Sonntag, 31. Januar 2021

"RAUS MIT DEN DEUTSCHEN AUS UNSEREM LAND"

Die Benes-Dekrete von 1946 in der Tschecheslowakei , Enteignung und Entrechtung gelten für alle Zeiten / Opfer der Gewalt und Flucht /  Mördern machtlos ausgeliefert /   Hirngespinste ewiger Revanchisten / Nur ein präzises Erinnern  lässt die Absurdität, den Wahn, den blinden Hass erkennen

Gewidmet meiner Mutter Anna Marie Tallay geb. Pfeifervon Helga Möller-Tallay und Reimar OltmannsUrlaubszeit - Sommerzeit im Jahr 2020.Versonnen schauen wir aufs weitläufig    schlummernde Elb-Ufer der gegenüberliegenden Flussseite. Eingebettet zwischen     Marienberg und Ferdinands Höhe liegt "unser" Städtchen Aussig im ehemaligen            Sudetenland. Über das Gewässer hinweg blicken wir ans andere Elb-Ufer auf den Ort Schreckenstein mit seinem auf hohen Felsen thronenden Wahrzeichen - auf die einstige  Burg Schreckenstein, heute Burg  Strekov. Bizarr wirkt die Beschaffenheit des Chateaus  auf      einem steilen, monolithischen Klingsteinfelsen, der direkt über der Elbe hundert Meter hoch aufragt.Wir sind in Aussig, in Ústí nad Labem auf der Durchreise. Für wenige Tage beabsichtigen wir still und leise eine Gegend zu durchfahren, die sich ehedem "zu Hause" nannte. Die eine Seite beheimatet noch immerhin waldreiche Hügel und Berge. Auf der anderen erstreckten sich riesige Fabrik-Anlagen; frühere Produktionsstätten für Lederwaren, Webstoffe, Siderotlith für die Herstellung von Keramiken, Färbereien, Maschinenbau und Glashütten.   Die Charakteristika: Aussig umgab nicht das graue Antlitz einer Industriestadt. Sauber und hell blinkerten Häuserfassaden.    Ich erinnere mich an meine Mutter Anna Marie Tallay (*1919+1994).  Sie schrieb mir im Jahre 1975 in mein Tagebuch: "Dreißig Jahre sind vergangen seit dem 12. Mai 1945, an dem ich meine Heimat verlassen musste. Doch vergessen werde ich diesen geliebten Ort niemals. Auch hoffe ich von ganzem Herzen, dass es nie wieder solch Hass und Feindschaft zwischen den Völkern Tschechiens und Deutschlands geben wird." Anna Marie war mit ihrem Ehemann Hans Wochen um Wochen auf der Flucht. Von Aussig liefen sie durchs Egerland, übers Erzgebirge nach Chemnitz. Über Röhrsdorf in Sachsen ging es quer durch das zerstörte Land nach Hamburg. - Atemlos.Der tschechische Ort Ústí nad Labem mit seinen über 90.000 Einwohnern misst zirka 48 Kilometer bis Dresden. Die Altstadt von Aussig schlummert  pittoresk am linken Elbufer. Im Norden befindet sich das Vorland des Erzgebirges und nach Süden erstreckt sich das Böhmische Mittelgebirge. Jenes seltene Fleckchen Erde, die böhmische Landschaft, Riesengebirge und das Elbtal dienten schon den Malern Kaspar David Friedrich (*1774+1840) und Ludwig Richter (*1803+1884) in all seinen Fassetten als Vorlage für viele ihrer Gemälde. - Romantisch verklärt. Lang, sehr lang ist es her.Rück-Besinnung. Damals konnte wohl  niemand ahnen, dass nach dem Kriegsende plötzlich unvorhersehbar, wie aus dem heiteren Himmel kommend, hunderte Sudetendeutsche von Tschechen ermordet und von einer Brücke in die Elbe gestürzt werden würden. In besagter Zeit bis Ende Juli nahmen sich 60 deutsche Aussiger das Leben.Am  Tag des Kriegsendes war es noch sehr ruhig in Aussig. Der blinde Hass fegte erst ganz unverhofft durch die engen Gassen und traf die meisten Bewohner überraschend. Sie kamen von der Arbeit oder vom Einkaufen. Egal ob jung oder alt oder Mütter mit ihren Kinderwagen - sie konnten dem Pogrom nicht entkommen. Am 7. Mai 1945 um 14 Uhr wurden die Deutschen durch den Rundfunk  aufgefordert, weiße Bettlaken aus ihren Fenstern zu hängen - als Zeichen ihrer Kapitulation.  Eine beiläufig kleine Gedenk-Tafel am Flussrand der Elbe liefert an der 1934 erbauten Benes-Brücke den nahezu verschämten Hinweis auf die "Opfer der Gewalt vom 31. Juli 1945". Dass die Ermordeten hauptsächlich aus friedfertigen deutschen Familien kamen, blieb den verantwortlichen Stadtverordnete 75 Jahre nach Kriegsende keine Silbe wert. Totgeschwiegen bis zum heutigen Tag. Dabei sollte doch eigentlich jedes verschollene Menschenleben einer Erinnerung wert sein. Eigentlich. Sie wurden wahllos im Zorn ermordet, verscharrt.Nahezu Wort für Wort widersprachen  jene Pogrome dem europäischen Aufklärungsdenken und insbesondere dem Geist der Europäischen Union, der ja bekanntlich auch die Tschechische Republik angehört. Um uns nicht misszuverstehen: Hier gilt es nicht, mit dem Augenmerk auf deutsche Opfer Nazi-Gräuel zu beschönigen, dass Hitler-Deutschland der  Urheber der Kriegs- und KZ-Katastrophen war, die Europa seit den 1930er Jahren des vergangenen Jahrhunderts erleiden und ertragen mussten. Hier geht es nicht um Ideologie, Staatsräson, Rechtfertigung, hier geht es letzten Ende um nicht anderes als die durch historische Ereignisse belegte Wahrheit - nichts anderes als die Wahrheit - Fakten und nochmals verifizieren Fakten.In Zahlen: An die 60.000 Deutschen und etwa 3.000 Tschechen lebten in Aussig bei Kriegsende. In der Stadt vegetierten zahlreiche Kriegsgefangene, Zwangsarbeiter aus Polen, der Sowjetunion, gleichsam aus dem Protektorat Böhmen und Mähren; ausgebombte Flüchtlinge aus Westdeutschland, Tausende aus den Kriegsgebieten in Schlesien. Habenichtse.Letztendlich dreht es sich hier um unliebsame Reminiszenzen, über die in der Öffentlichkeit kaum vorurteilsfrei gesprochen werden mag. Aber nur ein präzises Erinnern lässt die Absurdität, den Wahn, den blinden Hass, die Brutalität in  seiner Kontinuität erkennen. Der Rückblick auf den Sommer 1945 gestattet uns im tschechischen Aussig einen Rückblick auf ein Massaker, dem Hunderte Deutsche mir nichts, dir nichts zum Opfer fielen. Tschechische Para-Militärs trieben Menschen aus ihren Häusern ohne Hab und Gut vor sich her. Flüchtlinge wurden Hunderte von Kilometern zu Fuß, auch barfuß über die Grenzen gescheucht. Wer nicht mehr konnte, blieb im Straßengraben liegen. Leichen über Leichen säumten Fluchtwege. Kaum eine Habseligkeit vermochten sie mitzunehmen. Das Wenige, das sie noch hatten, wurde ihnen von der "Revolna Garda" abgenommen.Ob junge Mädchen oder Mütter - sie wurden "dienstverpflichtet". Sie mussten Wohnungen derer ausräumen, die aus  dem Land gejagt wurden. Plünderungen und Todesmärsche. Die tschechische Miliz hatte von der Waffen-SS gelernt. Genickschuss, Erhängen, Exekutionen. Vielerorts hängen Plakate im Großformat. "Jagd sie nackt über die Grenze, die deutschen Hunde. Lasst ihnen nur ein Taschentuch, damit sie ihre Tränen trocknen können", befahl Staatspräsident Edvard Benes (*1884+1948 ) seinen Landsleuten.Im Stadtteil Schönpreisen flog ein Munitionsdepot in die Luft, welches die deutsche Wehrmacht Hals über Kopf verlassen hatte. Flugs näherten Gerüchte den Volkszorn, es handele sich um blutrünstige deutsche "Werwölfe; der nationalsozialistischen Mythologie nach um Männer, die sich in einer Untergrundbewegung als Wölfe gebärden, wildern, morden können. "Werwolf"-Gruppen sollten in besetzten Gebieten des Deutschen Reiches hinter den feindlichen Linien Sabotage ausüben und die Bevölkerung an einer Kooperation mit Besatzungstruppen verhindern.Es bedurfte nur weniger  Stunden,  bis eine Hatz gegen alle noch verbleibenden Deutschen begann. Die Menschen kamen friedlich von ihrer Arbeit oder Einkaufen. Plötzlich, unvorhersehbar schlug eine Meute mit Knüppel und Eisenstangen auf hilflose Passanten ein - bis sie starben.Die Deutschen waren an ihren weißen Armbinden, die sie tragen mussten, unschwer zu erkennen. Der Journalist Thomas Schmid veröffentlichte in der Tageszeitung "Die Welt": "Eine junge Frau warf der Mob mit ihrem Baby, das im Kinderwagen lag, über das Brückengeländer in die Flussströmung. Etliche Leichen wurden später in Meißen, Pirna und Bad Schandau aus der Elbe geborgen."Hirngespinste ewiger Revanchisten? Oder wie die Prager Tageszeitung "Rudé Právo" 1945 selbstgefällig frohlockte: "Der hinterhältige Angriff nazistischer Brandstifter in Aussig und die Berichte über das Wüten gemeiner deutscher Werwölfe erhalten ihre Antwort mit dem einmütigen zornigen Aufschrei unseres ganzen Volkes: "Raus mit den Deutschen aus unserem Land. Mit eiserner Hand werden wir die Grenzgebiete säubern."Mittlerweile ist es zweifelsfrei verbrieft, dass Explosion wie Massaker von der Abteilung Z des tschechoslowakischen Innenministerium geplant und Stabskapitän Bedrich Pokorný (*1904+1968) einer der Hauptorganisatoren des Verbrechens war. Thomas Schmid schilderte: "Alle Deutschen, deren die Verfolger habhaft wurden konnten, wurden von den ansässigen wie eigens angereisten Tschechen mit Fausthieben und Latten durch die Straßen getrieben. Die Täter schlugen etliche Deutsche besinnungslos, ertränkten andere im Löschwasserteich; viele werden auch von der Brücke über die Elbe gestoßen, im Wasser gezielt erschossen. "Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges verkündete Staatspräsident Edvard Benes einer begeisterten Menschen-Menge auf dem Altstädter Ring zu Prag: "Es wird notwendig sein ..., insbesondere kompromisslos die Deutschen in den tschechischen Ländern und die Ungarn in der Slowakei völlig zu liquidieren, soweit diese Liquidierung im Interesse des einheitlichen Nationalstaates der Tschechen und Slowaken überhaupt nur möglich ist. Unsere Losung muss es sein, unser Land kulturell, wirtschaftlich und politisch zu entgermanisieren."                                                          Benes erließ insgesamt 143 Dekrete, die unter anderem die Enteignung und Entrechtung der Sudetendeutschen und Ungarn anordneten. Deutsche, die ihre "antifaschistische Gesinnung" nicht eindeutig nachweisen konnten, wurden mit einem "N" (für Nemec) gebrandmarkt und zwangsumgesiedelt. Andere verdingten sich in Arbeitslagern, Kohlegruben, Gradierwerken und Bauernhöfen - unentgeltlich.Summa summarum flohen drei Millionen der knapp über 3,2 Millionen Sudetendeutschen. Emigration, Vertreibung, Völkerwanderung. Die Zahl ihrer Todesopfer bewegte sich zwischen 30.000 und 240.000. Der frühere sudetendeutsche, spätere Wiener Kommunist Leopold Grünwald (*1901+1992) konstatierte: "Die Vertreibung der Sudetendeutschen wurde mit einer angeblichen Kollektivschuld begründet.  Über die Fakten, die diese Legende widerlegten, wurde in der Weltöffentlichkeit nichts bekannt. ... Das Unrecht der Vertreibung der Sudetendeutschen aus ihrer Heimat erscheint im Lichte der Bilanz des antifaschistischen Kampfes im Sudetengebiet besonders krass ... Die Zahl der Opfer des Widerstands gegen das NS-Regime im Verhältnis zur Einwohnerzahl des Sudetengebiets überstieg bei weitem die Größenordnung etwa in Deutschland oder Österreich. Nach dieser Relation war der Umfang der Widerstandsbewegung im Sudetengebiet höher als in anderen deutschsprachigen Ländern." Punktum.Vornehmlich tapfere Weggefährten trotzten dem Pogrom jener düsteren Zeitläufe. - Aussigs Bürgermeister Leopold Pölzl (*1879+1944 ). Er entsprach nicht dem von Nazis abverlangten devoten Verhalten mit Gehorsams-Attitüden. Er tat stattdessen viel für den Wohnungsbau, er tat viel gegen die Arbeitslosigkeit. Sie sank mitten in der Wirtschaftskrise in Aussig gar um drei Prozent.Der sozialdemokratischer Bürgermeister von Aussig lehnte sich gegen die Braunhemden auf. Er bezichtigte das Hitler-Regime öffentlich des Terrors und der Unmenschlichkeit. Nach  dem Einmarsch der Wehrmacht 1938 im Sudetenland verlor Plözl sein Amt. Er weigerte sich, nach Prag auszuweichen. Stattdessen wurde er im Widerstand gegen die NS-Okkupanten aktiv. Er gründete die Gruppe Leopold  Pölzl. Seither musste der Bürgermeister zur Belustigung der Waffen-SS jeden Tag die Straße ums Rathaus fegen - Kopfstein um Kopfstein. Die Gestapo verhaftete ihn. Im Gefängnis schnitt Leopold Pölzl nach Folter  seine Pulsadern auf. Er überlebte. Offenbar gänzlich unbeeindruckt vor weiterer Drangsal unterstützte Pölzls Widerstandsgruppe Familien von Verhafteten, gab Flugblätter heraus und half zu späterer Zeit Kriegsgefangenen in ihrer existenziellen Not. Tochter Elfriede, eine Opernsängerin, wurde gleichfalls festgenommen und ins KZ Sachsenhausen interniert, aus dem sie erst 1945 befreit wurde. Sie blieb psychisch gebrochen und fristete ihr Dasein in psychiatrischen Anstalten.Am 1. September 1944 starb Leopold Pölzl unter nie geklärten Begleitumständen im Krankenhaus zu Aussig. Reden, Beileids-Bekundungen an seinem Grab wurden verboten. Gleichwohl defilierten Tausende von Frauen und Männern schweigend an seinem Sarg entlang - Zeremonie des Abschieds. Aber gleichsam war sein Tod das jähe Ende einer halbwegs tragfähigen Koexistenz zwischen Deutschen und Tschechen im Sudetenland. Noch Jahrzehnte danach ließ sich Premierminister Milos Zeman zu der Bemerkung hinreißen, die Sudetendeutschen im Jahr 2002 als "fünfte Kolonne Hitlers" und als "Zerstörer der tschechoslawakische Demokratie"   zu diffamieren.Zeiten-Wende - ein Land, zwei Zugänge. Nach dem Abschluss der sogenannten Migrationsprozesse waren die Sudetendeutschen nicht nur umgesiedelt worden. Die Neuankömmlinge  im tschechischen Grenzland konnten mit  brachliegenden Feldern Häusern und Kirche, die sie vorfanden, wenig anfangen. In den anfänglichen Jahre herrschte noch die weitverbreitete Ansicht, dass das Alltagsleben ein Provisorium sei; die Deutschen werden wohl wiederkommen. Erst einmal kochten die neuen Tschechen  in den Töpfen der Vertriebenen, sie schliefen in ihren Betten; verlassene Bauernhöfe wurden zuvörderst  wieder bewohnt. Im Laufe der Jahre verfielen sie dem Abbruch anheim; insbesondere jenes  penibel gepflegte Gemäuer, das einst  die Staatsgrenze schmückte.Es war jedenfalls  ein hastiger Umbruch in wirrer Zeit mit verwirrten Köpfe, der eine radikale Veränderung des ethnischen, wirtschaftlichen und kulturellen Lebens nach sich zog.  An  Stelle der Deutschen bevölkerten weitgereiste Familien in Wochenendhaus-Siedlungen  sogenannte Sperrgebiete. Tschechen, Slowaken und Roma aus Rumänien und  Russland . In den 19achtziger und 19neunziger Jahren bestimmte die stereotype Plattenbau-Architektur die städtebauliche Dominanz. Anspruchslos brummt der Einkaufs- und Tanktourismus, Puff und Pornos. Historische Stadtbilder gibt's zu kaufen im Kiosk gleich um Ecke - als Ansichtskarte.Mit Ende der kommunistische Herrschaft Ende 1989 äußerte sich der Literat, Dissident und spätere Staatspräsident Václac Havel (*1936+2011) sein "Bedauern über das Leid, das den Sudetendeutschen bei der Vertreibung 1945 angetan" worden war. Immerhin.Die Moral der Geschicht': Nach dem tschechischen Rechtsverständnis gelten die Benes-Verordnung zu den Ausbürgerungs- und den beiden Enteignungs-Dekreten trotz aller Bekundungen - unbefristet






















































































































































































































































































































































































































































































































































































































                                                                                                                                                                                                                         







  

Freitag, 29. Januar 2021

Genossen-Schlacht scharfer Klingen: Noch hat Peter von Oertzen den Mut noch nicht verloren

























Als der Politikwissenschafter Peter von Oertzen (*1924+2008) im Jahre 1970 zum Niedersächsischen Kultusminister gewählt wurde, fand er eine widerspenstige Bürokratie vor, in der CDU-Spitzenbeamte mit einschlä- giger Nazi-Vergangenheit als SS- und SA-Offiziere überwinterten. In zähen Kämpfen musste von Oertzen Schlüsselposition neu besetzen, wollte er mit seiner auf Chancen- gleichheit bedachten Schulpolitik,auch der Gründung zwei neuer Universitäten, nicht scheitern. Aufräumarbeiten statt Aufbruch. Diadochenkämpfe setzten dem demokratischen Sozialisten nahezu über ein halbes Jahrhundert zu. Sie vergifteten Umgangsformen, innerparteiliche Atmosphären, beschleunigten Denkverbote, endeten allzu oft im Freund-Feind-Raster. Aus dem Politikgestalter von Oertzen wurde in jener Reformära der siebziger Jahre nicht selten ein gehetzter Zeitgenosse.
Einst waren es in Hannover gewerkschaftsorientierte "Kanalarbeiter" um Egon Franke (*1913+1995), die dem linken Gesellschaftstheoretiker und Visionär Peter von Oertzen unversöhnlich gegenüberstanden; Bildungsbürger versus Facharbeiter, Funktionär gegen Hochschullehrer, Anpassung gegen Neubeginn . Bedrückende Jahre, die ihre Fortsetzung im "Seeheimer Kreis" fanden. Ihre Maßgabe: "Ohne uns läuft nichts." Partei-Vordenker von Oertzen verließ nach den Beschlüssen der "Agenda 2010" im Jahre 2004 resigniert die Sozialdemokratie. - Ämterge- schachere mit Verschleißprozessen, das ent- sprach nicht seinem Lebensprofil. Vier Jahre später starb Peter von Oertzen im Alter von 83 Jahren. Mit der SPD versöhnte er sich nicht mehr.


 Frankfurter Rundschau
 vom 15. Februar 1972
 von Reimar Oltmanns


Als Peter von Oertzen im April 1970 Bundesminister Egon Franke auf dem Parteitag des 60.000 Mitglieder starken SPD-Bezirks Hannover entthronte und mit überwältigender Mehrheit zum neuen Bezirksvorsitzenden gewählt wurde, war dies mehr als eine normale Wachablösung. Die Wahl des Universitätsprofessors Peter von Oertzen, der sich durch kritische Gesellschaftsanalysen profiliert hatte, galt nicht nur als Stärkung des linken Flügels in der SPD. Die Niederlage Egon Frankes , Bundesminister für innerdeutsche Beziehungen (1969-1982), signalisierte einen Strukturwandel in der hannoverschen Sozialdemokratie; einer Partei, die sich bisher den Vorwurf gefallen lassen musste, in ihr würde nur der Apparat diktieren - regieren. Die "Süddeutsche Zeitung" schrieb damals: "Franke galt geradezu als Schulbeispiel für eine auf unerschütterliche Hausmacht gegründete Karriere."

"KANALARBEITER-RIEGE"

Die fast zwanzigjährige "Franke-Ära", durch seine straff organisierte Kanalarbeiter-Riege ermöglicht, schien sich dem Ende zu nähern. In den Vordergrund trat ein Poli- tiker, der über Gesellschaftsreformen nicht nur in Sonn- tagsreden sprechen wollte. Peter von Oertzen erklärte kurz nach seiner Wahl: "Ich möchte nachweisen, dass das Festhalten an einem sozialistischen Programm nur dann einen Wert hat, wenn es sich in die kleine Münze des täglichen Erfolges umsetzen lässt."

Was in den Kreisen der Jungsozialisten als das Ende der "Franke-Ära" bezeichnet wurde, formulierte "Genosse Peter" im Hinblick auf die vor ihm liegende Arbeit etwas vorsichtiger: "Was ich verändern will, ist der Stil ..., in dem in dieser Partei gearbeitet wird." Da die Veränderung des Stils einer Partei nicht ohne ent- sprechende Reformen des Apparates zu bewerstelligen ist, tauchte unter den Delegierten immer wieder die Frage auf, wie von Oertzen "den in seiner Struktur verkrusteten und allmächtig regierenden Apparat", nach seinem Sitz "Odeonstraße" genannt, umzugestalten gedachte. Auf diese Frage wird er in aller Kürze eine Antwort geben müssen. Eine bescheidene Anzeige im "Vorwärts" deutet darauf hin. Die mäch- tigste Position im Parteiapparat ist neu zu besetzen. Die Diskussion um den Nachfolger des aus Altergründen ausscheidenen Bezirksgeschäftsführer Hans Striefler (*1907+1998) , gleichzeitig niedersächsischer Landtags- abgeordneter, stellte von Oertzen vor ein ernsthaftes Problem. Der Abgang Strieflers gibt ihm die Chance, diese Position mit einem Mann seines Vertrauens zu besetzen.

"LIEBE GOTT" ZU HANNOVER - EIN PARTEIFUNKTIONÄR

Wie wichtig die Funktion des Bezirksgeschäftsführers ist, lässt sich daran ablesen, dass Striefler auch die Arbeit des SPD-Landesausschusses koordiniert, dem bekanntlich die vier niedersächsischen Bezirke ange- hören. Eine einzigartige Machtposition: Denn die Kombination dieser Ämter, ergänzt durch ein enges Vertrauensverhältnis zu Egon Franke, dessen Statt- halter er in Hannover war, gaben Hans Striefler mehr Einfluss als jedem anderen niedersächsischen SPD-Politiker. Zwei Jahrzehnte bestimmte sein Wort wesentlich das Fortkommen oder Scheitern einer politischen Karriere. An Striefler, von Parteifreunden respektvoll der "liebe Gott" genannt, lief keine der wesentlichen Entscheidungen, etwa die Frage, wer Minister oder Staatssekretär werden soll, vorbei. Auch die Bundes-SPD berief ihn in einflussreiche Positionen. Zuletzt bastelte er mit dem Partei-Rechtsaußen Her- mann Schmitt-Vockenhausen (*1923+1979) an Vor- schlägen für die Novellierung des Parteiengesetzes.

VOM GEHEIMEN STAATSSEKRETÄR ZUM BEZIRKSFÜRSTEN

Trotz dieser Machtfülle gelang es Striefler nicht, die Abwahl "seines" Bezirksvorsitzenden Egon Franke durch Peter von Oertzen zu verhindern. Für die Franke-Gegner war schon damals klar, wen sie spätestens im Jahr 1972 auf Strieflers-Platz katapultieren wollten: Den in der Öffentlichkeit kaum in Erscheinung getretenen Klaus Wettig (Ehemann der SPD-Schatzmeisterin Inge Wettig-Danielmeyer 1991-2007). Die "Kanalarbeiter" verzeihten es diesem diskreten Drahtzieher ihrer Demontage nicht , den politischen Niedergang Egon Frankes organisiert zu haben. - Unversöhnliche Diadochenkämpfe in Hinter- zimmern der Macht.

Die seit 1970 bekannte Wettig-Kandidatur ließ jedoch den Oertzen-Gegnern genügend Zeit, eine Front aufzu- bauen, Irritationen zu verbreiten, Zweifel zu schüren. Ihr einziges Ziel war es offenbar , die Konsolidierung Peter von Oertzens als Vorsitzender des mächtigen Bezirkes Hannover zu hintertreiben; den Parteiprogrammatiker auf dem nächsten Parteitag im Herbst abzuwählen. Folglich galt die Wahl des einflussreichen Geschäftsführers als erster Test für die Demontage des einstigen Hoffnungsträger der Sozialdemokraten. Verständlich, dass von Oertzen standhaft an seinem Zögling Wettig festhielt. Denn mit ihm sollte erstmals ein Funktionär modernen Zuschnitts in den altein- gesessenen Apparat einziehen, "der die sozialistischen Theorien mit der praktischen Arbeit zu verbinden weiß".

GRAUE EMINENZ
Der gelernte Schriftsetzer stieg während seines Studiums über die Jungsozialisten in die Hierarchie der niedersächsischen SPD auf. Als Peter von Oertzen Kultusminister wurde, holte er sich Klaus Wettig ins Haus. In der Funktion eines "politischen Beraters" wuchs Wettig in seiner zurückgenommenen Art sehr schnell in die Rolle eines "geheimen Staatssekretärs" hinein. Keiner wusste im Ministerium Am Schiffgraben zu Hannover, wo Wettig tagsüber überall war - alle flüstern über ihn, fürchteten sich, den gestrengen Wettig-Blicken nicht standhalten zu können. Mit derlei Legenden ausgestattet schien es nahezu ausgeschlossen, dass die Kanalarbeiter ohne Murren dem Personalpaket Oertzens zustimmten - Wettig war eine "graue Eminenz", führte viele undurchsichtige Gespräche leise in Cafés, wusste einfach zu viel, war ihnen unnahbar, daher zu gefährlich.

MACHT-GERANGEL BEIM SCHÜTZENFEST

Die SPD Hannover in diesem Jahr ist ein sympto- matisches , untrügerisches Beispiel dafür, wie kurzatmig politischer Einfluss sein kann, wie schnell Seiten ge- wechselt - neue unübersichtliche Machtpositionen ausgehoben werden. Inhalte, Sachprogramme spielen in seltensten Fällen eine zentrale Rolle;Parteileben als Selbstzweck. Um den viel zitierten "Marsch durch die Insitutionen mit dem Vorpreschen der Linken" jäh zu stoppen, meldete sich jedenfalls in Hannover ein neuer Bewerber, mit dem niemand gerechnet hatte. Ernst-Georg Hüper (*1923+1993) , MdL und Bezirksvor- standsmitglied, in Parteikreisen kurz als "Egon" ge- nannt. SPD-Fraktionsvorsitzender Helmut Kasimier konnte sich angesichts dieser verwirrenden Konstel- lation die Bemerkung nicht verkneifen: "Er hat sich wohl selbst zum Kandidaten ernannt." Hüper, ein Mann mit altem Partei-Stallgeruch, hatte die Fronten gewechselt, war plötzlich zum Oertzen-Gegner mutiert.

MANDATS-ZUSAGEN

Einfach deshalb, weil es die Jusos immer wieder kritisierten, wie "Egon" öffentliche Ämter sammelte wie andere Briefmarken. Ämterpatronage. Parteiverdruss, Vertrauensverlust. In früheren Jahren trat Hüper jeden- falls als Gegner der Kanalarbeitergewerkschaft auf. Nunmehr nach weiteren Mandatszusagen inklusive obligatorischer Diäten verbündete er sich mit dem alten SPD-Haudegen Egon Franke. Schauplatz der Geheimab- sprache: ein Bierzelt auf dem hannoverschen Schützen- fest. Volksfestcharakter als Sozialisationsbesteck. SPD-Karrieren der siebziger Jahre.

"BELASTENDES MATERIAL"
Seit jenem Zeitpunkt sammelt Egon Hüper "be- lastendes Material" gegen die SPD-Linken. Vornehm- liche Aufgabe sieht er darin, Partei-Ausschlussanträge gegen un-liebsame Jusos im Bezirksvorstand zu stellen. - Eben junge, aufmüpfige Leute, die uns bald noch als Lehrer auf die Pelle rücken, "verrückt machen werden", mutmaßte Hüper. Verständlich, dass der vielerorts grassierende Lehrermangel in Niedersachsen eine "Luftblase " sei. GEW-Lehrer veröffentlichten in ihrer Zeitung unter der Über-schrift Hyper-Worte einen Hüper-Bei- trag, den er im Haushaltsausschuss des Landtages kundtat: " Der ganze Lehrermangel ist nur künstlich aufgebauscht." Auf die SPD-Öffentlichkeitsarbeit ein- gehend, äußerte Hüper: "Erst müssen unsere Diäten-erhöhungen stimmig sein. Und jede Mark, die wir jetzt für dann für Propaganda ausgeben, ist wichtiger als neue Lehrerstellen. Die sind sowieso gegen uns."

Angesichts der sich abzeichnenden Polarisierung innerhalb der SPD schreckten einflussreiche Sozial- demokraten davor zurück, sich für den favorisierten Klaus Wettig zu entscheiden. Auf der Suche nach einem Mann des Ausgleichs tauchte ein neuer Name in der Diskussion auf: Braunschweigs Landtagsabgeordneter Jochen Stief. Seine Chancen, zum Bezirks- und Landes- geschäftsführer zu avancieren, sind in den letzten Wochen nur gestiegen, sondern inzwischen steht es für Ernst-Georg Hüper fest. "Stief wird unser neuer Mann sein." Zwar wird der Bezirksvorstand erst am 26. Februar 1972 über die Nachfolge von Hans Striefler entscheiden, doch die in Hannover in den letzten Wochen sehr ausgeprägten Mauscheleien haben bereits jetzt unverkennbar Signale gesetzt. Ganz nach dem Mehrheitsprinzip: Je graumäusiger, desto besser.

ÜBER DIE KLINGE SPRINGEN LASSEN

Peter von Oertzen hatte sich unterdessen im Restaurant Leine-Schlösschen mit seinem Widersacher "Egon" Hüper zu einem Vier-Augen-Gespräch getroffen, um wenigstens parteiinternen Diadochenkämpfe einzu- dämmen, das Postengeschiebe abzustecken. Fazit des Ämterschachers der SPD-Männer: Weder Hüper noch Wettig werden sich zur Wahl stellen. Damit haben von Oertzen und Gefolgsmann Wettig früher als erwartet den Rückzug angetreten. Hieß es zunächst, man lasse es auf eine Kraftprobe ankommen, so wollen Oertzen-Anhänger ihre erlittene Niederlage im Hinblick auf den kommenden Parteitag nicht noch in das Bewusstsein der Öffentlichkeit dringen lassen. Mit dem parlamen- tarischen Staatssekretär im Bundesarbeitsministerium, Helmut Rohde (1969-1974), lauert nämlich schon ein weiterer Kandidat auf den Oertzen-Posten. Für den rhetorisch versierten Redakteur scheint es ohnehin nur eine Frage der Zeit zu sein, "ob wir ihn schon jetzt oder erst etwas später für die Klinge springen lassen wollen".


FRÜHES STERBEN DER GENOSSEN
Immerhin: Nachdem es den "Kanalarbeitern" nunmehr gelungen ist, den Vormarsch der von-Oertzen-Anhänger zu stoppen, mehren sich jedoch die Anzeichen, den SPD-Programm-Vordenker auf dem kommenden Parteitag noch einmal zu schonen. Galgenfrist. Nach ersten Anzeichen von Resignation scheint Peter von Oertzen zum Kampf entschlossen zu sein. Als der Politikwissenschaftler zum mächtigen Bezirksvorsitzenden in Hannover gewählt worden war, sagte er im Hinblick auf Ämtergeschachere, Ämterpatronage, Ämterhäufungen: "Was ich ändern will, ist der Stil, die Art des menschlichen, des oft hartherzigen Umgangs, mit dem in dieser Partei ohne Persektive gearbeitet wird". Er fügte hinzu: "Mir wird es nicht so ergehen wie Walter Möller, dass das Land mich aus dem Sattel kippt." (Walter Möller, Frankfurter Oberbürgermeister, starb im Alter von 51 Jahren 1971 während eines Gesprächs mit seinem erbitterten Widersacher Rudi Arndt - Herzinfarkt). Bei den Oertzen-Anhängern setzte mittlerweile die Ansicht durch, dass ein Bezirksvorsitzender von Oertzen ohne Apparat immer noch besser sei als ein neuer "Kanalarbeiterfürst" und mit Apparat. - Der Kampf um Vormacht, Vorgaben und Vorahnungen in der hannoverschen SPD mit ihrer Kanalarbeiter-Riege und einem linken Theortiker geht in die nächste Runde. Hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. - Das kann noch Jahre dauern. Schöne Aussichten.





























Dienstag, 14. April 2020

Gemütliche Bänke zur Besinnung am Ehrenmal in Hude


                                     
                              von Reimar Oltmanns mit Fotos von Helga Möller-Tallay

Hude/Nordfriesland. - An diesem Oster-Sonntag kennt das großflächige Ehrenmal für            die Kriegstoten zu Hude in Nordfriesland drei Gestalten, die sich von Gedenkstein zu            Gedenkstein andächtig fortbewegen. Bürgermeister Ulrich Kinner,66, zelebriert seinen Oster-Spazierung frei nach Goethe, den er sogleich ins "Nordfriesische" zu übersetzen versteht: "Vom Eise befreit sind Unkraut und Gräber, Sauberkeit ist unser Gesang. Der grausige Winter zog sich in die Felder zurück. Das hat für uns einen ganz anderen Klang."

Mit seinem Kollegen, dem Ortsvorsteher aus Süderhöft, Tewes Vogelsang,45, und ihrem Gemeinde-Arbeiter, dem gelernten Landschaftsgärtner Axel von Fehrn erneuerten sie die dicht bewachsene Treppe, ausgetretene Sandwege, schrubbten Namenssteine, pflanzten Stiefmütterchen, schmirgelten und strichen alte Bänke zu neuem Glanz, ließen Äste aus Jahrzehnte alten Bäumen sägen. Arbeitseinsatz mit Bürgermeistern in ihrer Freizeit. Ehrenamtlich. Ganz nach dem Motto: Acht Stunden sind kein Tag. "Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein."
An diesem Morgen wird die Zeit irgendwie zeitlos, auch der Augenblick, an dem das Zeitende meist unverhofft in die Gegenwart springt. Stille, Ruhe - welch ein Luxus, kein Geschrei, keine schnelllebigen Bewegungen, keine hastig verschluckten Halbsätze. Vielleicht ist es ein Quäntchen Selbstvergessenheit an den Innschriften der einst ohne Sinn und Verstand für Deutschland gefallenen Väter und Söhne aus diesen kleinen Dörfern. - Wehmut.
Die verspürt Axel von Fehrn  jedenfalls, wenn er vor dem Gedenkstein seines in den letzten Kriegstagen in Ostpreußen von der Roten Armee erschossenen Onkels Ernst Hansen steht. - Schweigen.In einem leicht verlaufenden Bogen stehen 347 Gedenksteine mit den Namen der Soldaten aus zwei Weltkriegen. Sie ließen ihr Leben in Russland, Rumänien, Frankreich, Italien, Flandern, Ostpreußen, Norwegen. "Vergiss, mein Volk, die teuren Toten nicht und schmücke auch unsere Urne mit dem Eichenkranz", dichtete einst der unverbesserliche Lützower Theodor Körner (*1791+1813).
Für Süderhöfts Bürgermeister Tewes Vogelsang gehören Soldaten-Gedenkstätten zur deutschen Identität. Nachdenklich hinterfragt er sich allerdings, wo in absurden Kriegen die Ehre  beginnt und die Ehre aufhört? Vogelsang: "Gedenkstätten sollten ein  Ort der Besinnung, der Trauer und der Reflektion,auch der Erholung sein." Ulrich Kinner ergänzt: "Wir erleben die längste Friedenszeit in der neudeutschen Geschichte. Ehrengräber mahnen uns, das nicht zu vergessen!"


Sonntag, 23. Februar 2020

Neo-Nazis, Terror, Morde

                                                                                                           
Wir lieben Deutschland und lassen es uns nicht durch den rechtsradikalen Mob zerschlagen

Donnerstag, 12. Dezember 2019

eine Odyssee auf den wilden Wohnungsmärkten






... und Morgen ziehen wir um. Das waren meine erlösenden Gedanken, wenn es endlich hieß, die Nachbarschaft hinter sich zu lassen. Diese hatte monatelang das Erträgliche, ja Zumutbare überschritten. Doch bis dahin sollte eine Odyssee der Wohnungssuche Geduld und Nerven kosten. Da erschienen die Umzugs-Strapazen wie eine Leichtikeit.

                          epubli-Verlag Berlin 2019, 173 Seiten - 8,99 Euro                                                                             ISBN 978-3-750262-79-9

                  .


   " ... und Morgen ziehen wir um. Das waren meine erlösende Gedanken, als es endlich hieß, die Nachbarschaft hinter sich zu lassen. Diese hatte monatelang das Erträgliche, ja Unzumutbare überschritten. Doch bis dahin sollte eine Odyssee der Wohnungssuche Geduld und Nerven kosten.Da erschienen die Umzugs-Strapazen wie eine Leichtigkeit." Helga Möller-Tallay

"Ein witziges, informatives Büchlein über die gesellschaftliche Wirklichkeit in Deutschland. Die Autorin erlebte und durchlebte skurrile Begebenheiten in Schleswig-Holsteins Städten. Dabei ging es ihr nur um eines: Ihr Recht auf eine Wohnung, die Tausenden von Familien durch überhöhte Mieten verwehrt werden. 
Auch das Wohnrecht ist ein Menschenrecht. Ein lebenswertes, unterhaltsames Buch." Reimar Oltmanns


                                 


                                                                                                                                                             










                                        


Sonntag, 7. Juli 2019

Hermann Hesse

                                                   Besuch am Grab von Hermann Hesse
                                                   geb. 2. Juli 1877, gestorben und beerdigt
                                                   9. August  1962 in Montagnola/Schweiz

Mittwoch, 27. Juni 2018

Helga MöllerTallay/Reimar Oltmanns: Der Kater lässt das Mausen nicht. Wenn der Humor verhungert.

Schamlos geschrieben berührt dieser Roman Grenzen der Intimsphären und obszönen Einlassungen vieler Frauen. Er erzählt von einer biografischen Zeitenwende. Frauen-Gewalt, Verfügungsgewalt, feminine sexuelle Obsessionen. Max der Hauptakteur war stets unterwegs in fremden Betten. Er war ein Getriebener, gierig und sexbesessen. Unüberlegt ließ er sich auf zerstörerische Liebschaften ein. Er konnte es nicht lassen. In späteren Jahren sagte er sich: Es ist schon besser, wenn ich mich selbst erinnere als von anderen erinnert zu werden.

Der Kater lässt das Mausen nicht. Wenn der Humor verhungert. 362 Seiten,  epubli Verlag Berlin 2018, ISBN: 978-3-746736-14-3 

Dienstag, 16. Februar 2016

Lutz Hachmeister: Der Hannover-Komplex. Der Aufstieg zum Machtzentrum der Bundesrepublik - ARD 2. Mai 2016


                                             Umwege,schreibt die MEDIEN-KORRESPONDENZ, sind Denkwege. Etwas bigott kommt  Reimar Oltmanns daher, der frühere Korrespondent der Zeitschrift  STERN.  Wo Oltmanns politisch analysiert, etwa Niedersachsen und Hannover als Kerngebiet der Deutsch-Nationalen beschreibt, ist er verlässlich; wo er sich jedoch über Schröders und Wulffs Ehe- und  Liebesleben auslässt, wird es etwas klebrig-boulevardesk.

Vierzehn Abenteuer mit Pupsi Maus & Igel Ferdinand - aufgezeichnet und illustriert von Helga Möller-Tallay






                                       


Hereinspaziert in die Wurzelhöhle von Igel Ferdinand + Pupsi Maus. 
In ihrer geheimen Welt erleben sie Abenteuer, spannende Erlebnisse, auch wilde Mutproben in der Luft und auf dem Wasser. Ihre Streifzüge gehen über Wiesen und durch Wälder. Aber auch auf dem Jahrmarkt an der Würstchenbude müssen sie Gefahren bestehen.Sie halten zusammen wie Pech und Schwefel. Eine Freundschaft fürs Leben beginnt zwischen Igel Ferdinand + Pupsi Maus. - Sehr zu empfehlen diese Gutenacht-Lektüre.

epubli Verlag, Berlin, 94 Seiten, 62 Bilder

ISBN:  978-3-7375-9010-5

  

 


 


Freitag, 9. Mai 2014

Reimar Oltmanns "Kein schöner Land in dieser Zeit. Verlorene Illusionen". Bild-Band 1 (1969-1979) und Bild-Band 2 (1980-2010)




























Der erste Band mit Bilddokumenten von 427 Seiten hilft Gedächtnislücken zu schließen. Nur ein präzises Erinnern lässt gesellschaftliche Stagnation, gedanklichen Stillstand - aber auch restaurative Abläufe in ihrer Kontinuität erkennen. Spuren in Manuskripten wie sorglos verschüttete Texte gilt es zu sichern, nicht nahezu alles einer teilnahmslosen Beliebigkeit zu überlassen. In diesem Buch erzählt Reimar Oltmanns von Menschen , Schicksalen, Ereignissen - von verloren gegangenen Illusionen. Diese edierte Reportage-Sammlung entführt Leser wie Leserinnen auf eine Weltreise - spannend, analytisch, einfühlsam. Es sind Beschreibungen aus einer längst verflossenen Epoche, aber in ihrer Aussagekraft immer noch aktuell.

----------------------------------------
 
Reimar Oltmanns: Kein schöner Land in dieser Zeit. Verlorene Illusionen - Reportagen, Berichte, Porträts, Erzählungen zur Zeitgeschichte. Band 1 (1969-1979). Books-on-Demand, Norderstedt 2010, ISBN 9783842332942

-----------------------------------------
 e-paper:
http://itunes.apple.com/de/book/kein-schoner-land-in-dieser/id445836980?mt=11
----
-------------------------------------





















Im zweite
n Band mit zahlreichen Fotografien von 352 Seiten belichten Milieubeschreibungen aus vielen Ländern die Wirklichkeit. Sie zeigen Denkweisen, Gefühle und Handlungsstrategien einer vergangenen Ära. Ein Rückblick, der verdeutlicht, dass die Befindlichkeiten der Menschen, ihre Hoffnungen, Perspektiven und Verzagtheiten, ihre Rechtfertigungs- und Verdrängungsmechanismen intensiver waren als im darauffolgenden Jahrzehnt. - Reportagen biegen Realitäten nicht zurecht, lassen sich nicht in erwartete ideologische Grundraster zwängen, sprengen deren Rahmen. Die Reportage ist und bleibt die Königin der journalistischen Kunst.

---------------------------------------
Reimar Oltmanns:
Kein schöner Land in dieser Zeit. Verlorene Illusionen - Reportagen, Berichte, Porträts, Erzählungen zur Zeitgeschichte. Band 2 (1980-2010). Books-on-Demand, Norderstedt 2010, ISBN 9783842333130
---------------------------------------
e-paper:

http://itunes.apple.com/de/book/kein-schoner-land-in-dieser/id445836999?mt=11

---------------------------------------

"Die Zeit heilt Schmerzen und Streitigkeiten,
weil der Mensch sich ändert.
Weder der Beleidiger noch der Beleidigte
bleiben, was sie einmal waren."
Blaise Pascal, katholischer Philosoph (*1623+1662)

---------------------------------------
 

Milieubeschreibungen, Erzählungen und Berichte des Autors Reimar Oltmanns über die Mächtigen, Verbannten wie Ausgesperrten in vielen Ländern in ihren Epochen belichten die Wirklichkeit dieser Jahrzehnte. Sie zeigen  eindrucksvoll verschiedene Denkweisen, Gefühle, Ohnmachtsmomente und einen unbändigen Freiheitswillen der beschriebenen Einzelschicksale überall auf der Welt.

Der Autor war als Reporter für  verschiedenen deutsche Magazine an vielen Krisen- und auch Kriegsschauplätzen unterwegs. Seine Bücher machen nachdenklich. Oltmanns berichtet vorgeblich über Hunger, Umweltzerstörung, Kindesmisshandlungen, Folter im Namen der Terroristenjagd wie  die systematische Durchleuchtung des einst unbescholtenen Bürgers. Schauplätze, gar Anlässe mögen sich verändert haben, Grundbedingungen des Überlebenskampfes schaffen vielerorts neue Aktualität.

Beide Bücher von Reimar Oltmanns umfassen ganze vierzig Jahre - und vier Jahrzehnte sind kein Tag. Leser wie Leserinnen werden unweigerlich über die anschaulichen Texte reflektieren, weil sie sich fragen, welche Fortschritte für die Würde des Menschen tatsächlich - in Sachen Demokratie , Menschenrechte, gegen Ausbeutung der Bevölkerung - gemacht worden sind. Es hat sich, das belegen die beiden Bände zweifelsfrei. wenig verändert. Hoffnung? Fehlanzeige.

Aber auch in Europa - vornehmlich in Deutschland - werden Oltmanns Reportagen zu einem Stück Geschichtsbegleitung, Geschichtsbeschreibungen. Die politische Routine in den Hauptstädten dieses Kontinents entpuppt sich zunehmend geschmeidiger, konturloser zu einer TV-Soap. Die Wirklichkeit (dies zeigen Oltmanns Texte über die Oben-und-Unten-Verhältnisse) in Deutschland hingegen - dort draußen in den Provinzen und Regionen - folgt längst ihren eigenen Gesetzmäßigkeiten, Lebensgefühlen und Erfordernissen. Es sind kaum wahrnehmbare Verzagtheiten von Menschen, die sprachlos am Wegesrand stehen - Menschen als Kostenfaktor.

Es sind Bücher, die politische Zusammenhänge verdeutlichen und emotional berühren. Wie schrieb der Autor: "Was wir wollten, was aus uns geworden ist." Für den Geschichtsunterricht sehr zu empfehlen.

Freitag, 5. Oktober 2012

Lyrik, Gedichte, Verse - Versus memoriales - schnelllebige Tage, flüchtige Momente des Vergessens (7)

   
                                       
   von Gerrit Engelke, deutscher Arbeiterdichter, geboren 1890 in Hannover; gestorben  1918         bei Cambrai in  Frankreich

-------------------------------------------------------------

H E R B S T


Um die Großstadt sinkt die Welt in Schlaf.
Felder gilben, Wälder ächzen überall.
Wie Blätter fallen draußen alle Tage,
Vom Zeitwind weggeweht.

Ob Ebene und Wald in welkes Sterben fallen,
Ob draußen tost Vergänglichkeit,
Im  Stadtberg brüllen Straßen, Hämmer hallen:
Die Stadt dampft heiß in Unrast ohne Zeit.

--------------------------------------------------------------