Montag, 4. April 1994

Feministinnen unerwünscht



































Sergeantin Sandrine Gervasoni vom 4. Regiment in La Valbonne gibt Marschbefehl. Unterordnung gehört zur Militärdisziplin. Männer begreifen schnell, "dass hier kein Bordell, sondern die französische Armee" ist. Frauen gelten als qualifizierter, ausdauernder und widerstandsfähiger als Männer. Weltweit verfügt Frankreich mit 34.000 Berufs- und Langzeit-Soldatinnen nach den USA über das zweitgrößte Frauen-Kontigent.

Tagesspiegel, Berlin
vom 4. April 1994
vom Reimar Oltmanns

An diesem frühen Morgen hatte Sergeantin Gervasoni "ihre Jungs" auf dem Kasernenhof wieder einmal Stund' um Stund' stramm stehen lassen. Vorsorglich, wie sie später einräumte. Ihr war nämlich aufgefallen, wie sie lüstern zur "Anmache-Frau" der Kompanie gekürt werden sollte. Blumen und zweideutige Zeilen hatte sie bereits erhalten. "In solchen fragilen Momenten", befindet Sergeantin Sandrine, "schafft uns Frauen nur der Dienstgrad wieder die nötige Autorität. Die Unterordnung gehört zur Militärdisziplin. Sie schützt sozusagen vor Ungehorsam. Die Männer begreifen hier schnell, dass sie nicht in einem Bordell, sondern bei der französischen Armee sind."

Abgehackt waren ihre Handbewegungen, bewegungslos ihr Gesicht. "Vor mir zu fünft aufgereiht", herrschte die Unteroffizierin ihre Rekruten an. Und kerzengerade standen Frankreichs Soldaten nun da, exakt eine Armlänge vom Nachbarn entfernt, die Beine gegrätscht. Mit Stahlhelm samt Sturmgewehr ging es sodann zum drei Kilometer langen Waldlauf, durch Schlammlöcher unter Stacheldrahtverhaue hindurch, ließen sie sich folgsam von einer zwanzigjährigen jungen Frau über Eskaladier-Wände hoch- und runterjagen.

MÄNNER-DOMINANZ

Jetzt, zur Mittagszeit, hockt Mademoiselle, wie sie die Soldaten auf einmal respektvoll anzureden verstehen, am Frauenstammtisch im Kasino des 4. Infanterie-Regiments im Garnisonsstädtchen La Valbonne an den auslaufenden Jura-Bergen im Südosten Frankreichs. In diesem erkalteten Zimmerchen - mit uralten Postern aufgemöbelt - begegnen oder verabreden sich die Soldatinnen - ihr Refugium, ihre Frauen-Kontaktbörse. Beinahe wöchentlich treffen zudem Kameradinnen anderer Kompanien, auch aus der Luftwaffe und Marine, aus dienstlichen Gründen in La Valbonne ein. Wenn nur irgendwie möglich, wollen die Soldatinnen zumindest gemeinsam essen, wenigstens zu Tisch einmal Gedanken und ihre Befindlichkeiten im von der Außenwelt isolierten Kasernen-Trott austauschen - von der erdrückenden wie allgegenwärtigen Männer-Dominanz ungestört.

FANGFRAGEN BEIM EIGNUNGSTEST

Überall in Frankreich leben Soldatinnen ziemlich kontaktlos, zuweilen von einander isoliert neben sich her. Sicherlich, als Vorkämpferin der Emanzipation versteht sich wohl keine dieser Armee-Frauen. Sonst wären sie wahrscheinlich schon beim Eignungstest spätestens über die Fangfrage gestolpert: "Was antworten Sie demjenigen, der Sie aggressiv fragt: wenn es Ihnen paßt, sind Sie Militär, sonst eine Frau?" Aber selbst ein bisschen Frauen-Solidarität scheint arg verdächtig in diesem Milieu. Heikel wird es jedenfalls immer dort, wo Frauen sich weigern, als Aufräumhilfskräfte herhalten zu müssen, bei den Fallschirmspringern zum Beispiel. Dort haben sie noch heute die Schirme der Männer nach ihren Sprüngen zusammenzufalten. Oder bei den Panzerfahrern. Nicht selten bleibt den Kommandantinnen nur der Trockenkurs im Simulator, weil die Herren Kameraden es sich halt nicht nehmen lassen wollen, höchstpersönlich über die Äcker zu donnern. Wenn Soldatinnen derlei Gebaren geißeln, heißt es lapidar: "Sie sind doch wohl nicht etwa eine Feministin? Das merken wir uns."

ZWEITGRÖSSTE FRAUEN-KONTINGENT

Obwohl sich die französische Armee zu Lande, zu Wasser und in der Luft seit zehn Jahren auch von kampferprobten Frauen führen lässt, und sie mit 34.000 Berufs- wie Langzeit-Soldatinnen über das weltweit zweitgrößte Frauen-Kontingent nach den USA verfügt - nichts scheint in der Männer-Domäne Militär offenkundig bedrohlicher zu sein als die Frauen-Gespräche dieser Jahre, "Früher", gesteht der Presse-Colonel Ivanoff aus dem Pariser Verteidigungsministerium freimütig, "war Kommunismus eines unserer Reizwörter. Unversehens ist es aber jetzt der Feminismus geworden, der überall und nirgends durch unsere Gemüter spukt." Der adrette Franzose Ivanoff fragt entnervt: "Was wollen wir denn hier eigentlich? Eine schlagkräftige Armee oder vielleicht eine seichte Armee mit Kindergartenspielplätzen, die sich durch die Einbeziehung von Frauen aktiv am gesellschaftlichen Wandel beteiligt?

In der Tat: Internen Umfragen in der etwa 570.000 Soldaten starken französischen Armee zufolge reagieren die Männer gereizt auf Frauen in Soldaten-Röcken. Sie fühlen sich in doppelter Hinsicht bedroht. Zum einen in ihrer auslaufenden Rolle als Beschützer; zum anderen in ihrem Machtpotenzial, das nun einmal aus Gewehrläufen kommt - nunmehr gegen sie selbst gerichtet sein könnte. Jedenfalls brachte die Monatszeitschrift "Armées aujourd`hui" zutage, dass immerhin über ein Drittel der Offiziere beim Heer und sogar 60 Prozent der Matrosen den Frauen in Uniform ablehnend gegenüberstehen.

An diesem Mittag am uniformierten Frauenstammtisch zu Valbonne sind es scheinbare Beiläufigkeiten der militärischen Alltagsbewältigung, die die Soldatinnen bewegen. Petitesen würden es die Kameraden zeihen, weil sie sich so gar nicht in das Selbstporträt aus Härte, Effizienz samt Durchschlagskraft fügen wollen. Aber es sind eben zentrale Momentaufnahmen, die das feminine Selbstverständnis zwischen Knobelbecher und Kanone empfindlich berühren.

HAUCH EINER CHARME-BRIGADE

Auf dem Tisch liegen Ausgaben der Soldaten-Zeitschrift "Terre magazine", die mit seiner Auflage von 80.000 Exemplaren monatlich informieren, Orientierung geben soll. Das Hauptaugenmerk dieses Heftes soll werbewirksam auf die Frauen in den Streitkräften gelenkt werden. Seite um Seite wird der Öffentlichkeit in großformatigen Vier-Farbfotos ein anschmiegsames Frauen-Image als militärisches Schönheitsideal auf dem Panzer hockend, kriechend im Manöver und natürlich üppig lächelnd in der Flugbereitschaft präsentiert. Der Hauch einer Charme-Brigade weht über die Hochglanzblätter. Ganz im Sinne der unausgesprochenen Botschaft: Diese Soldatinnen haben ihre Hemmschwelle zum Krieg längst überwunden: fügsam und erotisch allemal.

Verständlich, dass sich die Frauen in Überfallhose, klobigen Armeestiefeln und dunkelgrünem Käppi auf dem Kopf an ihrem Stammtisch zu Valbonne über solche Rollenklischees so gar nicht wieder beruhigen mögen. Sie heißen Sandrine, Nicole, Véronique und Dominique. Über Jahre ist ihnen eingebläut worden, sich im Dienst möglichst als "Unfrau", eben sexneutral zu verhalten, die weibliche Identität im Dienst abzulegen. Einfach deshalb, um sexuelle Übergriffe, Exhibitionismus, Unflätigkeiten, Vergewaltigungen zu vermeiden. Nur so liessen sich auch die "chronischen frauentypischen Krankheiten" im Zivilleben Schwangerschaften genannt, ausschliessen. Gilt es doch, bedrohliche Ausschreitungen, etwa wie in den US-Streitkräften, möglichst gar nicht aufkommen zu lassen. Dort klagten 81 Prozent der Frauen in der 3. US-Infanteriedivision in Unterfranken, dass sie unentwegt körperlichen Attacken wie auch Obszönitäten ausgesetzt seien. Eigens eine Frau durfte zur Oberaufsicht des Geschlechterkampfes in Frankreich aufsteigen. "La Général", wie Anne-Marie Meunier angeredet wird, sieht es als Hauptaufgabe an, die femininen Wesenskerne in die von Männern für Männer bestimmten Welt der Streitkräfte sorglos einzupassen.

LA GÉNÉRALE ZIEHT VOM LEDER

Ob bei Truppenbesuchen, in Einzelgesprächen oder auch in emanzipatorisch vermarkteten Interviews - La Général weiß stets zu mahnen, die Frauen zu ermahnen. Der Führungsstab hört es gern, wenn Madame über ihre Geschlechtsgenossinnen vom Leder zieht. "Die Frauen dürfen ihre Weiblichkeit wirklich nicht ausnutzen, um den militärischen Spielregeln des Militärs zu entkommen. Es ist doch nervtötend immer nur zu hören, werde ich anders behandelt, nur weil ich eine Frau bin. Weinerlich ist das. Ich sage diesen jungen Mädchen,nicht vor eurem Hintern, sondern vor eurer Leistungsfähigkeit beugt sich jeder. Wenn ihr so weiter macht, gibt es bald keine Frau als General mehr."

Auch wenn die Damen um Sandrine zu verschiedenen Waffengattungen gehören, so haben sie eines gemeinsam: nicht die Arbeitslosigkeit trieb sie in die Armee, sondern ihre Qualifikation, die höher ist als die der Männer. Exakt 95 Prozent der Bewerberinnen haben das Abitur; bei den Herren sind es nur 60 Prozent. Und noch deutlicher klafft die Schere beim Studium auseinander. Die meisten Armee-Kandidatinnen haben ein abgeschlossenes Universitätsexamen.

Emanzipatorische Gründe waren es freilich nicht, Frauen den Einzug in die Streitkräfte zu ermöglichen. Geburtenschwache Jahrgänge und eine hohe Anzahl von Kriegsdienstverweigerern rissen Lücken in der Bedarfsdeckung. Hinzu kam, dass der moderne Krieg den Charakter eines "reinen Waffenkrieges" verloren hat. Der waffentechnologische Sprung machte eine Bedienung der Systeme mit weitaus weniger Krafteinsatz erforderlich. Bereits heute stehen in den NATO-Armeen 361 Verwendungsmöglichkeiten von 377 den Frauen offen. Eingehende Untersuchungen ergaben zudem, dass Frauen den Männern im Militärdienst mindestens gleichwertig sind. Zwar sind sie physisch schwächer, so eine französische Expertise, dafür aber oft qualifizierter, ausdauernder, widerstandsfähiger. Auch seien sie in der Verteidigung mutiger als die Männer.

VOM STAAT BEVORZUGT ÜBERNOMMEN

Es war der französische Verteidigungsminister Charles Hernu (*1923+1990), der im Jahre 1983 in Paris auf einer Pressekonferenz ausrief: "Zu den Waffen, Bürgerinnen!" Und die Frauen kamen. Schon zwei Jahre später hatten 18.000 Frauen Militärposten inne. Durchschnittlich melden sich jährlich zweitausend Mädchen freiwillig zum Wehrdienst. Auf nunmehr 850 neu zu besetzenden Planstellen haben sich bereits 4797 Bewerberinnen gemeldet. Denn die Jahre in der Armee eröffnen auch neue berufliche Perspektiven im zivilen Leben. Nach Beendigung der Militärzeit geniessen sie ein einzigartiges Privileg: Sie werden vom öffentlichen Dienst bevorzugt übernommen - auf Lebenszeit.

Über zehn Monate müssen die jungen Frauen (Volontaires Militaires Féminines) sich ebenso wie die Männer ausbilden lassen. Früher wurden sie schon zu dieser Zeit vornehmlich zu Schreibarbeiten eingeteilt. Heute hingegen werden sie zunehmend zum Schießen in Kampfeinheiten oder zu harten Körperübungen in Feldmanövern herangezogen. Überstehen Frankreichs Frauen beim Militär diese Härtetests, öffnen sich ihnen über Zulassungsprüfungen der Karrieresprung zur Militärhochschule. Als sichtbares Zeichen einer erstarkten Frauen-Macht treten sie nunmehr auch als Mitglieder der Motorradstreifen der Gendarmerie und der Musikstaffel der Republikanischen Garde öffentlich in Aktion.

Tatsächlich hat Frankreich in seiner Geschichte im Ernstfall noch nie auf Frauen verzichtet, wenn es militärisch zur Sache ging. Schon General de Gaulle mobilisierte während seiner englischen Emigration ein Frauenkorps, mit dem er kämpfend Frankreich befreite. Und während des algerischen Unabhängigkeitskrieges mussten Französinnen auf Seiten der Kolonialmacht ihr Leben lassen.

Anfangs, zu Beginn der siebziger Jahre, waren es französische Frauenrechtlerinnen, die vor einer weiteren Militarisierung der Gesellschaft warnten. Mittlerweile ist solche Kritik verstummt. Und das nicht nur, weil in vielen Ländern die Frauen unaufhaltsam in ihren Armeen auf dem Vormarsch sind, allein die NATO weiß insgesamt 250.000 Soldatinnen in ihren Reihen.

IRONIE DER GESCHICHTE

Allmählich setzte sich unter den Frauen die Erkenntis von "der Ironie der Geschichte" durch. Obwohl in der Historie Frauen an der Waffe lediglich als Männerersatz gerufen und wieder weggeschickt wurden sind, kam die Emanzipation merklich voran. In den neunziger Jahren sind ganz gewiss die Französinnen nicht mehr aus den Streitkräften zu verbannen. Da mag die verheerende Wirtschaftslage vieler Länder Abertausende junger Männer auf der Suche nach einem Arbeitsplatz an die Kasernentore lassen - in Frankreich gibt es in der Armee praktisch eine Quotenregelung, "Grenzwert- theorie" genannt. Danach sollen stets zehn Prozent der Soldaten Frauen sein.

Am Frauenstammtisch im Garnisionsstädtchen zu Valbonne sagte Sergeantin Sandrine: "Wir wären doch verrückt, wenn wir uns das wieder nehmen liessen. Erst jetzt allmählich fangen wir an, uns richtige Gedanken darüber zu machen, wie wir die Männer-Welt knacken können."Sandrine lacht: "Einen Fuß haben wir schon drinnen. Abtreten."











































































































































































































































































































































































































































Freitag, 1. April 1994

Die Legion der Arbeitslosen
























































Frankreichs Fremdenlegion - Gescheiterte, Gelangweilte, Abe
nteuerlustige. Eine Ver-heißung neuer Heimat für einen heimatlosen Haufen. Mythos und Moral leben in der Truppe ohne Vaterland. Freiwillige locken Kampfeinsätze irgendwo auf der Welt. Bevor sie das Képi blanc tragen dürfen, werden sie im Nahkampf geschliffen und als Scharf-schützen abgerichtet - beim Strafexerzieren haben Legionäre den Esel zu mimen.


DIE ZEIT
vom 1. April 1994
von Reimar Oltmanns


Wortfetzen in verschiedenen Sprachen schwirren herum, suchen ungeduldig ihren Adressaten. Was sich da in der Rue d'Ostende in Straßburg vor dem ocker-farbenen, durch eine hohe, stacheldrahtbewehrte Mauer geschützten Gebäude in Reih und Glied aufgebaut hat, ist ein Nationalitätengemisch: Polen, Ungarn, Russen, Engländer, Deutsche, ein paar Schweizer - lauter Buben-gesichter, kaum älter als achtzehn Jahre.

Übernächtigte Gesichter. Sie alle, die es hierher in die Rue d'Ostende verschlagen hat - Orientierungslos, Gescheiterte, auch Idealisten und Romantiker - , sie sind auf der Flucht; sie verliessen ihre Heimatländer jählings - meist nur mit einer kleinen Reisetasche, fast immer, ohne Adieu zu sagen. Auch wenn sich die meisten dieser Jugendlichen untereinander allenfalls gestikulierend verständigen können, verbindet sie fast alle ein gemeinsames Schicksal: Sie sind arbeitslos, ohne je gearbeitet zu haben: sie sind kriminell geworden, ohne Schwerstverbrecher zu sein - Menschen auf der Suche nach dem Durchbruch, auf dem Weg in unbekanntes Land.

UNTERARME WIE KEULEN

Ein kleines Hinweissschild verrät, wohin der Exedus geht: Légion étrangère. Während sie warten, Stunde um Stunde, haben die Neuankömmlinge das plakatierte Soldatenbild am Portal vor Augen, das ihnen den radikalen Lebensabschnitt signalisieren soll, das Bild eines Muster-soldaten aus Frankreichs Söldnertruppe: Kinn gereckt, der Kopf unter dem weißen képi kahlgeschoren. Unterarme wie Keulen, Epauletten rot-grün. Augen stramm gen Sanddünen, Meer und blauen Himmel gerichtet.

Im Schulungsraum der Legionärskaserne zwischen museumsreifen Maschinengewehren mit der französischen Fahne an der Wand inspiziert Major Olivier Souville, Kommandant des Rekrutierungsbüros, die Kandidaten. Seit Beginn der neunziger Jahre werden es immer mehr, die ihren Rettungsring zur Söldnertruppe auswerfen. Nach offiziellen Angaben haben sich allein im Jahr 1993 mehr als 10.000 junge Männer um Aufnahme in die Fremdenlegion beworben, zwei Drittel Bewerber kamen aus den früheren Ostblockstaaten.

REFLEX WIRTSCHAFTLICHER KRISEN

Der Zulauf zur Legion war seit eh und je ein Reflex auf politische und wirtschaftliche Krisen, Zusammen-brüche, Niederlagen. "Veränderungen auf der ganzen Welt wirken sich ganz direkt auf die innere soziale wie psychologische Verfassung aus - und natürlich auf die Kampfeskraft der Legion", urteilt ihr Pressesprecher René Tomatis.

Derzeit beherbergt die Legion 8.500 Mann aus 120 Ländern. Jedes Jahr kommen durchschnittlich 1.500 Neulegionäre mit Fünfjahreskontrakten dazu. "Wenn wir wollten, sagt Lieutenant-Colonel Richard Pau vom Hauptquartier in Aubagne, "können wir im Handumdrehen eine 100.000-Mann-Truppe auf die Beine stellen. Nachwuchsprobleme kennen wir nicht." Zu den Vertragskämpfern aus fernen Ländern stoßen zu einem Drittel, noch französische Elitesoldaten, Absolventen der Offiziersschule Saint Cyr, die das Rückgrat der Interventionstruppe bilden.

Vorbei sind die Zeiten, in denen junge Männer in Spelunken von Werbern mit Prostituierten im Gefolge betrunken gemacht wurden, sich im Vollrausch für die Legion verpflichteten - und in der Kaserne wieder aufwachten. Heute werden vier von fünf Bewerbern nach Hause geschickt - oft zurück in die Arbeitslosigkeit.

Vorbei ist es auch mit der romantisch untermalten Legende von Legionären auf Kamelen vor dem Wüstenfort des früheren Hauptquartiers im algerischen Sidi bel Abbès. Von den Legionären der neunziger Jahre wird qualifiziertes Spezialistentum erwartet. Ihr Fachgebiet heißt Krieg. Und wenn es den nicht zu führen gilt, bauen sie Straßen durch den Dschungel von Guayana, schützen das Atom-Atoll in der Südsee oder das Raumfahrtzentrum von Kourou.

ZUM STERBEN ERZOGEN

Dort verdienen sie monatlich etwa 1.000 Euro bei freier Kost und Unterkunft. Routinegeübt ist in Straßburgs Rekrutierungskaserne der Röntgenblick des Majors Souville, emotionslos seine Höflichkeit wie seine Selbstkontrolle. Bedrohlich korrekt sitzt die Uniform des Kommandanten. Sie ist Ausdruck einer über Jahrzehnte gehegten Gewissheit, noch vor den amerikanischen Ledernacken als die härteste, brutalste Truppe überhaupt zu gelten. Letztendlich ist es die Bindungslosigkeit der Söldner, durchaus mit einem Quäntchen brachialer Zuneigung zur Legion, die belobigt wird. Ganz im Sinne von Colonel Boileau, der als Kommandeur des 6. Sturmpionierregiments seinen pädogischen Auftrag so umschrieb: "Natürlich wird der Legionär zum bindungslosen Sterben erzogen." Nur steuerbar müsse das alles sein, erläutert der Rekrutierungsmajor und wendet sich seinen Jungs zu wie ein Zirkusdirektor in der Manege. "Tiens, violà du boudin" (ran an die Blutwurst), posaunt Monsieur Souville an diesem Morgen zum wiederholten Male. Kaum einer versteht's. Noch nicht. Aber die Jugendlichen nicken einsatzfreudig.

Wie bei einer Auktion auf dem Pferdemarkt lässt sich der Major die Zähne zeigen, die Muskeln und den Brustumfang. Nach wie vor ist der Körper wichtiger als der Kopf. Eineinhalb Dioptrien zuviel sind schlimmer als zwanzig IQ zuwenig. Sodann entlässt der Inspizient die Männer mit einem Zitat des ehemaligen Befehlshabers im Algerien, General George Cartoux, der über seine Söldner sagte: "Sie jammern nicht, sie haben keine schwangeren Ehefrauen und keine im Sterben liegenden Mütter. Sie stehen für keine Sache und für keine Idee. Kein General in der Welt kann sich eine bessere Truppe wünschen als diesen heimatlosen Haufen. - Abtreten!"

MÄNNERRITUALE AUS DER KOLONIALZEIT


Szenenwechsel. Durch das Offizierskasino im Château, einem Herrenhaus aus dem 18. Jahrhundert, säuseln Wortfloskeln im Französisch der feinen Gesellschaft. "Aah, mon captaine ... respect mon colonel ...". Benimm wie Bewegung lassen im Hauptquartier der Legion in Aubagne keinen Zweifel, dass hier noch die verstaubten Männerrituale aus der Kolonialzeit fortleben. Auf dem Kasernenhof prunkt eine Weltkugel in Bronze. Jeder helle Punkt darauf signalisiert: "Hier kämpfte schon die Legion." Klimaerprobt, weltweit sozusagen. Zur Feier des Tages Aufmarsch einer Ehrenkompanie weißer képis, Trommelwirbel, Fanfaren, würdiges Daherschreiten mit exakt 76 Schritten in der Minute, Hand auf der Brust, die Marseillaise als Begleitmusik. Zeitlupentempo.

Nicht wie vom Bronzeball auf dem Appellplatz steht seit etwa einer Stunde der frischgebackene achtzehnjährige Legionär Ernst Hasinger aus Bochum in voller Montur stramm. Hinter ihm steht in großen Lettern auf einem Sockel geschrieben: "Legio Patria Nostra" (Die Legion ist unser Vaterland). Seit einer Stunde ist von Legionär Ernst Hasinger fortwährend nur ein Satz zu hören: Je suis un âne (Ich bin ein Esel). Strafexerzieren für ein liederlich gemachtes Bett.

Mit welchem bürgerlichen Namen Legionär Hasinger bei der Legion ankam, das mag er nicht sagen. Wie sechzig Prozent seiner Kameraden hat auch er sich hier einen anderen Namen zugelegt. "Bochum", sagt er in seinem Ruhrpott-Französisch, "da will ich nie wieder hin. Mein Vater ist seit Jahren arbeitslos, geht nur noch in den Kneipe. Meine Mutter schuftet für Billiglohn im Kaufhof. Und ich habe mich zwei Jahre vergeblich um eine Berufsausbildung bemüht, vor Langeweile Spielautomaten geknackt. In eine Hilfsarbeitergruppe wollten die mich stecken. Null Bock, weg war ich. Jetzt will ich Franzose werden. Das wollen meine Kameraden aus Cottbus und Rostock auch." Hier hat man ihm erst einmal die Haare kurz geschoren. Bei jedem größeren Ungehorsam hagelt es ohnehin einen Glatzkopf.

Über vier Monate wurden sie auf einem Campus hart geschliffen, dass jeder Dritte vor Ende des Drills abmusterte. Ernst Hasinger hat den Legionärsgrundschliff überstanden, darf sich auch das képi blanc tragen. Aber unruhig ist er geworden. Deshalb muss er auch über eine Stunde strammstehen und Eselslaute von sich geben. Derweil laufen im Kommunikationsszentrum des Hauptquartiers wieder brandfrische Video-Kriegsfilme von den Kämpfen in Sarajevo ein. Ernst Hasinger weiß das, weil er die Drehungen der Parabolantennen verfolgen kann. Falls Frankreich Söldner einen Marschbefehl bekommen sollten, können sie keine 24 Stunden später dort sein. Vertragssoldat Hasinger sagt: "Eigentlich müssten wir richtig mit dem Bajonett aufräumen."

Noch lieber würde der neue Legionär freilich in der Südsee Wache schieben - "wegen der besseren Bezahlung, wegen des Klimas und der schönen Frauen und so."

























Montag, 21. Februar 1994

Patricia Kaas - Mademoiselle chante le blues
















































Lothringen, Lolita und Lili Marleen lassen grüßen. Patricia Kaas kam als "Aschenputtel" aus ärmlichen Verhältnissen ins Pariser Glitzer-Milieu. Erinnerungen an legendäre Chanson-Epochen um Edith Piaf, Juliette Gréco wurden wach. Mit ihrem Debüt-Album "Mademoiselle chante le blues" schaffte das Arbeiterkind von der französisch-deutschen Grenze im Jahre 1988 den Durchbruch. Seither ist sie mit ihrer vitalen Bühnenpräsenz Frankreichs erfolgreichste Sängerin - ein Mythos in jungen Jahren. Dabei gehört das klassische Chanson kaum zum Repertoire, dafür Popmusik und Jazz. Zum Aufstieg, Erfolg, Reichtum gesellten sich für Patricia Kaas Einsamkeit. Zerbrechlichkeit. Selbstzweifel. Identitätskrisen.

Leipziger Volkszeitung
vom 21. Februar 1994
von Reimar Oltmanns

Da steht sie nun auf einer Bühne in der Provinz, im gleißenden Scheinwerferlicht als Femme fatale, die den Blues hinhaucht, als sei's ein Liebesschwur. Zerbrechlich sieht Patricia Kaas aus, knabenhaft wirkt sie im hautengen schwarzen Mini, scheu schaut sie aus ihrem spitzen, aschfahlen Porzellan-Puppen-Gesicht, wenn da nur nicht ihre verruchte Stimme von gewaltigen Format wäre. Zurück von einer Welttournee in Moskau, Tokio, Kanada und in den USA - die französische Heimat hat sie wieder. Und Frankreichs Provinz, schon seit Jahren auf der Suche nach einer Bühnenattraktion, weiß das gebührend zu würdigen.

Verständlich, dass vor derlei Auftritten Dezenz verpönt, zaghafter Zweifel an Kaas und Karriere schnippisch belächelt wird. Spätestens seit dem Auftritt der Patricia Kaas in den heiligen Hallen des Pariser "Olympia" Ende der achtziger Jahre gilt sie als "chanteuse extraordinaire" - eben als gefeierter Superstar.

FRANZÖSISCHES ASCHENPUTTEL

Dabei ist die die Geschichte der Kaas die anheimelnde Lebensskizze eines französischen Aschenputtels dieser Jahre. Sie ist aus dem Stoff, aus dem amerikanische Filmregisseure ihre Tellerwäscherstreifen auf dem Weg nach ganz obben basteln. Patricia - ein verarmtes Arbeiterkind aus einer kinderreichen Bergmannsfamilie, groß geworden im Kohlenstaub, Auftritte in Bierzelten und zweitklassigen Schuppen, in denen sie über Jahre gegen feuchtfröhliche Lärmwogen anzusingen hatte. Und Mutters Teddybär von damals ist auch heute allabendlich mit dabei.

Einstweilen "begnügt" sich Patricia Kaas damit, sich als Erneuerin des französischen Chansons feiern, liebkosen, umjubeln zu lassen. In kürzester Zeit schaffte sie den Durchbruch. Weltweit verkaufte sie von ihrem Debütalbum, "Mademoiselle chant le blues", mehr als 15 Millionen Tonträger. Ihren größten Erfolg in Deutschland und der Schweiz verbuchte die Kaas im Jahre 1993 mit ihrem Lied Je te dis vous. Es wurde 550.00 Mal verkauft. Sie ist damit die erste französische Sängerin, der im deutsch-sprachigen Raum solch ein bemerkenswerter Erfolg gelang. Intiutiv kennt das Phänomen Kaas drei Zielgruppen. Für den einen weckt sie die Mutterinstinkte, bei den anderen die Beschützerseele und beim Dritten Lolita-Fantasien.

Überall sind Musikhallen wie Pavillons überfüllt. Überall gilt es, Sehnsüchte nach dem scheinbar schon vergessenen französischen Chanson einzufordern, wieder wachzuküssen. Und alle kommen sie kunterbunt - die Papas, Omis, Mütter, Töchter, aber auch die Rocker von nebenan und die Träumer aus den Vorstädten. Kein Zweifel: Diese knabenhaft wirkende junge Frau zählt zu der Riege französischer Künstler, die auf der Basis des französischen Chansons eine eigene Liedform entwickelt haben. Da spielen Blueselemente ebenso hinein wie Rock- und Jazzinspirationen.

KRISENZEITEN - CHANSON-ZEITEN

Krisenzeiten sind seit jeher in Frankreich immer auch Zeiten des Chansons; ein wenig nostalgisch, ein wenig versonnen - aber immerfort vital. Das war in der Ära einer Edith Piaf und Juliette Gréco oder auch der Dichtersänger Georges Brassens, Jacques Brel und Leo Ferré nicht anders. Denn zwischen den politischen Nachrichten und Chansons gibt es für den Franzosen eigentlich noch keinen großen Unterschied - noch nicht. "Zu allen Zeiten", urteilte der Impresario Jacques Canetti, "war das Chanson ein soziales und politisches Phänomen ersten Ranges. Es ist der treueste Spiegel der Volksstimmung."

IDENTIFIKATION - EDITH PIAF

Die Menschen strömen in die Konzerte der Popchonson-Lady, weil da eine "von uns" auf der Bühne steht, weil die Kaas anders ist als die geklonten Glamourfiguren amerikanischer Tiefkühl-Erotik á la Madonna. Intensität mit Identität sind gefragter denn je in Frankreichs wirtschaftlich verwirrenden Krisenjahren, in denen täglich an die tausend Menschen in die Arbeitslosigkeit entlassen werden. Parallelen tun sich auf, werden sogleich arglos verklärt, zum Klischee verschlissen. Rückblende. Paris 1935. Edith Piaf ist gerade zwanzig Jahre alt. Meist mit einer Rose zwischen den Lippen, flaniert sie auf den Pariser Straßen. Nur eine kleine, verwinkelte Dachkammer gewährt ihr Unterschlupf. Mit Verve und seltener, zäher Lebenslust intoniert sie, nur von einem Banjo begleitet, auf den Boulevards ihre Chansons von "Les Amants", "Les toits de Paris" wie auch den "Legionär". Zu jener Zeit träumten Touristen im romantisch untermalten Saint-Germain-des-Prés noch von besinnlichen Stunden der Melancholie à la francaise. Und Edith singt, singt und singt - sie singt ums Überleben. Ihren ersten Vertrag bekam die Piaf von einem bordellähnlichen Cabaret in Pigalle. Natürlich gesellten sich die Männer des Nachts zu ihr; von P'tit Louis bis zum Muskelprotz aus der Unterwelt. Sie gab ihnen ihren Körper - nicht aber ihre Seele. Edith Piaf lachte darüber, bemerkte nur: "Das Leben wird immer nur aus Betten, bezahlten, auch unbezahlten bestehen. Ich muss aber singen, sonst verrecke ich." - Selbst dann noch, als Nazi-Deutschland Paris besetzte. - Lang ist es her.

Wenn Patricia Kaas im eng anliegenden schwarzen Leder, in Seidenstrümpfen und Stiefelletten den Blues singt, dann tanzt sie ihn. Atemlose Stille begleitet sie, die Band schweigt, sie scheint mit dem Lied von "Lili Marleen" allein zu sein; ein bisschen lasziv, ein wenig kindlich, sorglos und treuherzig allemal. Und wenn sie Edith Piafs "La vie en rose" ins Mikrofon flüstert, sind die langen Jahre verflogen, die vergangen sind zwischen gestern und heute. Nonstop singt Patrica Kaas da fast zwei Stunden lang aus ganzen Leibeskräften. Sie zittert, bebt, schreit, kokettiert, animiert, ziert sich, mimt Lolita und den Vamp, die Klagende, den Clown, die Verletzende. Und mit ihrem Chanson "Je te dis vous" liefert sie sich in ihrer intimen Zerbrechlichkeit aus, will Abend für Abend die Erfahrung auf sich vereinen, wie viel Tiefe und wie viel Privatsphäre das Publikum von Mademoiselle Patricia zu vertragen noch bereit ist - Seelenstriptease genannt.

UNHEIMLICHE NACHBARN

Auch Deutschland, dieses große, für die Franzosen immer etwas unheimliche Nachbarland, ist an solchen Kaas-Abenden der französischen Provinz immer wenigstens zeitweise präsent. Nicht etwa deshalb, weil Patricia im lothringischen Stiring-Wendel fünfzig Meter von der deutschen Grenze aufwuchs und ihre Mutter eine Deutsche war. Es sind die Ereignisse in Deutschland: Die Brandschatzung an Asylanten-Herbergen und die Gewalt gegen ausländische Mitbürger. Es sind diese Nachrichten, die ihrem schon vergessen geglaubten Lied über dieses Land fortwährend eine unvermutete Aktualität geben. Und Patricia singt: "L'Allemagne, wo ich Kindheitserinnerungen von gegenüber habe. Leninplatz und Anatole France, l'Allemagne, wo die Vergangenheit eine Beleidigung ist und die Zukunft ein Abenteuer; wo ich die Einbahnstraße kenne, weiß, wo die Gewehre schlummern und wo die Nachsicht ihre Grenzen hat." - Betretenheit.

BIS ZUR BESINNUNGSLOSIGKEIT ... ...

Der Vorhang fällt. Seltsam knirscht es in solchen Momenten, wenn Patricia Kaas sich allein wähnt und sie sich nur mit ihrem Teddy in ihrer Sofaecke weiß. In sich ruhende Stille mochte sie bisher so gar nicht ertragen. Bewusst verausgabt hatte sie sich in den letzten beiden Jahren fast bis zur Besinnungslosigkeit - landauf, landab mit über 200 Konzerten vor 800.000 Zuschauern. In ihrer scheinbar selbstsicheren Unmittel-barkeit ließ sie keine Gelegenheit aus, sich selbst und ihren Zuhörern zu beweisen, dass mit ihr eine neue Zeit des Chansons angebrochen sei. Identitätsfragmente prallen da nunmehr offenkundig unversöhnlich aufeinander, die sie nach dieser Erfolgsära einen Ausweg herbeisehnen lassen. Sie sagt: "Freunde in meinem Alter habe ich sowieso keine gehabt. Dazu fehlte immer die Zeit. Ich hatte ja immer nur mit Menschen zu tun, die weitaus älter waren als ich." - Katerstimmung.

Trist schaut der "kleine Diamant" (Alain Delon) drein. "Nein", befindet Patricia Kaas, "ich will ich selbst sein und nicht nur wegen meiner Stimme geliebt werden. Dabei hatte sie noch soeben den Geschlechterkampf auf Französisch leicht amüsiert in ihrem Lied "Hommes qui passent, Maman" (Männer, die vorüberziehen, Mama) auf die Bühne gebracht. Eben Männer als flüchtige Gestalten, die sich mit gequältem Lächeln aus intensiven Begegnungen davonstehlen, "mecs", die über Liebe reden wie über Autos - alles austauschbar, alles käuflich. Und Frauen, die diesen Kindsköpfen verfallen sind, sich in Wirklichkeit aber in einem Netz der Solidarität ihrer Mütter, Freundinnen und Kolleginnen wiederfinden, "Nein", befindet Patricia Kaas da plötzlich, "ich will das Kleinmädchen-Image abschütteln. Ich brauche keine Lehrer, der mir sagt, 'du musst so oder so singen'. Ich brauche da nichts zu lernen - ich habe es. Bisher hatte ich gar keine Zeit, das alles richtig zu begreifen, was mit mir geschah." - Identitätsbrüche und ein erstarktes Selbstbewusstsein in Frankreichs Frauenjahren.

ZUM VORSINGEN NACH PARIS

Da war die Armut mit den sechs Geschwistern; die Mutter, die zum ersten Mal in ihrem Leben mit Tochter Patricia zum Vorsingen nach Paris fuhr und ihr immer wieder einflößte: "Du musst singen und kämpfen, mein Kind." So hockte sie schon als 13jährige vor dem Badezimmerspiegel , zog sich rote Lidschatten über ihre Samtkatzenaugen, das Gesicht überlebensgroß in der Nahaufnahme.

Immer wieder übte die kleine Patricia die Dietrich-Pose, studierte die Lili Marleen ein, wie es die Mama ihr vorgemacht hatte. Da stand dieses junge Mädchen des Abends im Kneipenqualm ganz nah an den langen Tischen voller Maßkrüge und sah die aufgedunsenen Sorgenfalten - dort, wo die Kumpel Kohlenkrise wie Zechensterben wenigstens für ein paar Augenblicke vergessen, einfach runterspülen wollten.Wenn sie zu singen begann, wurde es plötzlich mucksmäuschenstill; so sehr füllte Patricias Stimme den Raum. Immerhin verdiente die damals 13jährige auf diese Weise ihr erstes Geld. Zur Belohnung ging es für Mama und Patricia an die Côte d'Azur. "Das war das erste Mal, dass wir das Meer sahen, überhaupt Ferien machten. Wir waren nämlich arm, sehr arm", ergänzt dir mit dem eingegerbten Stolz eines Arbeiterkindes.

Paris war natürlich der Knotenpunkt der Kaas-Karriere. Mal als Kindweib, mal als weiblicher Lausbub oder auch als vom Blues Gezeichnete und vom Rock Umgetriebene - mit diesem Repertoire suchte sie in der mondänen Pariser Glitzerwelt Nähe und Durchbruch. Da waren die Produzenten, die sie zunächst ins Bett ziehen, bevor sie ihr den Weg ins Aufnahmestudios zeigen wollten. Da waren abgegriffene Songschreiber, die ihr sinnentleerte, aber dollarträchtige Texte einredeten, mit denen sie dann sogar im Elysée Palais bei Staatspräsident Francois Mitterrand vorsingen durfte. Da war insgesamt ein abweisendes, erkaltetes Pariser Künstler-Milieu mit Gesichtern, die sie noch kurz zuvor auf der Mattscheibe bewundert hatte. Und da war ein Mann, der ihr mit seinem Macho-Gebaren zunächst Unbehagen einhauchte, sich aber als einfühlsamer Wegbegleiter in der subaltern-mondänen Pariser Glitzerwelt entpuppte - Gérard Depardieu. Er jedenfalls holte das lothringische Aschenputtel nach Paris und half ihr mit seiner Frau Elisabeth, einer Songtexterin, die erste Schallplatte "Jalouse" zu produzieren.

DÜNNE LUFT - ATEMNOT

Und heute? - Patricia Kaas sitzt in ihrer sechzig Quadratmeter großen Wohnung aus dem 16. Jahrhundert im Pariser Saint Germain. Ein bisschen neureich, ein bisschen kindlich-verspielt schaut es da aus. Stuckverkleidete Räume, freiliegende Decken-balken, ein Kamin, der die meist fröstelnde Patricia zu wärmen versteht. Und vielerorts harren Plüschtiere der Dinge, die da noch kommen mögen, "Ja, bemerkt sie, "die Teddys halten wenigstens noch zu mir. Seit meinem internationalen Durchbruch habe ich viele Freunde von früher verloren. Dieser Erfolg hat schon seinen Preis. Er hat mich ein bisschen einsam gemacht. Auch wenn ich neue, sympathische Menschen treffe, weiß man nie, ist es Patricia Kaas, die Sängerin, die sie ansprechen, oder bin ich wirklich ich, Patricia gemeint? Wenn man oben angekommen ist, wird die Luft dünn.

Aus gutem Grund lässt Patrica Kaas im Zeitlupentempo via Video ihr Chanson-Leben passieren. Und sie erkennt vieles genau, hintergründig zudem. Längst, so will es scheinen, ist sie unbemerkt zu einem Mythos geworden.

Nur mit sich selbst mag sie sich nicht identifizieren. Sie fragt sich, "wer bist du eigentlich, was willst du, wo sind deine Anliegen, deine durchlebten Erfahrungen?"
Sie sagt: "Ich habe mir viele meiner Fernsehauftritte und -interviews angesehen. Nur könne ich mich in dem von mir inszenierten Bild überhaupt nicht wiederfinden. Dabei wusste ich doch, wovon ich reden wollte: von der Liebe, von der Freundschaft, von der Frau. Als ich jung war, sah man in mir nur die stimmbegabte Kleine. Ich war persönlich nie gemeint. Jetzt kämpfe ich als Frau um Akzeptanz. Früher hatte ich Angst, traute mich nicht, das zu sagen. Nun erst recht." - Selbstvertrauen.

ENGLISCHE TEXTE

Es sind die Lieder einer vielleicht verhärteten jungen Frau in einer arg grau gewordenen internationalen Entertainment-Szene. Eben einer Patricia Kaas, die ihr Frausein allmählich akzeptiert, die sich immer mehr traut, sie selbst zu sein. Es sind die Chansons einer Grenzgängerin zwischen Deutschland und Frankreich. Aber auch einer Grenzgängerin, die erst in der Schule Französisch lernte, weil zu Hause deutsch gesprochen wurde - die nunmehr Englisch büffelt, gilt es mit neuen Produktionen alsbald die USA zu erobern.

An diesem Tag fliegt Patricia Kaas in ihre "Zukunft" - nach London zu Songmanager Robin Millar. Der weltweit agierende englische Musikkönig hatte ihr schon vorher bedeutet, dass sie einen Teil ihres französischen Publikums abschreiben müsse, wenn sie mit Englisch daherkomme. "Okay", sagt Patricia Kaas, "Freunde in Frankreich habe ich schon verloren, nun auch einen Teil der Fans." Nur eines vergaß Patricia Kaas nicht. Vor ihrem Abflug nach London unterschrieb sie geschwind noch einen Scheck in der gelangweilten Freundlichkeit einer Diva. Dieses Mal an ihren Bruder in Deutschland, der als Arbeiter sein Tagwerk versieht. Er hatte sie seinerzeit Abend für Abend für 50 Euro zu ihren Auftritten in das Saarbrücker Tanzlokal "Rumpelkammer" begleitet; als Aufpasser sozusagen, "weil die Patricia doch so zerbrechlich ist." Deshalb bleibt ihr Kinderzimmer im lothringischen Forbach für sie auch reserviert. "Man weiß ja nie, was kommt", sollen die Geschwister ihrer Jüngsten kürzlich gesagt haben.













































Samstag, 8. Januar 1994

"Sei schön und halte den Mund"












































"Wir sind Pilotinnen und keine Mannequins", sagt Francine Labarre. Mutter von zwei Kindern, in ihrem Cockpit vor dem Abflug von Paris nach Toulouse. So manche ihrer Kolleginnen hatten sich "sexuellen Belästigungen" zu erwehren. Air France ist zusammen mit der niederländischen KLM nach ihrem Umsatz die größte Fluggesellschaft der Welt. Nur Frauen als Flugzeugführerinnen - das war in Frankreichs Jet-Set-Männern ein Dorn im Auge. Bitterkalt war das Verhältnis zwischen Männer und Frauen. Geschlechterkrieg. Viele Pilotinnen ängstigten sich dem Abbau ihrer Rechte, vor Kündigungen. "Dieses neue Europa", so die Frauenrechtlerin Giséle Halimi, "wird kein Europa der Frauen sein."

Recklinghäuser Zeitung
vom 8. Januar 1994

von Reimar Oltmanns

Der Wind weht vom Westen, es ist Freitag. An diesem Tag wird kaum noch etwas gehen auf Frankreichs Flughäfen. Streiks durchziehen das Land. Es sind die schwersten Arbeitskämpfe , die die französische Fluggesellschaft Air France seit ihrem 60jährigen Bestehen erlebt. Über zweitausend Arbeiter und Angestellte harren auf den Landebahnen der beiden Pariser Airports Charles de Gaulle und Orly der Dinge, die da kommen mögen. Angst um ihre Arbeitsplätze treibt sie zu diesem Schritt. Flüge werden zu Dutzenden annulliert.

TIRADEN GEGEN PILOTINNEN

Mit vierstündiger Verzögerung schieben sich Passagiere des Air-Inter-Fluges 34902 von Lyon nach Toulouse die Gangway hoch. Im Cockpit der Mercure haben derweil Kapitän mit Co-Pilot samt Bordtechniker ihre Instrumenten-Überprüfung abgeschlossen. Wie meist vor dem Abflug, ist die Tür zum Cockpit offen, schauen die Passagiere flüchtig hinein. Nicht so der Bildhauer Jean-Claude Ramboz aus Bourg-en-Bresse. Als der 55jährige Mann im Cockpit nur Frauen vor den Apparaturen sitzen sieht, bricht der Unmut dieser Streiktage aus ihm heraus. "Was ist denn hier für eine Versammlung? Seit wann sitzen Stewardessen schon im Cockpit? fragt der Künstler frotzelnd. "Wir sind Pilotinnen und keine Mannequins, Monsieur", schleudert ihm Francine Labarre entgegen. "Ach ja, Pilotinnen", erwidert er scheinbar amüsiert, "wenn ich das hier so sehe, dann begreife ich, warum nicht nur Air France und Co., sondern ganz Frankreich mit diesen Frauen aus den Fugen gerät."

Pilotinnen, die derlei Tiraden immer wieder mal ausgesetzt sind, wissen nur zu gut, dass es kalt geworden ist in Frankreich. "Bitterkalt", ergänzt Francine Labarre, "was das Verhältnis Männer und Frauen anbelangt." Kaum eine Woche vergeht, in der sich solche oder zuweilen auch aufdringliche Anmache-Possen an der Cockpit-Tür abspielen. "Natürlich werden jene Auftritte nur von Männern bewusst geprobt - respektlos und frauenfeindlich sind sie allemal". urteilt Madame Francine. "Irgendwie fährt die 32jährige Mutter von zwei Kindern fort, "scheint die erstrittenen Hemmschwelle wieder flöten zu gehen. Ich weiß auch nicht, was neuerlich in die Männer gefahren ist. Ich kann doch nicht jedes Mal sagen, pass auf, mein Mann ist auch Pilot bei Air France, wiegt 85 Kilo und ist 1,93 Meter groß. Wenn ich den rufe, lässt er dich am langen Arm vertrocknen."

Jedenfalls haben Francine und ihre Kolleginnen Brigitte und Colette schon ihre ersten Konsequenzen gezogen - als Schutzmaßnahme sozusagen. Seither verzichten sie darauf, Passagiere an Bord ausdrücklich als Kommandantin Colette nebst
Frauenbesatzung zu begrüßen. Und die Cockpit-Tür bleibt verschlossen.

BEI GUTER KASSE - FRAUEN AN BORD

Für die "femmes pilotes francaises" spülten jene bewegten Streiktage aus dem Herbst 1993 keineswegs nur wirtschaftliche Minuszahlen an die Oberfläche. Sie alle ahnen, was bislang noch niemand im Klartext zu formulieren wagte: Emanzipation schön und gut, Gleichberechtigung, Frauenförderung auch, falls es denn wirklich noch sein muss - aber bitte doch nur dann, wenn die Kasse stimmt. Unter dem vorherrschenden Eindruck einer ökonomischen Krise droht Frankreichs Frauenpolitik sich dem Nullpunkt zu nähern. Wie es schon immer war, sind es die Französinnen, die zuerst nach Hause geschickt werden, "warten da doch noch", wie es der Pariser Unternehmerverband höflich auszudrücken pflegt, "ungeheure brachliegende Arbeitskapazitäten - mit Küche und Kind".

Die staatliche Fluggesellschaft Air France durchlebt mit ihren 44.000 Beschäftigten seit ihrer Gründung die schwerste Finanz- und Strukturkrise. Obwohl schon vor zwei Jahren 5.000 Arbeitsplätze ersatzlos gestrichen wurden, schnellte das Gesamtdefizit auf die Rekordhöhe von 1,4 Milliarden Euro. Um die drittgrößte europäische Fluggesellschaft nicht weiter in die Verlustzone abstürzen zu lassen (die Rentenversicherung wurde schon beliehen), sollten auf Geheiß der Regierung Balladurs weitere 4.ooo Menschen ihre Beschäftigung verlieren, das weltweite Streckennetz um 30 minusbringende Fluglinien und 15 Zielflughäfen gekappt werden. Löhne wie Gehälter sollten gekürzt - zumindest aber eingefroren werden.

NEBELKERZEN DIESER JAHRE

Früher war der Flugverkehr in Europa strikten Abläufen unterworfen. Sowohl die Tarife als auch die Anzahl der Flüge mussten von den jeweiligen nationalen Behörden genehmigt werden. Ende der achtziger Jahre begann die EU-Kommission die engen Regeln aufzubrechen. Mit Beginn des Jahres 1993 kann nun jede europäische Fluggesellschaft jeden Ort in Europa anfliegen - sooft sie will, zu welchem Preis sie will.

Allesamt sind es die Nebelkerzen dieser Jahre, die da unisono zu den allabendlichen Nachrichtensendungen in den jeweiligen Landessprachen in ganz Europa hochgehen: Effizienz und Leistungsbereitschaft, neue Märkte, neue Absätze, neue Produkte - aber Lohneinbußen. "Dieses Europa", bekundete die französische Frauenrechtlerin Gíséle Halimi, "wird kein Europa der Frauen sein; es ist ein Europa der Männer nach ihrem Strickmuster. Wie Mosaiksteine werden jetzt möglichst unauffällig unsere Rechte abgetragen. Den Frauen fehlt es an Überblick. Erst in einem Jahrzehnt werden wir Frauen wahrscheinlich erkennen, dass diese Europapolitik in sich geschlossen gegen uns Frauen gerichtet war." Seit in Europa die Airline-Einkünfte zusammenbrechen, seitdem die Kapazitäten nicht mehr national zu verteilen sind, offenbaren sich falsche Prognosen, falsch errechnete Zuwachsraten, an denen über Jahre gearbeitet worden war. Wunschprojektionen und Wirklichkeit. Nach einhelliger Expertenmeinung dürften am Ende des Jahrzehnts nur noch drei große Fluggesellschaften überleben - British Airways, Lufthansa und Air France.

OFFENSIVE DER PILOTINNEN

Szenenwechsel. Paris, Rue Christoph Colomb, Sitz der französischen Pilotinnen - der "Association des Pilotes Francaises" mit ihren etwa 300 Mitgliedern. Schon im Jahre 1971 gründeten Frauen ihren eigenen Fliegerverband. Formal ging es den Französinnen darum, endlich auch für Frauen den bis 1973 versperren Zugang zur Nationalen Hochschule zur zivile Luftfahrt (Ecole Nationale d'Aviation civile) durchzuboxen. Es gelang. Gesellschaftlich wie emotional wich die feminine Pilotinnenoffensive im Verbandsinnenleben einer zunächst zaghaften, dann aber vehementen Rückbesinnung auf unveräußerbare Fraueneigenschaften.

Schon ein kurzer Blick in die französische Pilotinnengeschichte gewinnt in diesen Wochen an Aktualität. Sie verdeutlicht, dass Frankreichs Fliegerinnen schon immer die Nation zu faszinieren vermochten. Nur kaum jemand konnte sich daran erinnern, dass es Pilotinnen waren, die Fliegergeschichte schrieben.

WEIBLICHE FLIEGERGESCHICHTE

Bereits 1919 flog beispielsweise Adrienne Bolland über den Kanal, ein Jahr später über die Anden. Im selben Jahr erhielten dreizehn Frauen ihre Pilotenlizenzen für Ballons. Und im Jahre 1934 brach die Französin Hélène Boucher alle Geschwindigkeitsrekorde. Nur: so spektakulär sich auch die fliegerischen Leistungen ausnahmen, dass es Frauen waren, wurde in besagter Ära der miliärisch-männlichen Tugenden der Öffentlichkeit bis zum heutigen Tag allenfalls halbherzig vermittelt.

Folglich besinnen sich Frankreichs Pilotinnen in ihrem Verband auf die allzu oft unterdrückte Frauenfliegergeschichte. Einfach, um jungen Mädchen, die Pilotinnen werden wollen, Selbstbewusstsein mitzugeben. Trainingsläufe, bevor die Männer kommen; im Cockpit und sonst wo. Martine Tujague weiß als Vorsitzende der Pilotinnen-Association nur zu gut, wie wichtig in der Vorbereitungsphase auch das psychologische Rollenspiel mit Männern ist. Sie sagt: " Viele Frauen sind extrem vorsichtig, trauen sich nicht, ihren Mund aufzumachen, haben Angst, einen Fehler zu begehen. Denn nach wie vor ist das eingegerbte Misstrauen, das uns die Männer entgegenbringen, groß. Irgendwie glauben sie immer noch nicht so recht, dass Ruhe, Ausdauer und Standhaftigkeit wirklich auf der Frauenseite zu finden sind."

FRAUEN-DISKRIMINIERUNG

Schon ihre Pilotinnenausbildung kennt einen zusätzlichen Härtegrad - Frauendiskriminierung auf Französisch. Längst sind derlei Verunglimpfungen zu Beginn des Unterrichts bei Air France aktenkundig, allesamt Routine - und keiner der Verantwortlichen will sich darüber monieren. (Buchtitel: Danielle Décuré: "Vous avez vu le Pilote? C'est une femme!" Verlag Robert Laffont, Paris.) Fluglehrer zu Beginn der Lektion: "Es ist ein Skandal, dass jungen, hübschen Frauen Geld gegeben wird, ausgerechnet Pilotinnen zu werden, während Familienväter ohne Arbeit vor der Tür warten." Fluglehrer am Ende der Stunde: "Verstehen Sie eigentlich, warum ich Ihnen keine zusätzlichen Hausaufgaben aufgebe, nicht mehr Zeit investiere? Wenn Sie ehrlich sind, geben Sie zu, dass Sie nur hier sind, um einen Mann zu finden. Bonne journée, amusez-vous bien, mesdames!" (Einen schönen Tag, amüsieren Sie sich gut, meine Damen.) Trotzdem: Immerhin fliegen derzeit 49 Pilotinnen für Air France rund um den Globus. "Wenn es in den kommenden Jahren noch die Hälfte ist, können wir von Glück sprechen", mutmaßt Suzy Oberlin, Pilotin und Vize-Vorsitzende der Association.

"SWEETHEARTS Of THE AIR"

Im stuckverkleideten Büro zu Paris sitzen drei von insgesamt 3.800 Pilotinnen im Land. Sie heißen Martine, Suzy und Francine. Es sind Frauen, die schon über Tausende von Flugstunden auch in fernen Kontinenten absolviert haben. Frauen, die gleichwohl in Frankreich eher am Rande ihr Fliegerleben gestalten. Einfach deshalb, weil sie sich nicht als "Sweethearts of the Air" betrachten lassen wollen. Sie wollten Pilotinnen sein, die sich eher unauffällig im Männermilieu durchsetzen. Wohl aber auch nur um den Preis, frauenspezifische Identitätskerne als Männerinteressen verkleidet zu haben. Sonst hätte der Pilotinneneinbruch in die militärisch gewebte Fliegerhochburg Mann wohl noch weitere Jahre auf sich warten lassen.

MÄNNER-KLEIDER: ISABELLE EBERHARDT

Irgendwie sind im Lebensweg der Martine Tujague mit ihren 52 Jahren Weichenstellungen vorhanden, die an die Schriftstellerin Elisabeth Eberhardt erinnern lassen. - Spurensuche. Weil die Gesellschaft die Schriftstellerin Elisabeth Eberhardt ztu Beginn dieses Jahrhunderts nicht als Pionierfrau gewähren ließ, verkleidete sie sich als Mann und zog durch Nordafrika. Weil Martine Tujague in Frankreich nur Stewardess, aber keine Pilotin sein konnte, zog es Martine Mitte der achtziger Jahre für den nationalen Linienverkehr nach Gabun.

TAKE OFF FOR PARIS

Flieger-Erfahrung hatte Madame Martine zur Genüge sammeln können. Irak und Iran führten Krieg, Es war der Westen, der Sadam Hussein mit modernsten Waffen aufrüstete, um die Macht unliebsamer Ayatollahs zu schmälern. Man schreibt das Jahr 1986. Einmal wöchentlich befindet sich Martine in der Nacht mit einem Co-Piloten und ihrer randvoll beladenen Maschine im Anflug auf Bagdad. Der übliche Linienverkehr war schon längst eingestellt worden. Funkverbindungen gab es nicht. Ab der Grenze der irakischen Lufthoheit wird sie von heimischen Abfangjägern begleitet und mit Radar bis Bagdad geführt. Blindlandung auf dem Flughafen Bagdad, kein Licht brennt in der irakischen Hauptstadt - aus Sicherheitsgründen wegen des iranischen Bombardements. Waffen entladen, auftanken, ein wenig schlafen und wieder heißt es "take off for Paris". Richtig zur Besinnung kam Martine erst, als sie ihren Job verlor - Zeit zum Nachdenken.

Mit großen Plakaten warben zu dieser Zeit französische Unternehmen Pilotinnen an. So nach dem Motto: So spannend und erfolgreich kann die Emanzipation in der Luft sein. Pilotinnen kommt zu uns! Und Martine war gekommen. Freilich ahnte sie zuerst nicht, worauf sie sich einließ. Als ihr dies bewusst wurde, als sie klärende Gespräche mit ihren Chefs suchte, kam es lapidar von den Herren: "Sei schön und halte den Mund" (Sois belle et tais-toi).

"Überhaupt", meint ihre Stellvertreterin Suzy, "sind wir Frauen in dieser Branche offenkundig dafür dam nur den Mund zu halten. Das geht mit der Bezahlung los (für Pilotinnen etwa 3.000 bis 4.500 Euro im Monat) und endet bei Gesetzesvorstößen." In diesen Jahren untersagte es ein französisches Gesetz, dass weibliche Piloten auch nachts fliegen. Martine war aber nur unterwegs, wenn es stockdunkel wurde.

NESTBESCHMUTZUNG

Suzy Oberlin - Mutter von drei Kindern - war einem Berufsskandal auf die Spur gekommen. Vor zehn Jahren kam die heute 51jährige Pilotin den Männerpraktiken angehender Kommandanten auf die Schliche: dem teuer bezahlten, betrügerischen Handel mit vertraulichen Prüfungsfragen, um Flugzeugführer zu werden. Madame Suzy mochte damals nicht schweigen - zog vor Gericht und flog aus ihrem Unternehmen raus wegen "der höchst unerfreulichen Nestbeschmutzung eines ganzen Berufsstandes", wie ihr ein Manager zum Abschied bedeutete. Sicherlich wurden sodann noch neue Stellen als Pilotin angeboten. Aber nur mit weitaus schlechterer Bezahlung als für männliche Kollegen üblich.

SEXUELLE ÜBERGRIFFE

Es gibt Ausbildungs-Camps für Piloten in Arizona, USA. Frankreich schickt seine angehenden Flugzeugführer dort zu Intensivkursen hin. In der Männer-Gesellschaft lernt als einzige Frau auch Estelle Denoyes. Das heißt, wenn Estelle überhaupt noch aufnahmefähig ist. Denn die 23jährige aparte Frau aus Bordeaux wird beharrlich von ihrem Kommilitonen Albert sexuell belästigt - tagsüber, abends, immerfort.

Als zu Weihnachten Estelles Verlobter Jean-Luc zu Besuch kommt, stellen sie gemeinsam den Belästiger zur Rede. Kurzerhand liegen beide am Boden. Der Verlobte bewusstlos, Estelle mit gebrochenem Unterarm. Amerikas Polizei drängt zur Anzeige, besteht sogar darauf. Frankreichs Ausbilder für Air France und Co. hingegen raten kategorisch ab, solch einen "unschicklichen Staub aufzuwirbeln". Auch hätte sie vor einem französischen Gericht mit einem solchen Strafbegehren keine Chance - anders als in Amerika. Und schließlich seien die Konsequenzen für Ruf und Karriere negativ.

In der Tat: Der Sexualbelästiger Albert beglückt heute als Air-France-Pilot ferne Kontinente. Estelle - flog von der Pilotenschule. Nach diesen Vorfällen wollte sich auch niemand ihrer annehmen, um die Ausbildung fortsetzen zu können. Folge: arbeitlos - Frauenniederlage.

MÄNNER-KRISEN UND PLEITEN

"Nein", sagt Martine Tujague, "diese wirtschaftliche Air-France-Krise ist bei genauerer Betrachtung zudem eine bemerkenswerte Männer-Krise." Gerade in Frankreich sind die Fluggesellschaften traditionell schon immer Instrumente nationalstaatlicher Männerpolitik gewesen. Pleiten über Pleiten, ob die Milliardenverluste beim Prestige-Vogel Concorde oder auch jetzt der erstaunliche Schwächeanfall bei Air France, pflastern den Weg. Insofern brach schon in diesen Streikwochen so manche männliche Selbstüberschätzung zusammen. Suzy sagt: "Für die Herren Piloten zählt nur Air France und sonst nichts auf der Welt."

Das Telefon klingelt. Am anderen Ende der Leitung meldet sich aufgeregt Kollegin Francoise aus dem Gericht - vom Tribunal de Creteil. Endlich. Nach zehnjährigem Streit konnte Suzy Oberlin vor Richtern einen ersten Teilerfolg erzielen. Pilot Christian Marie, der seinerzeit die streng vertraulichen Prüfungsaufgaben teuer verkaufte, ist mit weiteren vier Flugkomparsen zu einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt worden. Ausdrücklich wiesen die Richter in ihrer Urteilsbegründung darauf hin, dass Monsieur Marie bereits vorbestraft sei -wegen "sittlicher Verfehlung". Ein Cockpit bei Air France dürfte er wohl nicht wiedersehen.

Die Pilotinnen strahlen vergnügt, "Auf Martine", sagt Suzy, "weiter geht's."













































Donnerstag, 2. September 1993

Entenhausen liegt an der Saône, und alle tuckern hin































Pariser Automobil-Ausstellung mit dem 2CV-Neuling im Jahre 1949. Über sechzig Jahre später "Enten"-Nostalgie - "Enten"-Festival vielerorts in Europa. Der "Dö-Schöwo" ist nämlich kein Wagen, sondern eine Lebens-einstellung. Schon die Baskenmütze durfte beim Einsteigen nicht verrutschen. Vier Räder unterm Regenschirm wollte Citroen - über sieben Millionen wurden gebaut. Über zwei-tausend "Entianer" aus ganz Europa trafen sich auf Schloss Rochteaillée-sur-Saône zum großen Festival der Enten.


DIE WELTWOCHE, Zürich
vom 2. September 1993
von Reimar Oltmanns

Aus den Lautsprechern des Schlosses scheppern fran-zösische Chansons vergilbter Epochen. Pascal Danels Ohrwurm oder auch Adamos wollen und wollen nicht enden, obwohl es sommerlich arg heiss ist. Atmosphäre wie Ambiente lassen frankophile Klischeegemüter auf-atmen: Weit und breit keine McDonald's-Läden, keine Atomkraftwerke, keine neu gebauten Trassen des Hoch-geschwindigkeitszuges TGV, dafür viele Baskenmützen, Schnauzbärtchen, viel Rotwein, viel Weißbrot - und das auch noch auf einem erlesenen Château aus dem 15. Jahrhundert, das die umliegende Landschaft des Saône-Tals anschmiegsam überragt.
DIE ENTE - EIN LEBENSGEFÜHL
Auf dem Schlossvorplatz von Rochetaillée-sur-Saône bei Lyon tummelt sich derweil ein seltenes Generationen-gemisch um ihren Geliebten: Es sind Mätressen aus Frankreichs Gegenwelt des Modernisierungsrausches. Eben Weggefährtinnen, denen es an Status, Leistung, Schnelligkeit und Aggressivität fehlt - Enten genannt. Seit eh und je sind sie Blech gewordener Ausdruck eines Lebensgfühls, das ein und denselben Namen trägt: 2 CV (CV steht für Cheval Vapeur, die französische Steuer-PS), in deutscher Zunge auch als "Döschöwo" liebkost. Immer wenn Adamos "neige" fällt, fliegen ölver-schmierte Putzlappen in die Lüfte. Leidenschaftlich wird mitgesungen. Denn hier trotzen zweitausend "En-tianer" aus vielen europäischen Ländern der neuzeit-lichen Wirklichkeit ihre Daseinsberechtigung ab. Hier leben in Wehmut umarmte Automobil-Nostalgien ver-klärt fort, haucht der Enten-Stamm seinen Legenden neuen Atem ein.
DÖSCHÖWO-CLUBS ÜBERALL
Meist schon zu Beginn der Sommermonate kriecht Frankreichs eingefahrene 2-CV-Gemeinde trotzig raus aus den kasernierten Vorstädten. Dort, wo sich enge Wohnsilos, Polizeischießplätze, Friedhöfe, Kleingärten samt Müllhalden scheinbar noch friedlich vertragen. Raus aus den zubetonierten, durch Jugendkrawalle berüchtigten banlieues - weg aus der gemeinsam er-lebten Sprachlosigkeit in den hastig verstopften Metro-polen Paris, Lyon Marseille oder Toulouse. Sommerzeit - das ist und bleibt nun einmal Enten-Zeit. "Das lassen wir uns von niemanden rauben", bedeutet der 30jährige Tischler Philippe Abbadie aus Lyon. Phillippe, von athletischer Gestalt mit offenem Gemütsblick, ist einer der unzähligen Enten-Präsidenten der Republik.
URTYP EINES PRIMITIVAUTOS
Mittlerweile gibt es landesweit 40 Klubs mit etwa je 30 Mitgliedern, die sich flugs in einer gesellschaftlichen Nische aufgetan haben - und es werden immer mehr. Ob in England, Deutschland, Italien oder auch in Portugal - überall mausern sich unverhofft Döschwo-Vereine. Folg-lich tuckerten sie allesamt aufs Schloss Rochetaillée-sur-Saône - ins Europa der Enten, wenn auch nur für ein Wochenende. Monat für Monat hecheln 2-CV-Kolonnen durch die französische Republik. Klubbesuche, Ge-spräche, Ersatzteiltausch, gemeinsames Essen ist ange-sagt. Präsident Philippe weiß auch warum: "In diesen sprachlosen Jahren geht alles, aber auch alles in die Brüche - nichts stimmt mehr. Vater arbeitslos., Opa besoffen, Eltern oft geschieden, Kinder ohne Lehr-stellen, rohe Gewalt an vielen Schulen, wilde Rasereien auf den Straßen und im Fernsehen ewig diese Plastik-reklame von der üppigen Welt, die uns alle hungrig macht." Philippe fragt: "Was bleibt uns noch?" Er ant-wortet sogleich: "La 2CV, c'est pas une voiture, c'est une facon de vivre." - Der 2CV ist kein Auto, sondern eine Lebenseinstellung. Und er fügt hin-zu: "Wenn alle eine Ente führen, wäre die Gesellschaft friedlicher. Überall kochen doch zunehmend bedrohliche Aggressionen hoch."
HERKUNFT - IDENTITÄT
Elisabeth, die ihm zuhörte, nickt auffällig in die Entianer-Runde. Zugehörigkeit ist gefragt. Hinter jeder Döschöwo-Erzählung - auch ohne Katalysator - kana-lisiert sich meist ein Stück Biografie oder auch Lebens-skizze, für die es sonst kaum noch einen Platz zu geben scheint. Ob Herkunft, Bezugspunkte samt Identität - die Ente zieht sich wie ein roter Faden durch mancherlei Lebensgeschichten - ein Wegbegleiter aus Blech. Die 24jährige Kindergärtnerin Elisabeth Perpoil aus Saint Avertin sagt: "Als ich Kind war, reparierte mein Vater jedes Jahr mit ein paar Kollegen einen 2 CV für die Tombola von Sankt Eloi. Mit acht Jahren habe ich mir vorgenommen, mein erster Wagen nach dem Führer-schein muss eine Ente sein. Wir haben sechs Wracks gekauft und an die zweitausend Stunden gearbeitet. Da steht er nun, mein Deux Chevaux, sogar mit neuen Sicherheitsgurten und Bremsbelägen."
IMAGE-GEFÄHRT
Wohl noch kein Fahrzeug in der Geschichte Frankreichs hat die Seelenlage der Gemüter derart beschäftigt, bewegt, aufgewühlt - oder auch solch länderüber-greifende Identifikationsschübe ausgelöst wie die Ente. Zunächst galt sie als Urtyp eines Primitivautos schlecht-hin, als Arbeitstier (Einheitsfarbe grau) und rollte vor-nehmlich vor Fabriktore oder auch Bauernhöfe. In den sechziger und siebziger Jahren stieg sie zum existenzial-istischen Image-Gefährt französischer Intellektueller auf. Wer damals in jenen Zeitläufen der heute schon legendär-verklärt anmutenden Studentenrevolte auch nur ein wenig auf sich hielt, las nicht nur in verrauchten Bars schwierige Texte des Philosophen Jean-Paul Sartre(*1906+1980), rauchte Gauloises in Kette, nein, der parkte sein Statussymbol Deux Chevaux natürlich im Pariser Stadtteil Saint-Germain-des-Près. Wo denn auch sonst.
EINMALIGE GRANDEUR
Tatsächlich vermochte bisher kein noch so technolo-gisch hochgezüchtetes Vehikel aus den Werken Renault, Peugeot oder Citroen an ihre Grandeur anzuknüpfen. Die skurril verpackte Enten-Mechanik, Sparsamkeit des Motors, sanft wiegende Federung, die im Stil einer Sar-dinenbüchse mit zurückgerolltem Dach zu fahren ist - all das ist in der Autowelt unnachahmlich geblieben. Sicherlich auch ein Grund dafür, warum in Europa eine Enten-Bewegung entstand.
VORLÄUFER DER 5CHEVAUX
Dabei ist die Entstehungsgeschichte des Autos so aben-teuerlich wie seine tiefauslagende Kurvenlage. - "Vier Räder unterm Regenschirm" wollte in den dreißiger Jahren Citroen-Generaldirektor Pierre-Jules Boulanger bauen lassen. Dieses Autochen sollte auch den Landarzt, die Weinbäuerin und natürlich den Dorfpfarrer im land-wirtschaftlich geprägten Frankreich zu überzeugten Citroen-Fahrern machen. Einzige Vorgabe an die Kon-strukteure im Pariser Vorort Levallois: Der Wagen müsste in der Lage sein, zwei Bauern samt einem Sack Kartoffeln oder einem Fass Wein auch über Feldwege zu kurven, vom Village zur Ville zu bringen. Das TPV ("Toute Petite Voiture" - ganz kleine Auto) dürfe nicht mehr als drei Liter Benzin auf 100 Kilometer schlucken und habe so geräumig zu sein, dass die Baskenmütze beim Einsteigen nicht vom Kopf rutscht. Sollte zudem noch eine Kiste mit Eiern auf dem Rücksitz liegen, so dürfe keines während der Fahrt zerbrechen.
ERSATZTEILE ALS ANTIQUITÄTEN
Über sieben Millionen Enten verließen die Pariser Werks-hallen - durchschnittlich 400 am Tag. Verständlich das mittlerweile auf dem Schloss Rochetaillée-sur-Saône Ersatzteile wie Antiquitäten gehandelt werden. Über-haupt durchlebt Frankreich eine nie für möglich ge-haltene Renaissance alter Blechkarossen. Fernab von schnelllebigen Superlativen und dem potenzprotzenden Milieu aus der Reklamewelt neuer Automobile wuchs in diesem Schatten eine Wirtschaftsbranche mit Millionen-umsätzen samt Arbeitsplätzen heran - der kapital-kräftige Oldtimer-Markt. Was einst verspielt begann, entpuppt sich zunehmend als eine ernst zu nehmende Wachstumsbranche - die Auto-Nostalgie.
VOM HINTERHOF AN DIE COTE d'AZUR
"Ich habe in einer kleinen Garage im Hinterhof be-gonnen. Heute kann ich eine Werkstatt mein eigen nennen", sagt der 50jährige Jean-Pierre Payet aus Briord im Rhône-Tal. Seine Auftragsbücher sind üppig gefüttert. International bis nach Japan hat der Tüftler Anzeigen in Fachzeitschriften geschaltet. Von überall rufen ihn Liebhaber vergangener Auto-Epochen an und wollen sogleich für etwa 12.000 Euro ein Stückchen mobile Vergangenheit mit nach Hause nehmen.
OLDTIMER-PAAR ÜBER LAND
Eigentlich wollte Restaurateur Jean-Pierre Jurist werden. Doch schon die kurzweiligen Fahrten mit seinem 5-Chevaux-Citroen zur Uni wiesen seinen Berufsweg in eine andere Richtung. Seither bastelt er maßstabsgetreu die "Vorahnen des Autos" zusammen. Oldtimer beginnen für ihn nämlich erst dort, wo Holz-teile handwerklich eingebaut werden müssen - Filigran-arbeit. Seine Frau Josette nickt ermüdet. Sie ist es nämlich, die die Abendstunden, zuweilen des Nachts an der Nähmaschine verbringt, mühselig die Sitzbezüge vergangener Tage schneidert und anpasst. - Termin-arbeit.
FROSCH IN DEN STÄLLEN
Übers Wochenende ist das Oldtimer-Paar meist unterwegs, grast alte Höfe und Dörfer ab. So mancher Zeitgenosse hält das einstige Volksauto - sieht wie ein Frosch aus - noch heute seit dem Zweiten Weltkrieg in Ställen oder Scheunen verborgen - für den Notfall sozusagen. Denn immerhin gab es auf den 5-Chevau-Citroen Benzinmarken. Und das will auch noch in Frankreichs Ära der TGV-Schnellzüge etwas heißen.