Dienstag, 14. Februar 2006

Lyrik, Gedichte, Verse - Versus memoriales - schnelllebige Tage, flüchtige Momente des Vergessens (Teil 3)

Angela Sanmann (*1980 in Iserlohn) ist deutsche Lyrikerin und lebt in Berlin. Im Jahr 2006 erschien der Gedichtband stille, verkaspert

puppenstirn
du sitzt auf der bettkannte
und bist klug.
ich daneben
und ist mir egal,

zartes streift seine gesten ab.

erwartungen. aufgebockt, gefüttert
mit türritzenlicht, rostige augenblicksscheren schneiden den tag in gleich große teile,
immer an der Linie entlang. morgen?
das weiß ich nicht.

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Oliver Hassencamp (*10. Mai 1921 in Rastatt; + 31. März 1988 in Inwaging am See)

L Ü G E N
.
Aus Lügen,
Die wir glauben,
Werden Wahrheiten,
Mit denen wir leben.

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Max Frisch (*15. Mai 1911 in Zürich; + 4. April 1991 ebenda)


G E S C H I C H T E N
.
Jeder Mensch erfindet sich
Früher oder später eine
Geschichte, die er für sein
Leben hält.
Oder eine Reihe von Geschichten.

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Heinrich Heine (*13. Dezember 1797 in Düsseldorf; + 17. Februar 1856 in Paris)

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DAS MEER ERGLÄNZTE WEIT HINAUS
.
Das Meer erglänzte weit hinaus
im letzten Abendscheine;
Wir saßen am einsamen Fischerhaus,
Wir saßen stumm und alleine.

Der Nebel stieg, das Wasser schwoll,
Die Möwe flog hin und wider;
Aus deinen Augen, liebevoll,
Fielen die Tränen nieder.

Ich sah sie fallen auf deine Hand.
Und bin aufs Knie gesunken;
Ich hab von deiner weißen Hand
Die Tränen fortgetrunken.
Seit jener Stunde verzehrt sich mein Leib,
Die Seele stirbt vor Sehnen;
- Mich hat das unglücksel'gen Weib
Vergiftet mit ihren Tränen

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TRÄUMEREI

Schattenküsse, Schattenliebe,
Schattenleben, wunderbar !
Glaubst du, Närrin, alles bliebe
Unverändert, ewig wahr ?
Was lieblich fest besessen,
Schwindet hin, wie Träumerein,
Und die Herzen, die vergessen,
Und die Augen schlafen ein.

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ÜBER DEUTSCHLAND

Wenn ich, beseligt von schönen Küssen,
In deinen Armen mich wohl befinde,
Dann mußt du mir nie von Deutschland reden,
- Ich kanns nicht vertragen - es hat seine
Gründe.

Ich bitte dich, laß mich mit Deutschland in Frieden !
Du mußt mich nicht plagen mit ewigen Fragen
Nach Heimat, Sippschaft und Lebensverhältnis;
- Es hat seine Gründe, ich kanns nicht vertragen.

Die Eichen sind grün, und blau sind die Augen
Der deutschen Frauen: sie schmachten gelinde
Und seufzen von Liebe, Hoffnung und Glauben;
- Ich kanns nicht vertragen - es hat seine Gründe

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DEINE WEISSEN LILIENFINGER
Deine weißen Lilienfinger,
Könnt ich sie noch einmal küssen,
Und sie drücken an mein Herz,
Und vergehn in stillem Weinen !
Deine klaren Veilchenaugen
Schweben vor mir Tag und Nacht,
und mich quält es: was bedeuten
Diese süßen, blauen Rätsel ?
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György Konrád, ungarischer Schriftsteller (* 02. April 1933 in Berettyóújfalu nahe Debrecen, Ungarn)

.
VERSCHWINDEN
.
In der Heimat
Vermisst dich niemand
In der Fremde
Erwartet dich niemand
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Jörg Fauser (*16. Juli 1944 in Bad Schwalbach/Taunus; + 17, Juli 1987 zwischen Feldkirchen und München-Riem)
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LIEBESDICHT
22. November 1978

Als wir uns liebten,
liebten wir uns selbst nicht.

Als wir uns den Krieg erklärten,
gaben wir uns schon verloren.

Als wir geschlagen waren,
bemühten wir die Geschichte.

Als wir allein waren,
übertönten wir sie mit Musik.

Als wir uns trennten,
blieben wir am gleichen Ort,

So lagen wir uns bald wieder in den Armen
und nannten es ein Liebesgedicht.

Aber kein Liebesgedicht erklärt uns
Die Angst der Liebe,
und warum der Himmel so blau war,
als wir uns trafen,
und warum er immer noch blau sein wird
wenn wir sterben werden.

Du für dich,
ich für mich

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KARFREITAG

Als er die Schuhe anzog,
riß ein Schnürsenkel.
Er aß eine Scheibe Brot
und eine halbe Zwiebel
und trank den Rest Büchsenmilch,
mit Wasser gemischt,
Er hatte noch 8 Mark 40.

Am Nordfriedhof
hockten die Raben
in den Bäumen,
Von den Bauzäunen rann
der Schnee und löste
die alten Faschingsplakate ab.

Die Kneipen hatten dicht,
In der Imbißbude trank er
ein schnelles Bier,
Es schmeckte nach Plastik.
Die Leute waren stumm
und starrten ihn an

Auf der Georgenstraße
lief er fast in einen BMW
vor die Haube. Der Fahrer
drohte mit der Faust.

Im Isabella zeigten sie
Filme über die Angst.
Die Zeitungskästen
waren alle leer.

Zu Hause fand er noch
eine Dose Tomatensuppe, löffelte
sie mit Brot, las einen
Spillane, wichste
sich einen ab und beschloss,
Morgen früh aufzustehen,
um doch den Toaster
zu versetzen. Und er dachte,
Dass er den ganzen Tag mit zwei
Worten ausgekommen war:
Ein Bier, Christus am Kreuz
hatte mehr gebraucht.

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Hans Magnus Enzensberger (*11. November 1929 in Kaufbeuren)
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DIE PARTY
Nein. langweilig war es nicht bei euch,
trotz allem. Genug zu essen, fast immer (unvergeßlich
die Himbeertörtchen), und dann dieser Sternenhimmel !
Fabelhaft ! Beizeiten, Mama,
hast du die Windeln gewechselt,
Die Schuhe waren bequem.
Sogar die Heizung hat funktioniert.
Ausgerichtet habe ich nichts.
Keinen Diktator umgebracht,
kein Massaker verhindert.
Glück habt ihr ertragen
meine Liebegeschichten,
meine Witze und meine Wut.
Nett von euch. Auch der Notarzt
war pünktlich zur Stelle. Bitte,
laßt euch nicht stören !
Gute Unterhaltung weiterhin
wünscht der Verblichene.

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Martin Niemöller (*14. Januar 1892 in Lippstadt; + 6. März 1984 in Wiesbaden) - Theologe, Häftling im Konzentrationslager Sachsenhausen, Widerstandkämpfer gegen den Nationalsozialismus
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Als die Nazis die Kommunisten holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Kommunist.
Als sie die Gewerkschafter holten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Gewerkschafter.
Als sie die Sozialisten einsperrte,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Sozialist.
Als sie die Juden einsperrten,
habe ich geschwiegen,
ich war ja kein Jude.
Als sie mich holten, gab es keinen
mehr, der protestieren konnte.

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Katharina Lanfranconi (20*Juni    1948 in Luzern / Schweiz)
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r e i s e

tätest du diese reise
du hieltest steine in der hand
die wie nie berührte körper sind
und wortlos stündest du einsam
im gleichen kargen feld
umhüpft von schreienden raben
später stiesset du
am verrauchten ort
auf jenen gitarrenspieler
im arm sein instrument
dessen gesprungene
saiten von ihm wegstarren,
als läge er im schilf
und schaute in den himmel
allein mit seiner musik.

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Franz Kafka (*03. Juli 1883 in Prag; +03. Juni 1924 bei Klosterneuburg/Österreich)
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KÜHL UND HART

Kühl und hart ist der
heutige Tag,
Die Wolken erstarren.
Die Winde sind zerrende Taue,
Die Menschen erstarren,
Die Schritte klingen metallen,
Auf erzenen Steinen,
Und die Augen schauen
weite weiße Seen ...

... Wolken, die über grauen Himme ziehn
vorüber an Kirchen
Mit verdämmernden Türmen,
Einer, der an der Quaderbrüstung lehnt
und in das Abendwasser schaut,
die Hände auf alten Steinen.

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Bertholt Brecht (*10. Februar 1898 in Augsburg; + 14. August 1956 in Berlin)
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Die Schwachem kämpfen nicht.
Die Stärkeren kämpfen vielleicht eine Stunde lang.
Die noch Stärkeren sind, kämpfen viele Jahre.
Aber die Stärksten kämpfen ihr Leben lang.
Die sind unentbehrlich.

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Elli Michler (*12. Februar 1923 in Würzburg; lebt in Bad Homburg im Taunus)
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WO DU GELIEBT WIRST ... ...

Wo du geliebt wirst,
kannst du getrost alle Masken ablegen,
darfst du dich frei und gnaz offen bewegen.

Wo du geliebt wirst,
zählst du nicht nur als Artist,
wo du geliebt wirst,
darfst du so sein, wie du bist,
Wo du geliebt wirst,
musst du nicht immer nur lachen,
darfst du es wagen, auch traurig zu sein.

Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Fehler machen
und du bist trotzdem nicht hässlich und klein,
Wo du geliebst wirst.
darfst du auch Schwächen zeigen
oder den fehlenden Mut,
brauchst du die Ängste nicht zu verschweigen.
wie das der Furchtsame tut.

Wo du geliebt wirst,
darfst du auch Sehnsüchte haben,
manchmal ein Träumender sein.
und für Versäumnisse, fehlende Gaben
räumt man dir mildernde Umstände ein.

Wo du geliebst wirst.
brauchst du ncicht ständig zu fragen
nach dem vermeintlichen Preis.
Du wirst von der Liebe getragen,
wenn auch unmerklich und leis.


ICH WÜNSCHE DIR ZEIT

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben,
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.
Ich wünsche dir Zeit für den Tun und dein Denken
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir - nicht zum Hasten und Rennen.
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.
Ich wünsche dir Zeit - nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun.
anstatt nach der Zeit auf die Uhr nur zu schaun.
Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen.
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen,
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.
Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden.
jeden Tag, jede Stunde, auch um Schuld zu vergeben.
Ich wünsche dir: Zeit zu haben zum Leben !
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Montag, 19. September 2005

Lyrik, Gedichte, Verse - Versus memoriales - schnelllebige Tage, flüchtige Momente des Vergessens (2)


Theodor Storm ( *14. September 1817 in Husum, + am 4. Juli 1988 in Hademarschen/Holstein)
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Trost

So komme, was da kommen mag !
Solang du lebest, ist es Tag.

Und geht es in die Welt hinaus.
Wo du mir bist, bin ich zu Haus.

Ich seh dein liebes Angesicht.
Ich sehe die Schatten der Zukunft nicht."
(für Irmgard)

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LIED DES HARFENMÄDCHENS

Heute, nur heute
Bin ich so schön;
Morgen, ach morgen
Muß alles vergehn !

Nur diese Stunde
Bist du noch mein;
Sterben, ach sterben
Soll ich allein.

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Karl Kraus (* 28.April 1874 in Jicin Böhmen, + 12. Juni 1936 in Wien
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"Man glaubt gar nicht,
Wie schwer es oft ist,

eine Tat in einen Gedanken
umzusetzen."
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Ludwig Uhland (*26. April 1787 in Tübingen; + 13. November 1862 eben da)


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FRÜHLINGSLIED DES REZENSENTEN


Frühling ist's, ich laß es gelten,
Und mich freut's, ich muß gestehen,
Daß man kann spazieren gehen,
Ohne just sich zu erkälten.

Störche kommen an und Schwalben,
Nicht zu frühe, nicht zu feühe !
Blühe nur, mein Bäumchen, blühe !
Meinethalben, meinethalben !

Ja ! Ich fühl ein wenig Wonne,
Denn die Lerche singt erträglich,
Philomele nicht alltäglich,
Nicht so übel scheint die Sonne.

Daß es keinen überrasche,
Mich im grünen Feld zu sehen !
Nicht verschmäh ich auszugehen,
Kleistens Frühling in der Tasche.

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Rainer Maria Rilke (* 4. Dezember 1875 in Prag; + 29. Dezember 1926 im Sanatorium Valmont bei Montreux/ Schweiz)
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MANCHMAL FÜHLT SIE

Manchmal fühlt sie: Das Leben ist groß,
wilder, wie Ströme, die schäumen,
wilder, wie der Sturm in den Bäumen,
und leise lässt sie die Stunden los
und schenkt ihre Seele den Träumen.
Dann erwacht sie. Da steht ein Stern
still überm leisen Gelände.
Und ihr Haus hat ganz weiße Wände -
Da weiß sie: Das Leben ist fremd und fern
und faltet die alternden Hände.

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HERBST

Die Blätter fallen, fallen wie von weit,
als welkten in den Himmeln ferne Gärten;
sie fallen mit verneinender Gebärde.
Und in den Nächten fällt die schwere Erde
aus allen Sternen in die Einsamkeit.

Wir alle fallen. Diese Hand da fällt,
Und sieh dir andre an: es ist in allen.
Und doch ist Einer, welcher dieses Fallen
unendlich sanft in seinen Händen hält.

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DIE LIEBENDE
.
Ja ich sehne mich nach dir, Ich gleite
mich verlierend selbst mir aus der Hand,
ohne Hoffnung, dass ich Das bestreite,
was zu mir kommt wie aus deiner Seite
ernst und unbeirrt und unverwandt.

... jene Zeiten: O wie war ich Eines,
nichts was rief und nichts was mich verriet,
meine Stille war wie eines Steines,
über den der Bach sein Murmeln zieht.
.
Auch jetzt in diesen Frühlingswochen
hat mich etwas langsam abgebrochen
von dem unbewussten dunklen Jahr.
.
Etwas hat mein armes, warmes Leben
irgendeinen in die Hand gegeben,
der nicht weiß, was ich noch gestern war.

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Victor Hugo (*26. Februar 1808 in Besançon: + 22. Mai 1885 in Paris)
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MEDIEN-KARUSSELL

"Die Zukunft hat viele Namen
Für die Schwachen ist sie die Unerreichbare
Für die Furchtsamen ist sie die Unbekannte
Für die Tapferen ist sie die Chance."

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Frank Vincent Zappa (*21. Dezember 1946 in Baltimore, Maryland; + 4. Dezember 1993 in Laurel Canyon, Kalifornien
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Erwarte nichts im Leben.
Wenn du es tust, dann ist alles, was du bekommst, ein Bonus

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Ohne Abweichung von der Norm ist Fortschritt nicht möglich

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Joseph Karl Benedikt Freiherr von Eichendorff (*10. März 1788 Schloss Lubowitz bei Ratibor, Oberschlesien; + 26. November 1857 in Neiße, Oberschlesien

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DER ISEGRIM
.
Aktenstöße nachts verschlingen,
Schwatzen nach der Welt Gebrauch,
Und das große Tretrad schwingen
Wie ein Ochs, das kann ich auch.
.
Aber glauben, dass der Plunder
Eben nicht der Plunder wär,
Sondern ein hochgewichtig Wunder,
Das gelang mir nimmermehr.
Aber andere überhitzen,
Dass ich mit dem Federkiel
könnt den morschen Weltbau stützen,
Schien mir immer ein Narrenspiel.
.
Und so, weil ich in dem Drehen
Da steh oft wie ein Pasquill,
Lässt die Welt mich eben stehen -
Mag sie's halten, wie sie will.

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Mascha Kaléko (gebürtig Golda Malka Aufen, * 7. Juni 1907 im galizischen Schidlow, Österreich-Ungarn, heute Polen; + 21. Januar 1975 in Zürich).

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TOD
.
Vor meinen eigenen Tod ist mir nicht bang.
Nur vor dem Tode derer, die mir nah sind.
Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?
Allein im Nebel tast ich todentlang
Und lass mich willig in das Dunkel treiben.
Das Gehen schmerzt nicht halb so wie das Bleiben.
Der weiß es wohl, dem Gleichen widerfuhr, -
Und die es trugen, mögen mir vergeben.
Bedenk: den eignen Tod, den stirbt man nur,
Doch mit dem Tod der andern muss man leben.

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Nicolaas Thomas Bernhard (* 9. Februar 1931 in Heerlen, Niederlande; + 12. Februar 1989 in Gmunden, Österreich)

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naturgemäß
.
den hinterhofeingängen zu glauben dem geruch des entfernens
das nach dem ruf
das begeiten beginnt
die häuser
die nesseln
das fremde im land
eine schweigende masse
schliesst die fenster
und öffnet sie erst wieder
wenn es verschwunden ist
der atem
stockt
wenn wir das schweigen
mit dem reden verwechseln
uns zu sehen
zu betrachten
wie wir in jeder bewegung
glauben
zu wissen was der andere
spürt
was in ihm vorgeht
aber nichts
nichts läßt uns erkennen
was uns trennt
von dem schatten des
unbekannten
wir rufen
schreien
wir haben die sehnsucht erfunden
hüllen sei ein
und erkennen sie nicht mehr wieder

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Eduard Friedrich Möricke (*8. September 1804 in Ludwigsburg; + 4. Juni 1875 in Stuttgart)
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Früh im Wagen


Es graut vom Morgenreif
in Dämmerung das Feld,
Da schon ein blasser Streif
Den fernen Ost erhellt:

Man sieht im Lichte bald
Den Morgenstern vergehn,
Und doch am Fichtenwald
Den vollen Mond noch stehn:
So ist mein scheuer Blick,
Den schon die Ferne drängt,
Noch in das Schmerzensglück
Der Abschiedsnacht versenkt.

Dein braunes Auge steht
Ein dunkler See vor mir,
Dein Kuss, dein Hauch umweht,
Dein Flüstern mich noch hier.
An deinem Hals begräbt
Sich weinend mein Gesicht.
Und Purpurschwärze webt
Mir vor dem Auge dicht.

Die Sonne kommt - sie scheucht
Den Traum hinweg im Nu.
Und von den Bergen streicht
Ein Schauer auf mich zu.

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Johann Ludwig Tieck (*31. Mai 1973 in Berlin; + 28. April 1853 ebenda)
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TROST
Wenn die Ankerstricke brechen,
Denen du zu sehr vertraust.
Zornig nun die Wogen sprechen, -
O so laß das Schiff den Wogen,
Mast und Segel untergehn,
Laß die Winde zornig wehn,
Bleibe dir nur selbst gewogen,
von den Tönen fortgezogen.
Wirst du schön're Lande sehn:
Sprache hat dich betrogen,
Der Gedanke dich belogen,
Bleibe hier am Ufer stehn. -
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Montag, 20. September 2004

Lyrik, Gedichte, Verse - Versus memoriales - schnelllebige Tage, flüchtige Momente des Vergessens (1)






















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SAID (*27. Mai 1947 in Teheran /Iran )
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LIEBESGEDICHTE

Für dich die Küsse
für mich der Morgen.
Von dir der Abend,
von mir die Tauben,

Für dich die Kerze,
für mich der Wind.
Von mir die Nacht.
von dir die Küsse

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Tom de Toys deutscher Lyriker (*1968 in Jülich)
lebt in Berlin
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LEBEN GESCHIEHT
10 Minuten genügen
Um die Welt
Zu verändern
Ja eine Minute reicht aus
Um alles zu sagen
Sieben Minuten
Von mir aus auch fünf

Die Zeit spielt
Überhaupt keine Rolle
Zehn Minuten
Sind alles was ich habe
Ich glaube weder an Gott
Noch irgendwas andres
Solange ich lebe
Lebe ich richtig
Und wenn ich tot bin
Ist endlich Schluss
Wer wirklich begreift
Dass der Kosmos nicht lügt
Und die Erde
Im Höllentempo hinduch gleitet
Wohnt in der sprachlosen Unendlichkeit

Und wenn ich bloß sieben Minuten hätte
Um sämtliche Einbildungen aufzulösen
Lächerliche fünf Minuten
Um die Geschichte der
Andauernden Gegenwart zu erzählen
Ich bräuchte nur drei
Ach sag ich
Nur eine Minute genügte
Wahrscheinlich käme ich
Mit einer Sekunde schon aus
Denn die einzige Wahrheit
Die uns verbindet
Das einzig echte
In jedem
LEBEN GESCHIEHT
Nebenbei nebenbei
So dermaßen nebenbei
Es geschieht einfach so
Es geschieh sogar
Wenn kein Dichter darüber redet


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XXL ... IEBEN
Manche Menschen schauen
Nachrichten im Fernsehen
Während wir uns lieben
Um.8
Und manche bringen sich durch
1 dummen ZUFALL GEGENSEITIG um
um.8

Während wir uns über
Die modernen Dichter unterhalten
Manchmal spüren wir das große Glück
Noch nicht
Dem Totenreich anzugehören das
Uns aus den Augen der Politiker anstarrt
Als sei das ganze Lebe 1 Diktatur aus
Wiederholten Wiederholungen und manchmal

Ahnen wir wie kostbar die Sekunden sind die wir
NICHT ZÄHLEN sondern restlos von uns
überwältigt Bleiben weil wir Sterne in den groß
gewordenen Pupillen sehen
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ÜBER (SCH) WIEGE (NE)

wortlos
lieben wir uns
sprechen ist nicht nötig
wir zerfließen ganz
in unseren armen denn
ich liebe mich und du liebst dich
so sehr daß keinem etwas fehlt
was ausgesprochen werden müßte
wenn sich beide seelen treffen
wo sie wirklich sind
darf alles ohne angst
sich selbst gegnügen
atem atmet weiter
körper bleiben körper
geist ist geistig dinge
sind begreifbar rätsel sind geheimnisvoll
und glück macht glücklich
weil wir zwischen sämtlichen sachverhalten wohnen
als sei gegenwart noch mehr als gegenwart
von ewigkeit mal ganz zu schweigen
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EISZEITLOSE

wir sind zwei spiegel die
sich gegenüber stehen und
sich im unendlichen verstehen
durch die augen leuchtet doppelt
leer der letzte satz:
ich lieb dich sehr !
so sehr daß mit die worte fehlen
kann nur reime für die seele stehlen
ach mein herz mein aufgetautes
spürt nun wahres und vertrautes
bei der königin der liebe
sind sie endlich frei die triebe
frei und heilig wie das leben selbst
weil du mich in den armen hälst

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Friedrich Hölderlin (*2o. März 1770 in Lauffen am Neckar; + 7. Juni 1843 in Tübingen
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ABENDPHANTASIEN
Vor seiner Hütte ruhig im Schatten sitzt Der Pflüger, dem Genügsamen raucht sein Heerd. Gastfreundlich tönt dem Wanderer im Friedlichen Dorfe die Abendglocke.
Wohl kehren ist die Schiffer zum Hafen auch, In fernen Städten, fröhlich verrauscht des Markts Geschäfft'ger Lärm; in stiller Laube Glänzt das gesellige Mahl den Freunden.
Wohin denn ich ? Es leben die Sterblichen Von Lohn und Arbei wechselnd in Müh' und Ruh' Nimmer nur mir der Brust der Stachel?
Am Abendhimmel blühet ein Frühling auf; Unzählig blühn die Rosen und ruhig scheint Die goldne Welt; o dorthin nimmt mich Purpurne Wolken und möge droben In Licht und Luft zerrinnen mit Lieb' und Laid - Doch, wie verscheucht von thöriger Bitte, flieht Der Zauber; dunkel wirds und einsam Unter dem Himmel, wie immer, bin ich -
Komm du nun, sanfter Schlummer, zu viel begehrt Das Herz; doch endlich, Jugend! verglühst du ja, Du ruhelose, träumerische! Friedlich und heiter ist dann das Alter.
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DER SOMMER
Das Erntefeld erscheint, auf Höhen schimmert Der hellen Wolke Fracht, indes am weiten Himmel in stiller Nacht die Zahl der Sterne flimmert. Groß ist und weit von Wolken das Gewimmel.
Die Pfade gehen entfernter hin, der Menschen leben, Es zeiget sich auf Meeren unverborgen, Der Sonne Tag ist zu der Menschen Sterben Ein hohes Bild, und golden glänzt der Morgen.
Mit neuen Farben ist geschmückt der Gärten Breite. Der Mensch verwundert sich, dass sein Bemühen gelinget. Was er mit Tugend schafft und was er hoch vollbringet, Es steht mit der Vergangenheit in prächtigem Geleite.
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ANDENKEN
Der Nordost wehet, Der Liebste unter den Winden Mir, weil er feurigen Geist Und gute Fahrt verheißet den Schiffern. Geh aber nun und grüße Die schöne Garonne, Und die Gärten von Bordeaux Dort, wo am scharfen Ufer Hingeht der Steg und in den Strom Tief fällt der Bach, darüber aber Hinschauet ein edel Paar Von Eichen und Silberpappeln;
Nach denket das mir wohl und wie Die breiten Gipfel neiget Der Ulmwald, über die Mühl' Im Hofe aber wächstet ein Feigenbaum. An Feiertagen gehn Die braunen Frauen daselbst Auf seidnen Boden, zur Märzenzeit, Wenn gleich ist Nacht und Tag Und über langsamen Stegen, Von goldenen Träumen schwer, Einwiegende Lüfte ziehen.
Es reiche aber, Des dunkeln Lichtes voll, Mir ener den duftenen Becher, Damit ich ruhen möge; denn süß Wär' unter Schatten der Schlummer. Nicht ist es gut, Seelos von sterblichen Gedanken zu sein. Doch gut Ist ein Gespräch und zu sahen Des Herzens Meinung, zu hören viel Von Tagen der Lieb' Und Taten, welche geschehen.
Wo aber sind die Freunde? Bellarmin Mit dem Gefährten? Mancher Trägt Scheue, an die Quelle zu gehn; Es beginnet nämlich das Reichtum Im Meere. Sie. Wie Maler, bringen zusammen Das Schöne der Erd' und verschmähen Den geflügelten Krieg nicht, und Zu wohnen einsam, jahrelang, unter Dem entlaubten Mast, wo nicht die Nacht durchglänzen Die Feiertage der Stadt, Und Saitenspiel und eingeborenen Tanz nicht.
Nun aber sind zu Indiern Die Männer gegangen, Dort an der luftigen Spitz' An Traubenbergen, wo herab Die Dordogne kommt, Und zusammen mit der präch'gen Garonne meerbreit Ausgehet der Storm. Es nehmet aber Und gibt Gedächtnis die See. Und die Lieb' auch heftet fleißig die Augen. Was aber bleibt, stiften die Dichter.
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AUSSICHT
Der offne Tag ist Menschen hell mit Bildern. Wenn sich das Grün aus einer Ferne zeiget, Noch eh des Abends Licht zur Dämmerung sich neiget. Und Schimmer sanft den Klang des Tages mildern.
Oft scheint die Innenheit der Welt umwölkt, verschlossen, Der Menschen Sinn von Zweifeln voll, verdrossen, Die prächtige Natur erheitert seine Tage Und ferne steht des Zweifels Dunkle Frage.
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Der gute Glaube
Schönes Leben! du liegst krank,
und das Herz ist mir
Müd vom Weinen und schon dämmert die Furcht in mir.
Doch, doch kann ich nicht glauben,
Daß du sterbest, solang du liebst.
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Albert Camus (*7. November 1913 in Mondovi (Algerien);+ 4. Januar 1960 nahe Villeblevin Yonne (France)
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"Unter Liebe versteh ich die Mischung von Verlangen, Zärtlichkeit und gegenseitigem Verstehn, die mich an ein bestimmtes Wesen bindet. Großmütig ist die Liebe zwischen zwei Menschen nur wenn sie zugleich vergänglich und einzigartig ist."
"Pour moi l'amour c'est ce melange de désir, tendresse compréhension mutuelle qui me lie à un être précis. L'amour entre deux personnes ne peut être généreux que s'il est à la fois éphémère et unique."
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"Einen Menschen zu lieben heißt einzuwilligen, mit ihm alt zu werden."

Aimer une personne, c'est d'être d'accord pour vieillir avec elle.

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"Letztendlich ist es sehr dumm, nur mit der Pest zu leben. Ein Mann muss natürlich kämpfen [...] Aber wenn es damit endet, dass er sonst nichts mehr liebt, wofür ist dann das Kämpfen gut?"
"Finalement il est très stupide de ne vivre qu'avec la peste. Bien entendu, un homme doit se battre (..). Mais si cela doit aboutir à ce que il n'aime plis rien d'autre, alors à quoí cela sertil de se battre?"

----------------------------------------------"Stets werde ich mir ein Fremder sein."

"Je serai toujours un étranger pour moi."

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"Die Wahrheit ist keine Tugend, sondern eine Leidenschaft. Deshalb ist sie niemals barmherzig."

"La vérité n'estpas une vertu mais une passion. C'est pourquoi elle n'est jamais miséricordieuse."

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"Das Leben verlieren ist keine grosse Sache; aber zusehen, wie der Sinn des Lebens aufgelöst wird, ist unerträglich."

"Pendre la vie n'est pas une grande affaire; mais il est insupportable de voir que le sens de la vie se désagrège."
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Georg Heym (*30. Oktober 1887 in Hirschberg, Schlesien; + 16. Januar 1912 auf der Havel)
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ALLE LANDSCHAFTEN HABEN

Alle Landschaften haben
Sich mit Blau erfüllt.
Alle Büsche und Bäume des Stromes,
Der weit in den Norden schwillt.
Leichte Geschwader, Wolken,
weiße Segel dicht,
Die Gestade des Himmels dahinter
Zergehen in Wind und Licht.
Wenn die Abende sinken
Und wir schlafen ein,
Gehen die Träume, die schönen,
Mit leichten Füßen herein.
Zymbeln lassen sie klingen
In den Händen licht,
Manche Flüstern und halten
Kerzen vor ihr Gesicht.

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ERSTE SCHLEHENBLÜTE
FÜR MARY AUS AHLBECK
(und Irmgard aus Graz)

Wir lagen tief in einer Dünenschlucht,
Bei Himbeersträuchern, sahn die Kämme nur
Der hohen Dünen, und der Sonne Spur.
Der Mittagsstunden langsam ziehende Flucht.

Das Blut empfing den Kuß der Sonne tief,
Der ganze Leib empfing die warme Flut,
O welch ein Glück, da in der Sonne Glut
Im goldenen Licht das ferne Leid entschlief.

Und langsam sang die Stille uns in Schlaf,
Wir hörten's kaum noch, wenn der Wind vom Meer
Der Schiffer Stimmen trug zu uns einher.
Und selten Hufschlag noch das Ohr uns traf.

Wie Götter ruhten wir im goldenen Raum.
Des Winds Oboen, und des Sandes Klingen,
Der Halme Zittern, und der Bienen Singen,
Sie klangen leise in den süßen Traum.

Und manches Mal erwachten wir vom Schrei
Der weißen Möwen, der zu Häupten klang.
Und wenn der Wellen Brausen drang
Im aufgefrischten Winde herbei.

Dann sahen wir ins tiefe Himmelsblauen,
O weites Reich, das unser Blick durchflog!
Ein Silberwölkchen nur im Lichte zog.
Irmgards Bogen war es gleich zu schauen.

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Herbert Achternbusch (* 23. November 1938 in München als Herbert Schild)
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N I C H T S

"Nichts tun
Nichts sein
Selbst mit dem Gebet
Läuft die Zeit davon.
Nur im Herbst eine
Pflaume essen,
Eine gelbe oder eine
Blaue."

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Theodor Fontane (*30. Dezember 1819 in Neuruppin; +20. September 1898 in Berlin)
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EIN NEUES BUCH, EIN NEUES JAHR

Ein neues Buch, ein neues Jahr
Was werden die Tage bringen ?!
Wird's werden, wie es immer war,
Halb scheitern, halb gelingen?

Ich möchte leben, bis all dies Glühn
Rücklässt einen leuchtenden Funken.
Und nicht vergeht, wie die Flamm' im Kamin,
Die eben zu Asche gesunken.

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DIE FRAGE BLEIBT
Halte dich still, halte dich stumm,
Nur nicht forschen, warum, warum ?
Nur nicht bittre Fragen tauschen.
Antwort ist doch nur wie Meeresrauschen.
Wie's dich auch aufzuhorchen treibt
Das Dunkel, das Rätsel, die Frage bleibt.

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ÜBERLASS ES DER ZEIT
Erscheint dir etwas unerhört, Bäume nicht auf, versuch's nicht mir Streit, Berühr es nicht, überlaß es der Zeit. Am ersten Tag wirst du feige dich schelten, Am zweiten läßt du dein Schweigen schon gelten, Am dritten hast du's überwunden, Alles ist wichtig nur auf Stunden, Ärger ist Zehrer und Lebensvergifter, Zeit ist Balsam und Friedensstifter.

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Francisca Stoecklin (*11. September 1894 in Basel; + 1. September 1931 in Basel)
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WENN DER MOND GROß IST

Wenn es Abend wird, fällt mir dein Lächeln ein,
Schwarzer Engel, der meine Träume umnachtet.
Im Herbst saßen wir oft auf den Bänken am Strom.
Stille Kinder, in der abendlichen Sonne,
Wenn dann deine Hand zärtlich über mein Haar strich,
o wie freute sich da die Seele.

Seitdem sind traurige Jahre vergangen,
Ängst und Wahnsinn, zerfallene Abende.
Wenn der Mond groß ist,
betet mein bleicher Schatten
In deinem Zimmer verlorene Tänze.
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Herbert Laschet - HEL - Toussaint, ( * 1957 in Eupen)
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DU GINGST ... ...
Du gingst vom schweigen ins schweigen
Die weh ist ein ferner ort
Ich wollt dich den worten zeigen
Da waren die worte dort
Es mischte sich seele in seele
september floß in mai
dass keine der farben fehle
dass keine gereinigt sei
Ins schweigen bist du gegangen
im schweigen steh ich hier
Kein regen konnte uns fangen
Kein regen regnet von dir
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Leo Nikolajewitsch Graf Tolstoi (*9. September 1828 in Jasnaja Poljana bei Tula,+ 20. November 1910 in Astapowo, Russland)
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"Du hast viel gegrübelt,
Sehr viel gegrübelt -
Aber wenig geliebt."