Freitag, 29. Januar 2021

Genossen-Schlacht scharfer Klingen: Noch hat Peter von Oertzen den Mut noch nicht verloren

























Als der Politikwissenschafter Peter von Oertzen (*1924+2008) im Jahre 1970 zum Niedersächsischen Kultusminister gewählt wurde, fand er eine widerspenstige Bürokratie vor, in der CDU-Spitzenbeamte mit einschlä- giger Nazi-Vergangenheit als SS- und SA-Offiziere überwinterten. In zähen Kämpfen musste von Oertzen Schlüsselposition neu besetzen, wollte er mit seiner auf Chancen- gleichheit bedachten Schulpolitik,auch der Gründung zwei neuer Universitäten, nicht scheitern. Aufräumarbeiten statt Aufbruch. Diadochenkämpfe setzten dem demokratischen Sozialisten nahezu über ein halbes Jahrhundert zu. Sie vergifteten Umgangsformen, innerparteiliche Atmosphären, beschleunigten Denkverbote, endeten allzu oft im Freund-Feind-Raster. Aus dem Politikgestalter von Oertzen wurde in jener Reformära der siebziger Jahre nicht selten ein gehetzter Zeitgenosse.
Einst waren es in Hannover gewerkschaftsorientierte "Kanalarbeiter" um Egon Franke (*1913+1995), die dem linken Gesellschaftstheoretiker und Visionär Peter von Oertzen unversöhnlich gegenüberstanden; Bildungsbürger versus Facharbeiter, Funktionär gegen Hochschullehrer, Anpassung gegen Neubeginn . Bedrückende Jahre, die ihre Fortsetzung im "Seeheimer Kreis" fanden. Ihre Maßgabe: "Ohne uns läuft nichts." Partei-Vordenker von Oertzen verließ nach den Beschlüssen der "Agenda 2010" im Jahre 2004 resigniert die Sozialdemokratie. - Ämterge- schachere mit Verschleißprozessen, das ent- sprach nicht seinem Lebensprofil. Vier Jahre später starb Peter von Oertzen im Alter von 83 Jahren. Mit der SPD versöhnte er sich nicht mehr.


 Frankfurter Rundschau
 vom 15. Februar 1972
 von Reimar Oltmanns


Als Peter von Oertzen im April 1970 Bundesminister Egon Franke auf dem Parteitag des 60.000 Mitglieder starken SPD-Bezirks Hannover entthronte und mit überwältigender Mehrheit zum neuen Bezirksvorsitzenden gewählt wurde, war dies mehr als eine normale Wachablösung. Die Wahl des Universitätsprofessors Peter von Oertzen, der sich durch kritische Gesellschaftsanalysen profiliert hatte, galt nicht nur als Stärkung des linken Flügels in der SPD. Die Niederlage Egon Frankes , Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen (1969-1982), signalisierte einen Strukturwandel in der hannoverschen Sozialdemokratie; einer Partei, die sich bisher den Vorwurf gefallen lassen musste, in ihr würde nur der Apparat diktieren - regieren. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb damals: "Franke galt geradezu als Schulbeispiel für eine auf unerschütterliche Hausmacht gegründete Karriere."

"KANALARBEITER-RIEGE"

Die fast zwanzigjährige "Franke-Ära", durch seine straff organisierte Kanalarbeiter-Riege ermöglicht, schien sich dem Ende zu nähern. In den Vordergrund trat ein Poli- tiker, der über Gesellschaftsreformen nicht nur in Sonn- tagsreden sprechen wollte. Peter von Oertzen erklärte kurz nach seiner Wahl: "Ich möchte nachweisen, dass das Festhalten an einem sozialistischen Programm nur dann einen Wert hat, wenn es sich in die kleine Münze des täglichen Erfolges umsetzen lässt."

Was in den Kreisen der Jungsozialisten als das Ende der "Franke-Ära" bezeichnet wurde, formulierte "Genosse Peter" im Hinblick auf die vor ihm liegende Arbeit etwas vorsichtiger: "Was ich verändern will, ist der Stil ..., in dem in dieser Partei gearbeitet wird." Da die Veränderung des Stils einer Partei nicht ohne ent- sprechende Reformen des Apparates zu bewerstelligen ist, tauchte unter den Delegierten immer wieder die Frage auf, wie von Oertzen "den in seiner Struktur verkrusteten und allmächtig regierenden Apparat", nach seinem Sitz "Odeonstraße" genannt, umzugestalten gedachte. Auf diese Frage wird er in aller Kürze eine Antwort geben müssen. Eine bescheidene Anzeige im "Vorwärts" deutet darauf hin. Die mäch- tigste Position im Parteiapparat ist neu zu besetzen. Die Diskussion um den Nachfolger des aus Altergründen ausscheidenen Bezirksgeschäftsführer Hans Striefler (*1907+1998) , gleichzeitig niedersächsischer Landtags- abgeordneter, stellte von Oertzen vor ein ernsthaftes Problem. Der Abgang Strieflers gibt ihm die Chance, diese Position mit einem Mann seines Vertrauens zu besetzen.

"LIEBE GOTT" ZU HANNOVER - EIN PARTEIFUNKTIONÄR

Wie wichtig die Funktion des Bezirksgeschäftsführers ist, lässt sich daran ablesen, dass Striefler auch die Arbeit des SPD-Landesausschusses koordiniert, dem bekanntlich die vier niedersächsischen Bezirke ange- hören. Eine einzigartige Machtposition: Denn die Kombination dieser Ämter, ergänzt durch ein enges Vertrauensverhältnis zu Egon Franke, dessen Statt- halter er in Hannover war, gaben Hans Striefler mehr Einfluss als jedem anderen niedersächsischen SPD-Politiker. Zwei Jahrzehnte bestimmte sein Wort wesentlich das Fortkommen oder Scheitern einer politischen Karriere. An Striefler, von Parteifreunden respektvoll der "liebe Gott" genannt, lief keine der wesentlichen Entscheidungen, etwa die Frage, wer Minister oder Staatssekretär werden soll, vorbei. Auch die Bundes-SPD berief ihn in einflussreiche Positionen. Zuletzt bastelte er mit dem Partei-Rechtsaußen Her- mann Schmitt-Vockenhausen (*1923+1979) an Vor- schlägen für die Novellierung des Parteiengesetzes.

VOM GEHEIMEN STAATSSEKRETÄR ZUM BEZIRKSFÜRSTEN

Trotz dieser Machtfülle gelang es Striefler nicht, die Abwahl "seines" Bezirksvorsitzenden Egon Franke durch Peter von Oertzen zu verhindern. Für die Franke-Gegner war schon damals klar, wen sie spätestens im Jahr 1972 auf Strieflers-Platz katapultieren wollten: Den in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung getretenen Klaus Wettig (Ehemann der SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeyer 1991-2007). Die "Kanalarbeiter" verzeihten es diesem diskreten Drahtzieher ihrer Demontage nicht , den politischen Niedergang Egon Frankes organisiert zu haben. - Unversöhnliche Diadochenkämpfe in Hinter- zimmern der Macht.

Die seit 1970 bekannte Wettig-Kandidatur ließ jedoch den Oertzen-Gegnern genügend Zeit, eine Front aufzu- bauen, Irritationen zu verbreiten, Zweifel zu schüren. Ihr einziges Ziel war es offenbar , die Konsolidierung Peter von Oertzens als Vorsitzender des mächtigen Bezirkes Hannover zu hintertreiben; den Parteiprogrammatiker auf dem nächsten Parteitag im Herbst abzuwählen. Folglich galt die Wahl des einflussreichen Geschäftsführers als erster Test für die Demontage des einstigen Hoffnungsträger der Sozialdemokraten. Verständlich, dass von Oertzen standhaft an seinem Zögling Wettig festhielt. Denn mit ihm sollte erstmals ein Funktionär modernen Zuschnitts in den altein- gesessenen Apparat einziehen, "der die sozialistischen Theorien mit der praktischen Arbeit zu verbinden weiß".

GRAUE EMINENZ
Der gelernte Schriftsetzer stieg während seines Studiums über die Jungsozialisten in die Hierarchie der niedersächsischen SPD auf. Als Peter von Oertzen Kultusminister wurde, holte er sich Klaus Wettig ins Haus. In der Funktion eines "politischen Beraters" wuchs Wettig in seiner zurückgenommenen Art sehr schnell in die Rolle eines "geheimen Staatssekretärs" hinein. Keiner wusste im Ministerium Am Schiffgraben zu Hannover, wo Wettig tagsüber überall war - alle flüstern über ihn, fürchteten sich, den gestrengen Wettig-Blicken nicht standhalten zu können. Mit derlei Legenden ausgestattet schien es nahezu ausgeschlossen, dass die Kanalarbeiter ohne Murren dem Personalpaket Oertzens zustimmten - Wettig war eine "graue Eminenz", führte viele undurchsichtige Gespräche leise in Cafés, wusste einfach zu viel, war ihnen unnahbar, daher zu gefährlich.

MACHT-GERANGEL BEIM SCHÜTZENFEST

Die SPD Hannover in diesem Jahr ist ein sympto- matisches , untrügerisches Beispiel dafür, wie kurzatmig politischer Einfluss sein kann, wie schnell Seiten ge- wechselt - neue unübersichtliche Machtpositionen ausgehoben werden. Inhalte, Sachprogramme spielen in seltensten Fällen eine zentrale Rolle;Parteileben als Selbstzweck. Um den viel zitierten "Marsch durch die Insitutionen mit dem Vorpreschen der Linken" jäh zu stoppen, meldete sich jedenfalls in Hannover ein neuer Bewerber, mit dem niemand gerechnet hatte. Ernst-Georg Hüper (*1923+1993) , MdL und Bezirksvor- standsmitglied, in Parteikreisen kurz als "Egon" ge- nannt. SPD-Fraktionsvorsitzender Helmut Kasimier konnte sich angesichts dieser verwirrenden Konstel- lation die Bemerkung nicht verkneifen: "Er hat sich wohl selbst zum Kandidaten ernannt." Hüper, ein Mann mit altem Partei-Stallgeruch, hatte die Fronten gewechselt, war plötzlich zum Oertzen-Gegner mutiert.

MANDATS-ZUSAGEN

Einfach deshalb, weil es die Jusos immer wieder kritisierten, wie "Egon" öffentliche Ämter sammelte wie andere Briefmarken. Ämterpatronage. Parteiverdruss, Vertrauensverlust. In früheren Jahren trat Hüper jeden- falls als Gegner der Kanalarbeitergewerkschaft auf. Nunmehr nach weiteren Mandatszusagen inklusive obligatorischer Diäten verbündete er sich mit dem alten SPD-Haudegen Egon Franke. Schauplatz der Geheimab- sprache: ein Bierzelt auf dem hannoverschen Schützen- fest. Volksfestcharakter als Sozialisationsbesteck. SPD-Karrieren der siebziger Jahre.

"BELASTENDES MATERIAL"
Seit jenem Zeitpunkt sammelt Egon Hüper "be- lastendes Material" gegen die SPD-Linken. Vornehm- liche Aufgabe sieht er darin, Partei-Ausschlussanträge gegen un-liebsame Jusos im Bezirksvorstand zu stellen. - Eben junge, aufmüpfige Leute, die uns bald noch als Lehrer auf die Pelle rücken, "verrückt machen werden", mutmaßte Hüper. Verständlich, dass der vielerorts grassierende Lehrermangel in Niedersachsen eine "Luftblase " sei. GEW-Lehrer veröffentlichten in ihrer Zeitung unter der Über-schrift Hyper-Worte einen Hüper-Bei- trag, den er im Haushaltsausschuss des Landtages kundtat: " Der ganze Lehrermangel ist nur künstlich aufgebauscht." Auf die SPD-Öffentlichkeitsarbeit ein- gehend, äußerte Hüper: "Erst müssen unsere Diäten-erhöhungen stimmig sein. Und jede Mark, die wir jetzt für dann für Propaganda ausgeben, ist wichtiger als neue Lehrerstellen. Die sind sowieso gegen uns."

Angesichts der sich abzeichnenden Polarisierung innerhalb der SPD schreckten einflussreiche Sozial- demokraten davor zurück, sich für den favorisierten Klaus Wettig zu entscheiden. Auf der Suche nach einem Mann des Ausgleichs tauchte ein neuer Name in der Diskussion auf: Braunschweigs Landtagsabgeordneter Jochen Stief. Seine Chancen, zum Bezirks- und Landes- geschäftsführer zu avancieren, sind in den letzten Wochen nur gestiegen, sondern inzwischen steht es für Ernst-Georg Hüper fest. "Stief wird unser neuer Mann sein." Zwar wird der Bezirksvorstand erst am 26. Februar 1972 über die Nachfolge von Hans Striefler entscheiden, doch die in Hannover in den letzten Wochen sehr ausgeprägten Mauscheleien haben bereits jetzt unverkennbar Signale gesetzt. Ganz nach dem Mehrheitsprinzip: Je graumäusiger, desto besser.

ÜBER DIE KLINGE SPRINGEN LASSEN

Peter von Oertzen hatte sich unterdessen im Restaurant Leine-Schlösschen mit seinem Widersacher "Egon" Hüper zu einem Vier-Augen-Gespräch getroffen, um wenigstens parteiinternen Diadochenkämpfe einzu- dämmen, das Postengeschiebe abzustecken. Fazit des Ämterschachers der SPD-Männer: Weder Hüper noch Wettig werden sich zur Wahl stellen. Damit haben von Oertzen und Gefolgsmann Wettig früher als erwartet den Rückzug angetreten. Hieß es zunächst, man lasse es auf eine Kraftprobe ankommen, so wollen Oertzen-Anhänger ihre erlittene Niederlage im Hinblick auf den kommenden Parteitag nicht noch in das Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen lassen. Mit dem parlamen- tarischen Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Helmut Rohde (1969-1974), lauert nämlich schon ein weiterer Kandidat auf den Oertzen-Posten. Für den rhetorisch versierten Redakteur scheint es ohnehin nur eine Frage der Zeit zu sein, "ob wir ihn schon jetzt oder erst etwas später für die Klinge springen lassen wollen".


FRÜHES STERBEN DER GENOSSEN
Immerhin: Nachdem es den "Kanalarbeitern" nunmehr gelungen ist, den Vormarsch der von-Oertzen-Anhänger zu stoppen, mehren sich jedoch die Anzeichen, den SPD-Programm-Vordenker auf dem kommenden Parteitag noch einmal zu schonen. Galgenfrist. Nach ersten Anzeichen von Resignation scheint Peter von Oertzen zum Kampf entschlossen zu sein. Als der Politikwissenschaftler zum mächtigen Bezirksvorsitzenden in Hannover gewählt worden war, sagte er im Hinblick auf Ämtergeschachere, Ämterpatronage, Ämterhäufungen: "Was ich ändern will, ist der Stil, die Art des menschlichen, des oft hartherzigen Umgangs, mit dem in dieser Partei ohne Persektive gearbeitet wird". Er fügte hinzu: "Mir wird es nicht so ergehen wie Walter Möller, dass das Land mich aus dem Sattel kippt." (Walter Möller, Frankfurter Oberbürgermeister, starb im Alter von 51 Jahren 1971 während eines Gesprächs mit seinem erbitterten Widersacher Rudi Arndt - Herzinfarkt). Bei den Oertzen-Anhängern setzte mittlerweile die Ansicht durch, dass ein Bezirksvorsitzender von Oertzen ohne Apparat immer noch besser sei als ein neuer "Kanalarbeiterfürst" und mit Apparat. - Der Kampf um Vormacht, Vorgaben und Vorahnungen in der hannoverschen SPD mit ihrer Kanalarbeiter-Riege und einem linken Theortiker geht in die nächste Runde. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. - Das kann noch Jahre dauern. Schöne Aussichten.





























Dienstag, 14. April 2020

Gemütliche Bänke zur Besinnung am Ehrenmal in Hude


                                     
                              von Reimar Oltmanns mit Fotos von Helga Möller-Tallay

Hude/Nordfriesland. - An diesem Oster-Sonntag kennt das großflächige Ehrenmal für            die Kriegstoten zu Hude in Nordfriesland drei Gestalten, die sich von Gedenkstein zu            Gedenkstein andächtig fortbewegen. Bürgermeister Ulrich Kinner,66, zelebriert seinen Oster-Spazierung frei nach Goethe, den er sogleich ins "Nordfriesische" zu übersetzen versteht: "Vom Eise befreit sind Unkraut und Gräber, Sauberkeit ist unser Gesang. Der grausige Winter zog sich in die Felder zurück. Das hat für uns einen ganz anderen Klang."

Mit seinem Kollegen, dem Ortsvorsteher aus Süderhöft, Tewes Vogelsang,45, und ihrem Gemeinde-Arbeiter, dem gelernten Landschaftsgärtner Axel von Fehrn erneuerten sie die dicht bewachsene Treppe, ausgetretene Sandwege, schrubbten Namenssteine, pflanzten Stiefmütterchen, schmirgelten und strichen alte Bänke zu neuem Glanz, ließen Äste aus Jahrzehnte alten Bäumen sägen. Arbeitseinsatz mit Bürgermeistern in ihrer Freizeit. Ehrenamtlich. Ganz nach dem Motto: Acht Stunden sind kein Tag. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein."
An diesem Morgen wird die Zeit irgendwie zeitlos, auch der Augenblick, an dem das Zeitende meist unverhofft in die Gegenwart springt. Stille, Ruhe - welch ein Luxus, kein Geschrei, keine schnelllebigen Bewegungen, keine hastig verschluckten Halbsätze. Vielleicht ist es ein Quäntchen Selbstvergessenheit an den Innschriften der einst ohne Sinn und Verstand für Deutschland gefallenen Väter und Söhne aus diesen kleinen Dörfern. - Wehmut.
Die verspürt Axel von Fehrn  jedenfalls, wenn er vor dem Gedenkstein seines in den letzten Kriegstagen in Ostpreußen von der Roten Armee erschossenen Onkels Ernst Hansen steht. - Schweigen.In einem leicht verlaufenden Bogen stehen 347 Gedenksteine mit den Namen der Soldaten aus zwei Weltkriegen. Sie ließen ihr Leben in Russland, Rumänien, Frankreich, Italien, Flandern, Ostpreußen, Norwegen. "Vergiss, mein Volk, die teuren Toten nicht und schmücke auch unsere Urne mit dem Eichenkranz", dichtete einst der unverbesserliche Lützower Theodor Körner (*1791+1813).
Für Süderhöfts Bürgermeister Tewes Vogelsang gehören Soldaten-Gedenkstätten zur deutschen Identität. Nachdenklich hinterfragt er sich allerdings, wo in absurden Kriegen die Ehre  beginnt und die Ehre aufhört? Vogelsang: "Gedenkstätten sollten ein  Ort der Besinnung, der Trauer und der Reflektion,auch der Erholung sein." Ulrich Kinner ergänzt: "Wir erleben die längste Friedenszeit in der neudeutschen Geschichte. Ehrengräber mahnen uns, das nicht zu vergessen!"


Sonntag, 23. Februar 2020

Neo-Nazis, Terror, Morde

                                                                                                           
Wir lieben Deutschland und lassen es uns nicht durch den rechtsradikalen Mob zerschlagen

Donnerstag, 12. Dezember 2019

eine Odyssee auf den wilden Wohnungsmärkten






... und Morgen ziehen wir um. Das waren meine erlösenden Gedanken, wenn es endlich hieß, die Nachbarschaft hinter sich zu lassen. Diese hatte monatelang das Erträgliche, ja Zumutbare überschritten. Doch bis dahin sollte eine Odyssee der Wohnungssuche Geduld und Nerven kosten. Da erschienen die Umzugs-Strapazen wie eine Leichtikeit.

                          epubli-Verlag Berlin 2019, 173 Seiten - 8,99 Euro                                                                             ISBN 978-3-750262-79-9

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   " ... und Morgen ziehen wir um. Das waren meine erlösende Gedanken, als es endlich hieß, die Nachbarschaft hinter sich zu lassen. Diese hatte monatelang das Erträgliche, ja Unzumutbare überschritten. Doch bis dahin sollte eine Odyssee der Wohnungssuche Geduld und Nerven kosten.Da erschienen die Umzugs-Strapazen wie eine Leichtigkeit." Helga Möller-Tallay

"Ein witziges, informatives Büchlein über die gesellschaftliche Wirklichkeit in Deutschland. Die Autorin erlebte und durchlebte skurrile Begebenheiten in Schleswig-Holsteins Städten. Dabei ging es ihr nur um eines: Ihr Recht auf eine Wohnung, die Tausenden von Familien durch überhöhte Mieten verwehrt werden. 
Auch das Wohnrecht ist ein Menschenrecht. Ein lebenswertes, unterhaltsames Buch." Reimar Oltmanns


                                 


                                                                                                                                                             










                                        


Sonntag, 7. Juli 2019

Hermann Hesse

                                                   Besuch am Grab von Hermann Hesse
                                                   geb. 2. Juli 1877, gestorben und beerdigt
                                                   9. August  1962 in Montagnola/Schweiz

Mittwoch, 27. Juni 2018

Helga MöllerTallay/Reimar Oltmanns: Der Kater lässt das Mausen nicht. Wenn der Humor verhungert.

Schamlos geschrieben berührt dieser Roman Grenzen der Intimsphären und obszönen Einlassungen vieler Frauen. Er erzählt von einer biografischen Zeitenwende. Frauen-Gewalt, Verfügungsgewalt, feminine sexuelle Obsessionen. Max der Hauptakteur war stets unterwegs in fremden Betten. Er war ein Getriebener, gierig und sexbesessen. Unüberlegt ließ er sich auf zerstörerische Liebschaften ein. Er konnte es nicht lassen. In späteren Jahren sagte er sich: Es ist schon besser, wenn ich mich selbst erinnere als von anderen erinnert zu werden.

Der Kater lässt das Mausen nicht. Wenn der Humor verhungert. 362 Seiten,  epubli Verlag Berlin 2018, ISBN: 978-3-746736-14-3 

Dienstag, 16. Februar 2016

Lutz Hachmeister: Der Hannover-Komplex. Der Aufstieg zum Machtzentrum der Bundesrepublik - ARD 2. Mai 2016


                                             Umwege,schreibt die MEDIEN-KORRESPONDENZ, sind Denkwege. Etwas bigott kommt  Reimar Oltmanns daher, der frühere Korrespondent der Zeitschrift  STERN.  Wo Oltmanns politisch analysiert, etwa Niedersachsen und Hannover als Kerngebiet der Deutsch-Nationalen beschreibt, ist er verlässlich; wo er sich jedoch über Schröders und Wulffs Ehe- und  Liebesleben auslässt, wird es etwas klebrig-boulevardesk.

Vierzehn Abenteuer mit Pupsi Maus & Igel Ferdinand - aufgezeichnet und illustriert von Helga Möller-Tallay






                                       


Hereinspaziert in die Wurzelhöhle von Igel Ferdinand + Pupsi Maus. 
In ihrer geheimen Welt erleben sie Abenteuer, spannende Erlebnisse, auch wilde Mutproben in der Luft und auf dem Wasser. Ihre Streifzüge gehen über Wiesen und durch Wälder. Aber auch auf dem Jahrmarkt an der Würstchenbude müssen sie Gefahren bestehen.Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Eine Freundschaft fürs Leben beginnt zwischen Igel Ferdinand + Pupsi Maus. - Sehr zu empfehlen diese Gutenacht-Lektüre.

epubli Verlag, Berlin, 94 Seiten, 62 Bilder

ISBN:  978-3-7375-9010-5

  

 


 


Freitag, 9. Mai 2014

Reimar Oltmanns "Kein schöner Land in dieser Zeit. Verlorene Illusionen". Bild-Band 1 (1969-1979) und Bild-Band 2 (1980-2010)




























Der erste Band mit Bilddokumenten von 427 Seiten hilft Gedächtnislücken zu schließen. Nur ein präzises Erinnern lässt gesellschaftliche Stagnation, gedanklichen Stillstand - aber auch restaurative Abläufe in ihrer Kontinuität erkennen. Spuren in Manuskripten wie sorglos verschüttete Texte gilt es zu sichern, nicht nahezu alles einer teilnahmslosen Beliebigkeit zu überlassen. In diesem Buch erzählt Reimar Oltmanns von Menschen , Schicksalen, Ereignissen - von verloren gegangenen Illusionen. Diese edierte Reportage-Sammlung entführt Leser wie Leserinnen auf eine Weltreise - spannend, analytisch, einfühlsam. Es sind Beschreibungen aus einer längst verflossenen Epoche, aber in ihrer Aussagekraft immer noch aktuell.

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Reimar Oltmanns: Kein schöner Land in dieser Zeit. Verlorene Illusionen - Reportagen, Berichte, Porträts, Erzählungen zur Zeitgeschichte. Band 1 (1969-1979). Books-on-Demand, Norderstedt 2010, ISBN 9783842332942

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 e-paper:
http://itunes.apple.com/de/book/kein-schoner-land-in-dieser/id445836980?mt=11
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Im zweite
n Band mit zahlreichen Fotografien von 352 Seiten belichten Milieubeschreibungen aus vielen Ländern die Wirklichkeit. Sie zeigen Denkweisen, Gefühle und Handlungsstrategien einer vergangenen Ära. Ein Rückblick, der verdeutlicht, dass die Befindlichkeiten der Menschen, ihre Hoffnungen, Perspektiven und Verzagtheiten, ihre Rechtfertigungs- und Verdrängungsmechanismen intensiver waren als im darauffolgenden Jahrzehnt. - Reportagen biegen Realitäten nicht zurecht, lassen sich nicht in erwartete ideologische Grundraster zwängen, sprengen deren Rahmen. Die Reportage ist und bleibt die Königin der journalistischen Kunst.

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Reimar Oltmanns:
Kein schöner Land in dieser Zeit. Verlorene Illusionen - Reportagen, Berichte, Porträts, Erzählungen zur Zeitgeschichte. Band 2 (1980-2010). Books-on-Demand, Norderstedt 2010, ISBN 9783842333130
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e-paper:

http://itunes.apple.com/de/book/kein-schoner-land-in-dieser/id445836999?mt=11

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"Die Zeit heilt Schmerzen und Streitigkeiten,
weil der Mensch sich ändert.
Weder der Beleidiger noch der Beleidigte
bleiben, was sie einmal waren."
Blaise Pascal, katholischer Philosoph (*1623+1662)

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Milieubeschreibungen, Erzählungen und Berichte des Autors Reimar Oltmanns über die Mächtigen, Verbannten wie Ausgesperrten in vielen Ländern in ihren Epochen belichten die Wirklichkeit dieser Jahrzehnte. Sie zeigen  eindrucksvoll verschiedene Denkweisen, Gefühle, Ohnmachtsmomente und einen unbändigen Freiheitswillen der beschriebenen Einzelschicksale überall auf der Welt.

Der Autor war als Reporter für  verschiedenen deutsche Magazine an vielen Krisen- und auch Kriegsschauplätzen unterwegs. Seine Bücher machen nachdenklich. Oltmanns berichtet vorgeblich über Hunger, Umweltzerstörung, Kindesmisshandlungen, Folter im Namen der Terroristenjagd wie  die systematische Durchleuchtung des einst unbescholtenen Bürgers. Schauplätze, gar Anlässe mögen sich verändert haben, Grundbedingungen des Überlebenskampfes schaffen vielerorts neue Aktualität.

Beide Bücher von Reimar Oltmanns umfassen ganze vierzig Jahre - und vier Jahrzehnte sind kein Tag. Leser wie Leserinnen werden unweigerlich über die anschaulichen Texte reflektieren, weil sie sich fragen, welche Fortschritte für die Würde des Menschen tatsächlich - in Sachen Demokratie , Menschenrechte, gegen Ausbeutung der Bevölkerung - gemacht worden sind. Es hat sich, das belegen die beiden Bände zweifelsfrei. wenig verändert. Hoffnung? Fehlanzeige.

Aber auch in Europa - vornehmlich in Deutschland - werden Oltmanns Reportagen zu einem Stück Geschichtsbegleitung, Geschichtsbeschreibungen. Die politische Routine in den Hauptstädten dieses Kontinents entpuppt sich zunehmend geschmeidiger, konturloser zu einer TV-Soap. Die Wirklichkeit (dies zeigen Oltmanns Texte über die Oben-und-Unten-Verhältnisse) in Deutschland hingegen - dort draußen in den Provinzen und Regionen - folgt längst ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten, Lebensgefühlen und Erfordernissen. Es sind kaum wahrnehmbare Verzagtheiten von Menschen, die sprachlos am Wegesrand stehen - Menschen als Kostenfaktor.

Es sind Bücher, die politische Zusammenhänge verdeutlichen und emotional berühren. Wie schrieb der Autor: "Was wir wollten, was aus uns geworden ist." Für den Geschichtsunterricht sehr zu empfehlen.

Freitag, 5. Oktober 2012

Lyrik, Gedichte, Verse - Versus memoriales - schnelllebige Tage, flüchtige Momente des Vergessens (7)

   
                                       
   von Gerrit Engelke, deutscher Arbeiterdichter, geboren 1890 in Hannover; gestorben  1918         bei Cambrai in  Frankreich

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H E R B S T


Um die Großstadt sinkt die Welt in Schlaf.
Felder gilben, Wälder ächzen überall.
Wie Blätter fallen draußen alle Tage,
Vom Zeitwind weggeweht.

Ob Ebene und Wald in welkes Sterben fallen,
Ob draußen tost Vergänglichkeit,
Im  Stadtberg brüllen Straßen, Hämmer hallen:
Die Stadt dampft heiß in Unrast ohne Zeit.

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Mittwoch, 25. Januar 2012

Bonner Jahre - Hammelsprünge 2012



























Buchkapitel des Autors in dem von der Journalistin Ursula Kosser herausgegebenen Band . Im Vorlauftext heißt es: "Die Verknüpfung von Sex und Macht war in der Bonner Republik Alltag. Was bislang nur hinter vorgehaltener Hand geflüstert wurde, liefert den Hintergrund heutiger Debatten - etwa über die Frauenquote. Denn viele der beteiligten Männer und Frauen wirken heute aktiv und in hohen Positionen an der Politik dieses Landes mit. Im Buch "Hammelsprünge" schildern Akteure und Beobachtern jener Bonner "Treibhaus"-Jahre, was Politiker und Journalisten taten, um "den jungen Hühnern das Gefieder zu stutzen".


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Ursula Kosser: HAMMELSPRÜNGE
Dumont Buchverlag
250 Seiten, Hardcover.
EUR 18,99
ISBN: 978-3-8321-9656-1
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Sonntag, 8. Januar 2012

Unabhängiger Sender mit scharfen Sachverstand - Freies Radio Helsinki, Graz









Frech, witzig, kritisch, unbequem,
lebensnah, die Langeweile ist ausgewandert - Moderation, Interviews, Kommentare, Analysen zum gesellschaftlichen Zeitgeschehen und politischen Ereignissen dieser Jahre im freien Radio Helsinki, Graz 2012 - gegen Ausgrenzung, Selbstgefälligkeit, Bestechung, Trägheit in Oben-Unten-Gesellschaften. Radio Helsinki ein Radio Kunterbunt - Stimmen, die gegen den Strom schwimmen.



Samstag, 24. September 2011

Lyrik,Gedichte, Verse - Versus memoriales - schnelllebige Tage, flüchtige Momente des Vergessens (6)



















 
Christian Friedrich Hebbel (*18.März 1813 in Wesselburen,
Dithmarschen; + 13. Dezember 1863 in Wien) war ein
deutscher Dramatiker und Lyriker. Sein Pseudonym in der
Jugend war Dr. J.F. Franz


ABENDGEFÜHL

Friedlich bekämpfen
Nacht sich und Tag.
Wie das zu dämpfen,
Wie das zu lösen vermag !

Der mich bedrückte,
Schläfst du schon, Schmerz ?
Was mich beglückte,
Sage, was war's doch, mein Herz ?

Freude, wie Kummer,
Fühl' ich, zerrann,
Aber dem Schlummer
Führten sie leise heran.

Und im Entschweben,
immer empor,
Kommt mir das Leben
Ganz wie ein Schlummerlied vor.




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Joachim Ringelnatz (*7. August 1883 in Wurzen; + 17. November 1934 in Berlin; eigentlich Hans Gustav Bötticher) war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur Kuttel Daddeldu bekannt ist.

 


An Gabriele B.

Schenk mir dein Herz für vierzehn Tages,
Du weit ausschreitendes Giraffenkind,
Auf daß ich ehrlich und wie in den Wind
Dir Gutes und Verliebtes sage.

Als ich dich sah, du lange Gabriele,
Hat mich ein Loch in deinem Strumpf gerührt,
und ohne daß du's weißt, hat meine Seele
Durch dieses Loch sich bei dir eingeführt,
Verjag sie nicht und sage: "Ja!"
Es war so schön, 

als ich dich sah.
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Cäsar Otto Hugo Flaischlen (* 12. Mai 1864 in Stuttgart; + 16. Oktober 1920 im Sanatorium Horneck in Gundelsheim) war Anfang des 20. Jahrhunderts ein bekannter Lyriker und Mundartdichter. Er starb im Alter von 56 Jahren und ist heute weitgehend vergessen.


Man hätt es nicht dürfen.
man hätt es nicht sollen,
und man hat es
dennoch gewollt . . .

Und es war so schön,
wie's nie gewesen,
hätt man es dürfen,
hätt man's gesollt.


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Die Lyrikerin Monika Schüler, (* 1957 in Großdorf Haßloch/Pfalz), lebt in Worms. Sie war immer schon anders in ihren bizarren Gefühlen, tief empfundenen Wahrnehmungen, seelischen Aphorismen. Und sie hatte immer schon ein unendliches kaum zu beruhigendes Fernweh. So schreibt Monika Schüler in Bildern, Gefühlen, in Düften, Gerüchen. Ihre Gedichte klingen vielleicht wie Musik, in Tönen, Klängen; mal temperamentvoll, dann wieder unerwartet zärtlich. Ihr erster Gedichtband ist wie ein Vulkan - unterlegt durch Meditation, Hypnose, Trance aus einer anderen, fernen Welt des Bewusstseins.

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Texte aus der Tiefe meiner Seele
Books on Demand, Nor
derstedt,
ISBN: 978-3-8448-6994-1, Paperback, 116 Seiten


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ENGELSDUFT ...Magisch -
Silbern - glitzernd
Fliegt er durch die Luft ...

Er klingt mit Flöten,
Harfen, zarten Tönen,
Weich - und himmlisch
Leicht getragen
Durch die Luft ...

Für alle Menschen
Riecht es
Gleich - betörend.

Verzaubernd gleitet er
Berauschend durch die Luft.

Selbst das Elend
Und die Armut
Halten ihren Atem an,

Versinken
im Rauschen
Dieses Phänomens ...

Engelsduft
Liegt webend
In der Luft ...

Wenn Engel
Ihre weiten Flügel
Breiten aus ...

Aus dem Himmelszelt
Sich liebevoll -
Zur Erde
Tief herab begeben ...

Lässt selbst
Die Kindertränen
Süß versiegen ...

Mit Göttlich -
Großer Liebe -
Sind sie - für uns Menschen
Die Behüter in der Welt.

Engelsduft ..

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DIE NACHT

Des Nebels
Graue Schleier;
In Milch gegossen
der Weg
in Schnee getaucht;

begleitet von der Stille
Dunkelheit;
Der Schrei der Eule,
die nach Weisheit schreit;
das Dunkel,
das die Nacht bezeugt.

"Gedanken", das Gespür;
nach Ewigkeit,
Geräusche flirren
durch die Nacht.
Vom Mond erleuchtet,
ist die Kraft.


"Die Augen schauen"
Sehnsuchtsvoll;
"Es ahnt der Morgen."


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LIEBE
" Die Liebe ist so leicht wie das Schweben in die Wolken,sie ist - oder sie ist nicht.Sie braucht keine Diskussionen, sie lebt von wahren Gefühlen.
Ihr Inhalt ist groß und eines.Nicht beseelt von selbst gemachten Gedanken, -
Und Worten, die nicht zu ihr gehören."

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Katharina Lanfranconi ( *20. Juni 1948 in Luzern / Schweiz)
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WECHSTABEN VERBUCHSELN

wenn worte ihren anfang tauschen
fährt krokodil aus seiner haut
der taube lernt im nu lauschen

und erbensuppe kichert laut

wenn torten ihren anfang wauschen
fährt krokodil aus seinem kraut
die laube kann auf einmal tauschen

nur erbsensuppe lacht nicht laut

weil ausgelöffelt statt verwechselt
sie lautstark ihre wut verdaut

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FRAUENPOWER

weisse zähne
die beissen

laufen mit gelben

die lächeln

kür und pflicht
auf gefrorenem
schweisse


schmallippig

umrandet

lauert listig
das eisloch

alle mütchen
zu kühlen


auch heisse

lacht der himmel bin ich
traurig
heult er rotz bin ich recht froh

meine stimmung ist ga schaurig
und gedrückt wenn andre froh

wenn aus pappe eine nase
schreiend dein gesicht verziert

oder eine schweineblase
voller farbe mich verschmiert

und dein unbedarftes quieken

nicht einmal das schlimmste ist
wenn die freunde glücklich blicken
froh wie hühner auf dem mist


könnt ich dich mit haut und haaren
zum teufel schicken weil du nie

die schönen dinge kennst, die wahren
die wonnen der melancholie

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ICH WILL

dich müde küssen
trauriger

bis deine lider
flattern


weisse
schmetterlinge
sterben leise
lächelnd

leichten tod


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MORGENLIEBE

in deinen schlaf

erfand ich
zeichenschriften
die kein gelehrter

und kein mönch
in seiner klause
jemals sann

in goldne
haut hab ich mit
federkielen sie geritzt
wie blaues licht
so fein, dass nicht

ein tropfen blut
von deiner stirne rann

erwachsend schautest du
die schrift im sonnenlicht

die morgenliebe
jauchzte junges glück
und küsste doch
beio jeem wort
das sie verstand

in süssen schlaf zurück

einen tag
wie heute

könnt ich
glatt verschlafen,

verschenken,
oder in eine grosse
umzugskiste packen

draussen vergässe
ich sie im regen
und würde zusehen,

wie ein grosser
hund kommt
und sein strammes
bein hebt

dann würde ich
mir eine zigarette
anstecken und
einen tiefen

zug nehmen,
obwohl ich
das rauchen
längst aufgegeben
hätte

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CLUB DER LEBENDEN DICHTER

kaum gelesen,
noch seltener gehört,

von keinem erfolg
in der stille gestört,

so singt er mit wortklang
den traurigen winden

bleibt meist ohne anhang
da keiner zu finden

die nächtliche kammer
bevölkert gelichter


stipendiert ist im
glücksfall das brot -

berühmt wird vom club
der lebenden dichter

ausschliesslich
wer hin ist und tot

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Stefan Anton George (* 12. Juli 1868 in Büdesheim ,heute Stadtteil von Bingen am Rhein, + 4. Dezember 1933 in Minusio bei Locarno)
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SPRICH NICHT IMMER

Sprich nicht immer

Von dem laub
Vom zerschellen
Reifer quitten
Von den tritten
Der vernichter
Spät im Jahr.

Von dem zittern
Der libellen
In gewittern
Und der lichter

Deren flimmer
wandelbar.


WENN ICH HE
UT NICHT DEINEN LEIB BERÜHRE
Wenn ich heut nicht deinen leib berühre
Wird der faden meiner Seele reissen
Wie zu sehr gespannte sehne.
Liebe zeichen seien trauerflöre
Mit der leidet seit ich dir gehöre.
Richte ob mir solche qual gebühre

Kühlung sprenge mir dem fieberheissen
Der ich wankend
draussen lehne.
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Walter Bendix Schönflies Benjamin (* 15. Juli 1892 in Berlin; + 26. September 1940 in Portbou)


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"Nur um der Hoffnungslosen Willen ist uns die Hoffnung gegeben."

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Nikolaus Lenau , eigentlich: Nikolaus Franz Niembsch, ab 1820 Edler von Strehlenau, geboren am 13. August 1802 in Csatád (dt. Tschodat) im Banat, Königreich Ungarn, heute Lenauheim in Rumänien; + 22. August 1850 in Oberdöbling, heute Stadtteil Wiens) war österreichischer Schriftsteller des Biedermeier.

NEBEL

Du, trüber Nebel, hüllst mir
Das Tal mit seinem Fluß
Den Berg mit seinem Waldrevier
Und jeden Sonnengruß.

Nimm fort in deine graue Nacht
Die Erde weit und breit !
Nimm fort, was mich so traurig macht,
Auch die Vergangenheit !

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Friedrich Rückert (*16. Mai 1788 in Schweinfurt; + 31. Januar 1866 in Neuses (heute Teil von Coburg); Pseudonym Freimund Raimar, Reimar oder Reimer)
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Das Jahr


In einem Land möcht' ich wohnen,
Wo der Natur gesetzter Zwang

Hinwandeln läßt durch glüh'nde Zonen
Des Jahres unverrückten Gang;

Wo nach des Winters Regengüssen
Ein langer fester Sommer kommt
Und auch die Menschen fühlen müssen,
Daß nicht ein wirrer Wechsel frommt.

Und wäre das mir nicht beschieden,
So möcht' ich wohnen an dem Pol,

Wo eines tiefen Winters Frieden
Ich mir ließ auch gefallen wohl;
Da muß des Menschen Geist versenken

Sich können in das Daseins Schacht
Und still sich nach den Sternen lenken
In ewig heller Winternacht.

Unselig ist der Mitte Schwanken,
Dem hier wir unterworfen sind,

Wo Stunden wechseln wie Gedanken,
Und die Gedanken wie der Wind;
Wo keine ruhige Entfaltung
Erlaubt des Jahrlaufs wilde Hast
Und in verworrner Welthaushaltung

Mensch und Natur hat nirgends Rast.

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Angelus Silesius
(lat. für "Schlesischer Bote / Engel", eigentlich Johannes Scheffler; getauft am 25. Dezember 1624 in Breslau; + 9. Juli 1677 ebendort


Dein Kerker bist du selbst
Die Welt, die hält dich nicht,
du selber bist die Welt,
Die dich in dir mit
dir so stark gefangen hält.




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Max Dauthendey (*25. Juli 1867 in Würzburg; + 29. August 1918 in Malang auf Java)

Unsere Augen so leer,
Unsere Küsse so welk,
Wir weinen und schweigen,
Unsere Herzen schlagen nicht mehr.

Die Schwalben sammeln sich draußen am Meer, Die Schwalben scheiden, Sie kommen wieder, Aber nie mehr uns beiden.
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Simone Hirth (*1985) in Freudenstadt, aufgewachsen in Lützenhardt, studierte am Deutschen Literaturinstitut, lebt in Leipzig. Im Jahre 2007 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg, Förderpreis der Hermann-Lenz-Stiftung

NOTIZ

Heute lasse ich die Großmütter sterben
und koche nichts.
Heute zweifle ich nicht an den roten Wangen der Teilzeitkraft in der Metzgerei.
Heute verstehe ich die Uhrzeit falsch
und verliebe mich.
Heute warte ich nicht vergeblich auf mein Glück, heute grab ich mich ein.
Heute bewerbe ich mich um eine freie Stelle auf meiner Tapete.
Heute verwette ich mein Erbe
und kaufe nichts.
Heute bin ich weg.