux de l'organisation "France-Libertés" qu'elle a créée en 1986. Un engagement contre la terreur, la violence, le racisme et la misère dans le monde: bien entendu la France comprise. Ce qui pour Danielle Mitterrand signifie "lutter sur un front pour les femmes, c'est s'engager pour les exclus et les sans-droits." Dans les bureaux de "France-Libertés", des collaboratrices - dans leur majorité de jeunes femmes - reçoivent les appels au secours en provenance de la Turquie, d'Irak, d'Algérie, de Bosnie, Téchétchénie ou de Chine. Ce sont toujours les mêmes récits alarmants: torture, assasinat, viols ou extermination partout où régne une sorte d'état d'exception quotidien.
PLUS DE 60 PAYS
Et parmi ces collaboratrices s'active une femmes petite, menue, avec presque une voix de petite fille, une femme qui refuse d'endosser un rôle de chef "parce que nous sommes égales, de la même opinion dans le groupe, voilà." Depuis sa création, "France-Libertés" est engagée dans plus de 60 pays , le budget de fonctionnement est assuré par un capital de basede base de 27 millions de francs (4,12 millions d'euro) et par les dons.
PAS ENVIE DE FAIRE DES MANIÈRES
En France, ce n'est pas un secret que Danielle Mitter- rand n'a jamais ressenti le besoin de se soumettre aux manières du protocole, ce qui jusqu'alors était courant pour l'épouse d'un Président. Elle en rit et me dit briève- ment à ce sujet: "Perte de temps, en partie un manque de goût,de toutes façons superflu. O ne s'installe pas à l'Elysée par fatuité, mais on ne peut y être tout au plus qu'un outil pour une cause."
RÉSISTANCE
En 1944, Danielle Gouze a épousé son François. Elle était la fille d'un directeur d'ecole athée et franc-maçon. Ce qui les réunit ce fut la Résistance contre l'occupant allemand et la vision d'une France plus juste, socialiste. Cela paraît aujourd'hui presque oublié, mais François Mitterrand a gagné les élections en 1981 grâce à la promesse de reáliser cette France. 18 mois plus tard, il ne prononçait plus de telles paroles. Dorénavans, son vocabulaire préféré c'etait ordinateur avec la haute technologie, centrales nucléaires, TGV et le "minitel". La terminologie d'un changement radical de sa pensée. Il y a longtemps que le Président avait pris congé de "l'union de la Gauche". - Désormais, il recherchait le caractère symbolique d'un Charles De Gaulle (*1980+1970), était en particulier amateur de constructions monumentales qui prouveraient l'intemporalité de son mandat.
JE SUIS UNE SOCIALISTE
Dans le proche entourage de celui-ci, Danielle faisait partie des quelques personnes qui se dressaient contre ce changement bizarre de ce "monarque issu des urnes". - "Mais il est Mitterrand, je suis une socialiste ", disait-elle souvent, un peu gênée et sans qu'on le lui demande. Il y avait longtemps que le couple était séparé. François avait sa vie parallèle de couple avec l'histo- rienne d'art Anne Pingeot, quai de Branly à Paris. Ils sont en commun leur fille Mazarine, âgée de 20 ans. Tels des accessoires, les plantons de la "Garde Répu- blicaine" assuraient, immobiles et avec une conscience aigue de leur devoir, la garde de son véritable apparte- ment rue de Bièvre. - Secret d'Etat.
AIMER LES FEMMES COMME DES FLEURS
A l'inverse de l'Allemagne et avant tout des pays anglo-saxons, dans la France romane, les secret d'alcôve, les flirts prolongés, les liaisons durables avec ainsi des enfants adultérins, sont des tabous. Surtout lorsqu'il s'agit d'inscrire dans l'acte de naissance comme père biologique un homme haut-placé du monde de la poli- tique, de l'économie, de l'administration. Le rôle de l'homme comme soutien de famille est devenu un dogme en apparence inébranlable. En outre, la République compte dans ses rangs en tout environs 1,2 millions d'enfants naturels. Cependant, le chemin de la carrière est pavé de cachotteries dans la nébuleuse de la bien- séance sociale. De plus, parmi les hommes des cerles parisiens huppés, seuls les "meilleurs chasseurs passent pour être dignes d'accès à la promotion convoitée qui réside dans le titre de "PDG" ("Président Directeur Géné- ral"). Et François Mitterrand s'est toujours complu dans le rôle d' "homme à femmes" - un discret séducteur de la République. A un journal féminin, il confia: "Aimer les femmes, c'est comme aimer les fleurs".
L'ÈRE MITTERRAND
Maintenant, c'est en fait un homme marqué par le cancer qui prend congé de son pouvoir, de la politique, de sa vie. Et pendant le choeur marquant la fin de "l'ère Mitterrand", "il ose délibérément se montrer au restau- rant parisien "Le Divellec", rue de l'université, en com- pagnie de sa fille illégitime Mazarine dont la ressem- blance avec lui est flagrante. En définitive, il s'agissait de fêter avec des amis l'admission de celle-ci à l'Ecole Normale Supérieure. Des photos et des reportages faits en cachette, par le trou de la serrure. - Un coup de tonnerre dans la France des hommes, "Toute la société machiste trembla, "écrivit sur un ton sarcastique le journal satirique "Charlie Hebdo".
COALITION D'HOMMES - MORALE D'HOMMES
On peut comprendre que Valéry Giscard d'Estaing, le prédécesseur conservateur libéral de Mitterrand trouvât "regrettables" de telles indscrétions de toute évidence programmées. On peut aussi comprendre que le ministre gaulliste de l'intérieur Charles Pasqua se soit montré "profondément choqué" et que le chef des socia- listes Henri Emmanuelli ait pesté contre un "coup bas absolu". La phalange des hommes unie en France dans une grande coalition ou bien un combat des sexes à la française. Seule Danielle Mitterrand , en réalité l'épouse concernée, resta tout à fait sereine. "Si nous étions tous plus francs dans nos relations, nous nous épargnerions ces effets lubriques du voyeurisme dûs á une double morale sociale. François et moi, nous avons encore beaucoup à nous dire."
LONGTEMPS LA PREMIÈRE DAME
Que Danielle Mitterrand se soit éloignée de son mari, personne n'en a vraiment eu connaissance en France. Il a lieu concrètement à huis-clos. Par contre l'ancienne relieuse de livres est depuis longtemps "la première Dame de France", bien plus que toutes celles qui l'ont précédée. De l'ère de Napoléon III jusqu'à celle Charles de Gaulle comprise.
TIERS-MONDE
Elle aura fait politiquement bien plus bouger de choses dans le Tiers-Monde, sera intervenue d'une façon bien plus ciblée dans la politique que beaucoup d'hommes accrédités du "corps diplomatique "ou que générale- ment les politiques de France.
ADIEU DANIELLE
"Adieu, Danielle, on ne t'aimait pas particulièrement, mais on avait déjà du respect pour toi" écrivait le maga- zine "L'Evénement du jeudi". Particulièrement frais était cet adieu - précisément emphatiques apparurent par contre les lignes écrites sur le renouveau supposé au travers de Marie-Josèphe Balladur comme pro- chaine "Première Dame" à la cour de la République. Il n'y a aucun doute que Madame Balladur figure dans la droite ligne des Premières Dames de l'Etat français. L'ordre des classes sociales du passé et que l'on croyait disparu vit une renaissance inattendue. "Quand je serai à l'Elysée, "avoue-t-elle franchement, "plus d'une chose va changer profondément. Bienséance, morale et valeurs sont plus que jamais à l'ordre du jour". En délimitant ansi le terrain, elle sait que, à Chamonix dans les Alpes elle n'aura pas, en tant qu'héritière d'entreprise, que la grande bourgeoisie à ses côtés. Dans la vie quotidienne, madame accorde beaucoup d'attention à deux prin- cipes. Les enfants Balladur doivent dire "vous" à leur père, et elle veille avec une précision rigoureuse à ce que son époux, "Doudou", ne prenne pas trop de poids lorsqu'il passe un peu de le temps devant la cheminée familiale. La France à l'heure des changements!
DES DAMES DES LA HAUTE SOCIETE
Cela inclut la philosophie des castes: C'est une tradition bien ancrée dans la classe supérieure française - Les femmes doivent tout d'abord se présenter comme accessoires décoratifs de leur maris. Des habits 'soit-disant de rêve, donnent la ligne sociale, le château de Versailles constitue l'arrière-plan chargé d'emotions, quand il s'agit de représenter avec précision des moments de l'existence républicaine. Que se soit Yvonne de Gaulle , qui se laissait appeler familièrement "Tante Yvonne" ou bien la distante Aymone Giscard d'Estaing, avec leur féminité tournée vers l'harmonie et la famille, les grand hommes de la France ont su soigner leurs apparences. Que ce soit lors du thé ou dans des expo- sitions d'art - il y avait toutes les fois des nouvelles à se chuchoter.
CHANEL, DIOR, CARDIN
Les maisons de couture Chanel, Dior, Cardin ont axé leurs créations sur les décolletés des dernières décennies, à chaque fois on accordait une place de prestige aux dames de la Heute - plus précisément à leurs vêtements prestigieux issus de la "Haute Couture " dans le musée parisien de la mode. En outre, la nation française est fière d'avoir réalisé une révolution pour l'égalité de tous les citoyens -mais surtout pas pour les femmes en poli- tique. Cela reste une affaire d'hommes. Cette "mentalité de chefs" accorde aux femmes tous les privilèges imagi- nables ; mais celui d'avoir des Droits reconnus sur le plan légal ? Il n'y en avait pas avant et il n'y en aura pas au cours de ces années de renouveau.
L'INSOUMISE
Il va de soi qu'avec de tels clichés sur la femme, Danielle Mitterrand entrera dans les annales de la classe domi- nante française comme l'épouse déconcertante, querel- leuse d'un homme politique, celle qui ne voulait pas se soumettre à la cour cérémonieuse des hommes. Dans son bureau à "France Libertés ",il y a des photos, des masques ou des tableaux d'artistes naifs, ce que Danielle Mitterrand a rapporté de ses voyages dans le Tiers-Monde quand elle se rendait dans des centres de soins pour malades du SIDA en Afrique, auprès de sans-abris à Dacca ou des enfants des rues de Manille. Elle s'est particulièrement d´´evouée au peuple kurde. Elle a échappé en 1992 dans le territoire kurde en Irak de justesse à un attentat lorsqu'une bombe a explosé. Sept personnes ont trouvé la mort.
UNE DIPLOMATIE PARALLELE
"Est-ce que je suis française ou kurde ? je ne le sais plus", disait-elle à son retour à Paris. L'ont accompagnée dans son voyage des tonnes et des tonnes de nourriture et de médicaments : La femme du Président accom- pagnant des caisses de ravitaillement.Ce sont des scènes qui traduisaient la rude affirmation de soi dans ces années où il fallait consciemment transgresser les règles, affronter l'élite établie du pouvoir français qui avait l'habitude de s'en tenir à des ambitions de commerce extérieur et à une diplomatie policée en qui concerne la politique étrangère.Il y eut de heurts entre le quai d'OIrsay et Madame.Il s'agissait toujours des mêmes divergences. La France vendait des armes ou des cen- trales nucléaires -bien sûr déclarées comme aide au développement.
HILLARY CLINTON ./. OLGA HAVEL
Que ce soit en Chine, en Amérique Latine ou aussi au Maroc - Depuis longtemps la dérangeante Danielle Mitterrand y avait développé sa diplomatie parallèle en ce qui concerne les Droits de l'Homme. Le domaine qui lui était imparti : dans la fraîche ambiance des récep- tions officielles, il fallait motiver des épouses d'hommes politiques comme Hillary Clinton ou aussi Olga Havel pour créer un réseau en ce qui concerne la société civile ou des droits de l'Homme. Elle n'a cessé d'agacer, ce qui amena le député agullisate Eric Raoult à exiger de "mettre fin aux agissements de cette socialiste violente."
LA MARSEILLAISE
Mais elle n'a pas seulement passé les frontières sur le plan géographique. Danielle Mitterrand voulait aussi changer le texte de l'hymne national français. Le ton comme le contenu de "La Marseillaise " étaient pour elle trop "guerriers" , en particulier des paroles comme "ces soldats qui viennet égorger nos fils et nos compagnes " et "que leur sang impur abreuve on sillons". Tout ceci la dérangeait. Bien sûr,une tentative sans issue, mais cela corresppondait à son identité. " J'en ai assz d'être promenée comme bagage du Président, d'inaugurer gentiment les chrysanthèmes et d'être la représentante de la mode parisienne. Pendant toute ma vie j'ai eu une jupe plissée et un pullover pour l'hibvrer et une autre jupe plissée et un autre pullover pour l'été", c'est ce qu'elle assénait en public.
IMAGE PLEINE DE TRENDRESSE DE LA METROPOLE
C'est précisément au cours de cette anée du départ que Danielle Mitterrand s'est encore retrouvée dans une situation d'exception. Une opération du coeur l'a contrainte à prendre plus de repos ,de calme - à s'accorder des instants de retour sur soi ,d'évoquer des questions d'une ère qui se termine. Depuis son bureau, elle jette un regard tendre sur la métropole dans ce mois qui précède l'élection présidentielle de nombreuses affiches immenses représentant des hommes ; plus de quatre millions de mètres carrés de bureaux vides, mais qui ne tolère aucun gamin traînant dans les rues. Celui qui n'a pas d'argent, est chassé de ce Paris toiletté, hypermoderne des vieux et nouveaux riches, est chassé dans la banlieue que l'on ne montre pas, chassé vers la périphérie sociale, ce qui existe peu dans d'autres capitales occidenbtales. Là ,où selon le candidat à la Présidence-Jacques Chirac " les odeurs et le bruit font penser à des familles d'immigrés ".
PASSEPORT EUROPÉEN
Sur la table de Danielle Mitterrand, il y le document de base pour la diskussion lors de sa dernière réunion de la journée, il va être question dzu passeport européen contra le rasisme. Il y a seulement quelques semaines à Marseille, le Comorien Ibrahim Ali, 17 ans, a été victime d'un coup de feu tiré dans le dos par des militants du "Front National" de Jean-Marie Le Pen au cours de la campagne des présidentielles. Alors que j'avais déjà pris congé d'elle, elle me lance: " Qui n'agit pas, com- ment un crime. Avec France-Libertés je vais lutter jusqu'à en tomber".

Freitag, 24. März 1995

Première Dame, die riskierte, Grenzen zu überschreiten























Der fortwährend schrille Bruni-Sarkozy-Boulevard inFrankreich der Neuzeit lässt an den lautlosen Abgang der Danielle Mitterrand erinnern, die länger Première Dame de la France (1981-1995) war als jede ihrer Vorgängerinnen seit Napoleon III. Mit ihrer Menschenrechts-Organisation "France Libertés" half Danielle Mitterrand (*1924+2011) weltweit entrechteten, unterernährten, hungernden, von Kriegen oder vom tödlichen Aids-Virus bedrohten Menschen. Aus Sicht der französischen Oberschicht war sie ein ungeliebtes "Aschenputtel" der Nation. Dabei hatte die Ehefrau von François Mitterrand (*1916+1996) mehr bewegt als jede ihrer Vorgänger- und wohl auch Nachfolgerinnen bis zum heutigen Tag.

Wochenzeitung FREITAG, Berlin
vom 24. März 1995
von Reimar Oltmanns


Leise spricht Danielle Mitterrand, wenn es um die Bedeutung der "Grande Nation" - ihren Glanz, Grandeur und Glorie geht. Auffallend leise, fast gelangweilt. "In vielen eitlen Politik-Männern dieser Tage", befindet sie lakonisch, "da spuckt noch der Macht-Mythos ver- blichener Jahre, als lebten wir noch in einer Monarchie. Sie dulden nur schmückende Ehefrauen als Insignien gütiger Nächstenliebe, aber keine Frauen, die sich für einklagbare Menschen- und damit auch für Frauen- rechte einsetzen. Das schmerzt mich...".

Sie steht am Fenster im obersten Stockwerk des "Palais de Chaillot" am Pariser Trocadéro. Nicht etwa im Elysée-Palast, dem Amtssitz des Präsidenten mit seinen 395 Räumen und knapp tausend Komparsen, hat sie ihr Domizil, sondern in den Büroräumen der von ihr 1986 gegründeten Menschenrechtsorganisation "France Libertés" - Engagement gegen Terror, Gewalt, Rassis- mus und Elend in der Welt; Frankreich wie selbstver- ständlich inbegriffen. Was für Danielle Mitterrand soviel heißt wie "an einer Front der Frauen zu kämpfen, für die Ausgeschlossenen und Entrechteten einzutreten". In den Büros von "France Libertés" ereilen die über- wiegend jungen Mitarbeiterinnen Notrufe aus der Türkei, dem Irak, Algerien - aus Bosnien, Tschetsche- nien oder China. Immer wieder sind es die gleichen Alarmberichte: Folter, Mord, Vergewaltigungen oder Ausrottung dort, wo so etwas wie ein alltäglicher Ausnahmezustand herrscht.

IN ÜBER 60 LÄNDERN

Und mittendrin agiert eine kleine zierliche Frau mit fast mädchenhafter Stimme, die es ablehnt, eine Chefrolle wahrzunehmen, "weil wir eine Gruppe von Gleichbe- rechtigten und Gleichgesinnten sind, voilà." In über 60 Ländern ist "France Libertés" mittlerweile engagiert, der dafür erforderliche Haushalt wird aus dem Grund- kapital von 27 Millionen France (4,12 Millionen Euro) und Spenden abgedeckt.

KEINE LUST AUF ARTIGKEITEN

Es ist in Frankreich kein Geheimnis, dass Danielle Mitterrand nie Lust verspürte, sich protokollarischen Artigkeiten zu unterwerfen, wie sie für die Gattin des Präsidenten bis dahin üblich waren. - Sie lacht darüber und erklärt mir zu diesem Thema knapp: "Zeitver- schwendung, teilweise geschmacklos, auf jeden Fall überflüssig. Man lässt sich doch nicht selbstgefällig im Elysée nieder, dort kann man allenfalls ein Werkzeug sein."

Geheiratet hatte Danielle Gouze ihren François im Jahr 1944. Sie war die Tochter eines atheistischen Schul- direktors und Freimaurers. Sie einte die Résistance gegen die deutschen Besatzer, die gemeinsame Vision von einer gerechteren, einem sozialistischen Frankreich. Es scheint heute fast vergessen, aber im Jahre 1981 gewann François Mitterrand die Wahlen mit dem Versprechen, dieses neue Frankreich gestalten zu wollen. Schon 18 Monate später kam ihm dergleichen nicht mehr über die Lippen. Nunmehr gehörten Computer samt Hochtechnologie, Kernkraftwerke, TGV-Schnellzüge und das Bildschirmtextgerät "Minitel" zu seinem Lieblingsvokabular - die Terminologie eines fundamentalen Sinneswandels. Längst hatte der Präsident die "Union der Linken" verabschiedet - fortan suchte er die Symbolik eines Charles de Gaulles (*1890+1970), ganz besonders war er in monumentale Bauten verliebt, die das Unvergängliche seiner Amtszeit zu dokumentieren vermochten.

STAATSGEHEIMNIS: PARALLEL-HAUSHALT

Danielle gehörte in seiner engsten Umgebung zu den wenigen, die sich dieser bizarren Wendung des "Wahl- monarchen" entgegenstemmten, "Aber er ist Mitterrand, ich bin Sozialistin", sagte sie oft ein wenig verschämt und ungefragt. Die Ehe war längst auseinander. François lebte in einem präsidialen Parallelhaushalt mit der Kunsthistorikerin Anne Pingeot am Pariser "Quai Branly" zusammen. Mit ihr verbindet ihn auch die gemeinsame z1wanzigjährige Tochter Mazarine. Ein reines Staffagen-Dasein fristeten die Bewacher der "Garde Républicaine", die stets ungerührt und pflichtversessen seine eigentliche Wohnung in der "Rue de Bièvre" bewachten. - Staatsgeheimnis.

FRAUEN WIE BLUMEN LIEBEN

Im Gegensatz zu Deutschland und vor allem den angel- sächsischen Staaten sind im romanischen Frankreich in der Öffentlichkeit außerhäusige Bettgeschichten, längere Amouren, dauerhafte Zweisamkeiten und damit auch uneheliche Kinder geradezu tabu. Vornehmlich dann, wenn es den Namen eines hochgestellten Mannes aus Politik, Wirtschaft oder Verwaltung als Erzeuger auf dem Geburtsschein einzutragen gilt. Zu sehr ist die fami- liäre Daseinsfürsorge der Männer zu einem scheinbar unanfechtbaren Dogma geworden. Dabei weiß die Re- publik insgesamt etwa 1,2 Millionen uneheliche Kinder in ihren stolzen Reihen. Nur Heimlichtuereien pflastern den Karriere-Weg im Dunstkreis des gesell- schaftlichen Anstands. Dabei gelten doch auch unter den Männern des Pariser Etiketten-Milieus nur die "besten Jäger" als förderungswürdig für den erhofften Aufstieg, der sich im Kürzel "PDG"("Président Directeur Général") nennt. Und François Mitterrand gefiel sich schon immer in der Rolle des "homme à femme" - als diskreter Frauenheld der Republik. Einer Frauen-Zeitschrift bekundete er: "Frauen lieben, das ist wie Blumen lieben."

URKNALL - EIN TÖCHTERCHEN

Tatsächlich nimmt nun ein vom Krebs gezeichneter Mann Abschied - von seiner Macht, von der Politik, von seinem Leben. Und während des Schlusschorals für die "Ära Mitterrand" wagt er es wohlbedacht, sich mit seiner ihm verblüffend ähnlich sehenden illegitimen Tochter Marzarine im Pariser Restaurant "Le Divellec" in der "Rue de l'Université" zu zeigen. Schließlich galt es, mit Freunden ihre Aufnahme in die Elite Hoch- schule "Ecole normale supérieure zu feiern. Heimlich geschossene Fotos und Reportagen aus der Schlüssel-loch-Perspektive - ein Urknall im Frankreich der Männer. "Eine ganze Macho-Gesellschaft zitterte", schrieb die Satire-Zeitung "Charly Hebdo" mit hämischen Unterton.

MÄNNER-BÜNDE - MÄNNER-MORAL

Verständlich, dass derlei von Mitterrand offenkundig beabsichtigte Indiskretionen sein Vorgänger, der liberal- konservative Valéry Giscard d'Estaing, "bedauerlich" fand. Verständlich auch, dass sich der gaullistische Innenminister Charles Pasqua "tief schockiert" zeigte und Sozialistenchef Henri Emmanuelli gar von einem "absoluten Tiefschlag" wetterte. Frankreichs Männer-Phalanx in einer Großen Koalition vereint oder Geschlechterkampf auf französisch. Nur Danielle Mitterrand, die eigentlich betroffene Ehefrau, blieb ganz gelassen. Sie äußerte frohgemut: "Wären wir alle ehrlicher miteinander, es blieben uns diese lüsternen Schlüsselloch-Effekte einer gesellschaftlichen Doppel- moral erspart. François und ich, wir haben uns noch sehr viel zu sagen."

ADIEU DANIELLE

Von Danielle Mitterrands Abschied an der Seite ihres Mannes mag so eigentlich niemand in Frankreich Kenntnis nehmen. Er findet praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit statt. Dabei ist die einstige Buch- binderin länger die "Première Dame de la France" gewesen als alle ihre Vorgängerinnen - Napoléon III. und die Ära Charles de Gaulle eingeschlossen.

Sie wird politisch in der Dritten Welt mehr bewegt, gezielter in die Innenpolitik eingegriffen haben als so manche dere berufenen Münder des "Corps diploma- tique" oder die politischen Klassen Frankreichs überhaupt.

"Leb wohl, Danielle, man mochte Dich nicht besonders, aber Respekt hatte man schon vor Dir", schrieb lediglich das Magazin "L'événement du jeudi". Merklich unter- kühlt war dieses "Adieu" - geradezu emphatisch er- schienen dagegen die Zeilen über den vermeintlichen Neubeginn mit Marie-Josèphe Balladur als der künftig "Ersten Dame" am Hofe der Republik. Zweifels- frei steht Madame Balladur in einer nahtlosen Konti- nuität großen Frauen des französischen Staates. Vergangene, verschollen geglaubte Standes-Regularien erleben eine ungeahnte Renaissance. "Wenn ich im Elysée bin", gesteht sie freimütig, "wird sich so manches gewaltig ändern. Anstand, Moral und Werte sind heute gefragter denn je." Wird das Terrain so vermessen, dann weiß sie im heimatlichen Chamonix in den Alpen als Fabrikerbin nicht nur das Großbürgertum an ihrer Seite. Im Alltag achtet Madame streng auf zwei arg vernachlässigte Vorgaben. Die Balladur-Kinder haben ihren Vater in der "Sie-Form" anzusprechen, und sie überwacht mit peinlicher Genauigkeit, dass ihr Ehe- mann, der "Doudou", nicht zuviel zunimmt, wenn er einmal Zeit für den häuslichen Kamin hat. Frankreich in Wendezeiten!

DAMEN AUS DER OBERSCHICHT

Das schließt die Kasten-Philosophie ein: Es ist einge- gerbte Tradition der französischen Oberschicht - Frauen haben sich zuvörderst als Schmuckstück ihres Mannes darzustellen. Sogenannte Traumkleider weisen die gesellschaftliche Richtung, das Schloß von Versailles bildet den emotionsgeladenen Hintergrund, wenn es sich um stilsichere Momentaufnahmen republikanischer Daseinsbewältigung handelt. Hießen sie nun Yvonne de Gaulle, die sich "Tante Yvonne" umschmeicheln ließ, oder war es die unnahbare Anne-Aymone Giscard d'Estaing - mit familien- und harmoniebetonter Weiblichkeit wußten Frankreichs Große Männer ihren Staat zu machen. Ob beim Teekränzchen oder auf Kunstausstellungen - geflüsterte Neuigkeiten gab es allemal.

CHANEL, DIOR, CHARDIN

Die Modehäuser Chanel, Dior, Chardin schufen ihren Blickwinkel auf feminine Wirklichkeitsaus-schnitte der letzten Jahrzehnte, wobei den Vorzeige-Damen stets ein gebührender Platz eingeräumt wurde - genauer gesagt ihren Prestige-Kleidern aus der "Haute Couture" im Pariser Mode-Museum. Dabei ist die französische Nation so unendlich stolz darauf, einen Umsturz im Sinne der Gleichheit aller Staatsbürger erlebt zu haben - nur nicht für die Frauen in der Politik. Das bleibt Männer-Sache. Diese "Herren-Mentalität" gesteht den Frauen alle nur erdenklichen Privilegien zu, aber ein- klagbare Rechte? Die gab es früher nicht und die soll es auch in den kommenden Jahren des konservativen Neubeginns nicht geben.

Es versteht sich, bei diesen Klischees dürfte Danielle Mitterrand als eine unberechenbare, zänkische Politiker-Gemahlin in die grob gefrästen Annalen der franzö- sischen Oberschicht eingehen, die sich so ganz und gar nicht dem höfischen Zeremoniell der Männer fügen wollte. In ihrem Büro bei "France Libertés" hängen Bilder, Fotos, Masken oder Gemälde von naiven Malern, die Danielle Mitterrand von ihren Reisen in Staaten der Dritten Welt mitgebracht hat, wenn sie zu Aids-Stationen in Afrika, den Obdachlosen von Dacca oder den Straßenkindern von Manila unterwegs war. Mit besondere Hingabe hat sie sich stets nach dem kur- dischen Volk gewidmet. Im irakischen Kurdengebiet entging sie 1992 nur knapp einem Attentat, als eine Autobombe explodierte. Sieben Menschen fanden den Tod.


FRANZÖSIN ODER KURDIN ?

"Bin ich Französin oder Kurdin? Ich weiß es nicht mehr", sagte sie bei ihrer Rückkehr nach Paris. Tonnen um Tonnen an Nahrung und Medikamenten schickte sie auf die Reise: Die Gattin des Präsidenten als Flugbe- gleiterin gleich neben den Kisten. Szenen kräfte- zehrende Selbstbehauptung in den Jahren der bewußt riskierten Regelverletzungen, des Affronts gegen Frankreichs etablierte Machteliten, die sich an Export-Ambitionen und eine flankiernde Außendiplomatie zu halten pflegen, wenn es um die Dritte Welt ging. Es krachte zusehends heftiger zwischen den Außen- politikern am Quai d'Orsay und Madame. Immer wieder waren es dieselben Interessenkonflikte. Frankreich verkaufte Waffen oder Atomkraftwerke - natürlich als Entwicklungshilfe deklariert.


HILLARY CLINTON MIT OLGA HAVEL

Ob in China, Südamerika oder auch in Marokko - die unliebsame Danielle Mitterrand hatte längst ihre Paralleldiplomatie in Sachen Menschenrechte aufge- baut. Ihr blieb es vorbehalten, auf höflich unterkühlten Staatsempfängen Politiker-Frauen wie Hillary Clinton oder auch Olga Havel zu einem Netz- werk in puncto Zivilgesellschaft und Bürgerrechte zu motivieren. Sie blieb das stete Ärgernis, woraus schon 1990 der gaullistische Abgeordnete Erich Raoult die rigide Forderung ableitete, dieser "Brachialsozialistin" müsse "das Handwerkzeug genommen weden".

LA MARSEILLAISE

Aber ihre Grenzüberschreitungen ließen sich nicht nur geografisch verfolgen, Danielle Mitterrand wollte auch den Text der französischen Nationalhymne erneuern. Diktion wie Inhalt der "Marseillaise" waren ihr zu "kriegerisch", besonders Formulierungen von den "brüllend wilden Soldaten, die unsere Söhne und Frauen erwürgen und "deren Blut unsere Ackerfurchen tränkt" störten ihr Empfinden. Natürlich ein aussichts- loser Vorstoß, aber es entsprach ihrem Selbstver- ständnis. "Ich habe es satt, wie ein Paket des Präsi- denten herumgeschoben zu werden, artig Chrysan- themen-Shows zu eröffnen und die Pariser Mode zu repräsentieren. Mein ganzes Leben hatte ich einen Faltenrock und einen Pullover für den Winter und einen anderen Faltenrock und ein T-Shirt für den Sommer", konnte sie in aller Öffentlichkeit poltern.

WEICHBILD DER METROPOLE

Ausgerechnet in diesem Jahr des Abschieds ist Danielle Mitterrand noch zusätzlich in eine unerwartete Aus- nahmesituation geraten. Eine Herzoperation zwang sie, sich mehr Ruhe und Muße zu verordnen - sich Momente der Besinnung zu gönnen, der Fragen an eine sich schon auflösende Ära.

Von ihrem Büro läßt sie den Blick herabgleiten auf das Weichbild der Metropole, die im letzten Monat vor der Präsidentenwahl viele bunte, überlebensgroße Männer-Plakate und über vier Millionen Quadratmeter leer- stehende Bürofläche kennt, aber keine Schmuddel- kinder mehr duldet. Wer kein Geld hat, der wird aus diesem hypermodern herausgeputzten Paris der Alt- und Neureichen in die kaum vorzeigbaren Vorstädte, an die soziale Peripherie vertrieben wie in kaum einer anderen westlichen Hauptstadt. Dort, wo nach den Wahr- nehmungen des Präsidentschaftskandidaten Jacques Chirac schon "die Gerüche und der Lärm" auf viele Einwandererfamilien schließen lassen.


EUROPÄISCHER PASS

Auf ihrem Schreibtisch liegt das Gesprächskonzept für ihren letzten Termin an diesem Tag, es wird um den "Europäischen Paß gegen Rassismus" gehen. Erst vor wenigen Wochen ist der siebzehnjährige Komorer Ibrabim Ali in Marseille von Wahlhelfern der rechts- radikalen "Front National" des Jean-Marie Le Pen während einer Kundgebung zur Präsidentschaftswahl von hinten erschossen worden.

Als ich mich schon verabschiedet habe, ruft sie mir noch hinterher: "Wer nicht handelt, begeht ein Verbrechen. Ich werde mit France Libertés kämpfen, bis ich umfalle..."





Sonntag, 22. Januar 1995

Kulturkampf ums Kopftuch




















"Kopftuch-Feuilleton" geriet unversehens zum Schleier- krieg zweiter Welten in Umbruchszeiten. Religionsstreit auf Französisch: Im Land der Laicité - der Trennung von Kirche und Staat - ist in öffentlichen Schulen kein Platz für Glaubensbekenntnisse oder religiöse Symbole. Die Furcht vor einer "neuen arabischen Moral" macht Pädagogen zu Rausschmeißern und Tschador- Mädchen zu Märtyrerinnen. Zerreißproben. Verschleierte Töchter als Speerspitze gegen westliche Lebensformen.Der Grund: das Kopftuch-Verbot an staatlichen Institutionen. Imame hatten flächendeckend eine "Kopftuchpflicht" angeordnet. In manchen Gegenden Frankreichs ist die Welt der Moslems bereits erlebte Wirklichkeit. - Umbruch-Zeiten

Hessische/Niedersächsiche Allgemeine,
Kassel
vom 22. Januar 1995
von Reimar Oltmanns

Das französische Städtchen Nantua mit seinen viertausend Einwohnern liegt in einem der Jura-Täler im Südosten des Landes. Hoch ist die einheimische Arbeitslosigkeit, groß sind die Betriebsverluste der Kunststoff-Industrie im französischen "Plastik-Tal". Als Großkonzerne einstige Familien-Firmen aufkauften, brachten moderne Manager sogleich ihre eigenen Arbeitskräfte mit: Frauen aus den maghrebinischen Billiglohnländern Nordafrikas.


WIMPERN UND AUGENLIDER GESCHWÄRZT

Sie kamen in Bussen, meist im Morgengrauen - und vorsichtshalber unauffällig gleich direkt an die Fabriktore gefahren. Galt es doch für entlassene französische Arbeiter Tatsachen zu schaffen, Proteste im Keim zu ersticken.

Das kleinstädtische Innenleben schien den Belastungen wirtschaftlicher Umbruchprozesse halbwegs standzuhalten, auch wenn die rechtsradikale Front National bei den letzten Wahlen 30 Prozent der Stimmen holte. Sorgsam verdeckte Risse einer multikulturell verordneten Zuversicht. Bis zu jenem Tag wenigstens, an dem die Kopftücher kamen, als die "neue arabische Moral" im Gewand des "Tschador" oder Schleiers ihren sichtbarsten Ausdruck bekam.

Und Nantua ist überall in Frankreich, wo der Kulturkampf gegen arabische Islamisten gerade erst begonnen hat. Wo der Schule abermals gesellschaftlich Ungelöstes überantwortet wird. Ob Drogenhandel, Schülergewalt, Bandenkriege, Erpressung oder auch das neuerliche Sendungsbewusstsein der Imame.

Sie heißen Fatima, Leila oder auch Samira. Es sind lebenslustige 17jährige Mädchen. Nur ihr Äußeres signalisiert Fremdheit. Und das selbst in Schulen, die 1.200 Schüler mit fünfzehn Nationalitäten kennen. Ein dunkles Tuch verhüllt ihre Gesichter, Wimpern und Augenlider sind mit Kohle geschwärzt. Der Schleier als erkennbares islamisches Merkmal kultureller Ungleichheit der Geschlechter, mithin als Symbol unterdrückter Frauen, polygame Zwangsehen, Beschneidung, körperliche und seelische Gefangenschaft, Unterwerfung, Schläge ... "Allah wird es schon richten", heißt es da am Gymnasium Xavier Bichart zu Nantua. "Ich will mein Kopftuch immer behalten, das verlangt meine Religion", bekunden junge Mädchen am großen Schulgitter auch ungefragt. Texte, wie die vom gottlosen Voltaire, wollen sie in der Französisch-Stunde auch nicht mehr lesen.

MOSLEMBRÜDER ALS LEIBWÄCHTER

Ihre Moslem-Brüder, die sie wie Leibwachen zum Unterricht begleiten und auch wieder abholen, hören es gern. Nur ihr türkischer Iman zu Nantua kann solchen Bekennermut nicht mehr vernehmen. Er wurde kurzerhand des Landes verwiesen, weil er nur die koranischen, aber nicht die französischen Gesetze respektieren wollte.

Ob Fatima, Leila oder Samira - sie wurden in Frankreich geboren, haben die französische Staatsbürgerschaft und sprechen meist nur Französisch. Ihre Eltern zog es in den 70er Jahren wirtschaftlicher Expansion in die Fremde, als Hunderttausende aus dem nördlichen Afrika als Billigarbeiter kamen - mit viel Hoffnung und oft einer Wellblechhütte oder Bretterbude als Endstation.

KOPFTÜCHER ALS FOLKLORE

Frankreichs Einwanderungspolitik beruhte in ihrem Wesenskern immer darauf, dass sich die Zugereisten immer anpassten. Ganz gleich welcher Hautfarbe, ganz gleich von welchen fernen Kontinenten - Kinder der Einwanderer verinnerlichten in der Schule den Lehrsatz als wichtigstes Gebot: "Unsere Vorfahren, die Gallier." Gewiss gab es auch in früheren Jahren schon verhüllte Kopftuch-Mädchen an den Schulen. Damals wurden sie als "folkloristische Farbtupfer" empfunden. Vor zehn Jahren konnte noch nach einer 1981 vereinbarten Konvention ein Marokkaner auch in Frankreich seine marokkanische Frau ohne Gerichtsverfahren nach seinem Gutdünken verstoßen. Mittlerweile hingegen lösen derlei offensive Charaktere arabischer Kulturen im Land der Franzosen vielerorts ein "nationales Psychodrama" aus, so die Pariser Tageszeitung Le Monde. "Es ist nicht leicht, das Feuer zu löschen, wenn die Seele brennt."

Mit vier bis sechs Millionen Moslimen rangiert der Islam inzwischen vor etwa 800.000 Protestanten und 750.000 Juden in der französischen Republik. Religionsexperten vermuten gar, dass es inzwischen mehr praktizierende Muslime als Katholiken gibt. Immerhin leben in Frankreich ebenso viele Muslime wie im Libanon und Libyen zusammen an Einwohnern zählen.

MODERNE APARTHEID

Gewandelt hat sich das ehemals entspannte Klima der Menschen untereinander - gewandelt haben sich die politischen Ausgangspositionen. Da war der Golfkrieg mit französischen Militäreinsatz, da tobt in Algerien - ehemals französische Kolonie - ein barbarischer Bürgerkrieg mit 30.000 Toten zwischen radikalen islamischen Fundamentalisten und einer weltlich eingestellten Militärdiktatur. Da leben Tausende und Abertausende Eingewanderte in 400 Trabantenstädten vor sich hin - ohne Arbeit, ohne reelle Ausbildungschancen und mit einer Lebensperspektive aus in Beton gegossenen "Kaninchenställen". Eben ein abgelegte Vorort-Volk aus Elend, Resignation, Isolation und im ständigen Kleinkrieg mit der Polizei. Im modernen Sprachgebrauch: "urbane Apartheid".

WESTWÄRTS VON ALLAH

Mehr als 700.000 der französischen Arbeitslosen sind unter 25 Jahre alt. Hunderttausende haben keinen Schulabschluss, keine Berufsausbildung. Sie alle ahnen , dass der Zug längst endgültig an ihnen vorbei gefahren ist. Gewaltexplosionen. Den "beurs", den in Frankreich geborenen nordafrikanischen Einwandererkindern, bleibt reichlich wenig. Keine gesellschaftliche Anerkennung, kein Modellversuch der Integration.

"Die Araber sind zerrissen zwischen zwei kulturellen und sozialen Welten", schrieb der Soziologie-Professor Francois Dubet. "Sie wollten die neue übernehmen ohne ihre alte Identität zu verlieren, sich verändern und sich zugleich treu bleiben." Ihr Ausweg? Gefängnis oder neuerdings verstärkt der Imam. "Radio Beurs" und "Radio Orient" senden täglich Gebetsstunden - freitags direkt aus Mekka. Über 48 Prozent der Maghrebiner verneigen sich laut Umfragen täglich. Sinnsuche in Frankreich, westwärts von Allah.

Das ehedem bespöttelte "Kopftuch-Feuilleton" geriet unversehens zum Schleierkrieg zweier Welten in fragilen Umbruchzeiten. Ein Kopftuch markiert den Trennungsschnitt entgegengesetzter Kulturen. In ihrem allseitigen Präsenzgebaren hatten die Imame - obwohl der viel beschworene Koran dies nicht zwingend vorschreibt - ihren Frauen längst flächendeckend "Kopftuch-Pflicht" verordnet: als Widerstand gegen die westliche Welt mit ihrer konsumorientierten Demokratie samt Feminismus, als Widerstand in Frankreich gegen die algerischen Militärs, Widerstand gegen Razzien, gar Internierung islamischer Fundamentalisten. - Verschleierte Töchter als Speerspitze ... ...

In manchen Gegenden Frankreichs ist die Welt der Moslems bereits erlebte Wirklichkeit. In der Stadtregion Lille-Toucoing-Roubaix im äußersten Norden etwa, da ist Schweinefleisch in den Einzelhandels-Geschäften nur unter dem Ladentisch zu haben, wird offiziell in den Bars zwar Wein oder ausgeschenkt, ist in Wirklichkeit aber nicht zu haben. Angst. Naheliegend, dass in solchen Landstrichen mit einer maghrebinischen Bevölkerung von 53 Prozent der Schleierkrieg begann und sodann in weitere Provinzen hineingetragen wurde.

TOLERANZGRENZEN

Es blieb Erziehungsminister Francois Bayrou vorbehalten, "die Toleranzgrenze" der Gesellschaft aufzuzeigen. Unter Berufung auf die verfassungsmäßige Trennung von Kirche und Staat untersagte der katholische Politiker in seinem Erlass vom September 1994, religiöse Symbole mit auffälligen Merkmalen an staatlichen Schulen zur Schau zu stellen - Kopftuch-Verbot. Als vor etwa fünf Jahren der Streit ausbrach, der seither auch Gerichte beschäftigt, verschleierten sich rund 1.200 muslimische Schülerinnen im ganzen Land. Jetzt werden Töchter islamischen Glaubens, die sich trotz des Ministers Verdikt mit ihrem "Hedschab" schmücken, kurzerhand der Schule verwiesen. Ob in Lille, Paris, Marseille oder Nantua - Lehrer aus Rausschmeißer, Tschador-Mädchen als Märtyerinnen. Ratlosigkeit unter Frankreichs Pädagogen. Von der Politik "missbraucht" fühlen sie sich allemal. "Was wird aus den Mädchen, wenn wir sie verstoßen müssen?", fragten erregt Schuldirektoren. Keiner weiß es. Achselzucken ist die Reaktion.

Dabei war es der Erziehungsminister selbst, der als früherer UDF-Abgeordneter derlei "Ausgrenzungsmaßnahmen" als "pädagogisch sinnlos" und für "die Integration schädlich" bezeichnete. Schließlich ist der Islam längst zur zweitwichtigsten Religion Frankreichs geworden.

Tatsächlich hat der Kopftuchstreit verwirrend an Eigendynamik gewonnen. Islamische Konfessionsschulen bahnen sich in der Republik von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" ihren unaufhaltsamen Weg. Derweil päppelt der Staat den Katholizismus als Gegenmodell. Schon jetzt zählt Frankreich 10.000 katholische Privatschulen aus klerikal feudaler Vergangenheit, die neuerdings von den Regierung konservativen Zuschnitts bevorzugt in der Ausstattung bedacht werden.

Im Angebot jener Bildungseinrichtungen nehmen die Vermittlung moralischer Maßstäbe und mehr französische Kultur im traditionellen Sinne breiten Raum ein. Aber selbst dort wackeln schon sicher gewähnte Fundamente des Abendlandes. Sagte doch Pater Max Cloupet, Generalsekretär der katholischen Schulen: "Wir schließen keine Muslime von unserem Schulalltag aus, nur weil sie sich auch äußerlich zu ihrem Glauben bekennen."