Sonntag, 22. Januar 1995

Kulturkampf ums Kopftuch




















"Kopftuch-Feuilleton" geriet unversehens zum Schleier- krieg zweiter Welten in Umbruchszeiten. Religionsstreit auf Französisch: Im Land der Laicité - der Trennung von Kirche und Staat - ist in öffentlichen Schulen kein Platz für Glaubensbekenntnisse oder religiöse Symbole. Die Furcht vor einer "neuen arabischen Moral" macht Pädagogen zu Rausschmeißern und Tschador- Mädchen zu Märtyrerinnen. Zerreißproben. Verschleierte Töchter als Speerspitze gegen westliche Lebensformen.Der Grund: das Kopftuch-Verbot an staatlichen Institutionen. Imame hatten flächendeckend eine "Kopftuchpflicht" angeordnet. In manchen Gegenden Frankreichs ist die Welt der Moslems bereits erlebte Wirklichkeit. - Umbruch-Zeiten

Hessische/Niedersächsiche Allgemeine,
Kassel
vom 22. Januar 1995
von Reimar Oltmanns

Das französische Städtchen Nantua mit seinen viertausend Einwohnern liegt in einem der Jura-Täler im Südosten des Landes. Hoch ist die einheimische Arbeitslosigkeit, groß sind die Betriebsverluste der Kunststoff-Industrie im französischen "Plastik-Tal". Als Großkonzerne einstige Familien-Firmen aufkauften, brachten moderne Manager sogleich ihre eigenen Arbeitskräfte mit: Frauen aus den maghrebinischen Billiglohnländern Nordafrikas.


WIMPERN UND AUGENLIDER GESCHWÄRZT

Sie kamen in Bussen, meist im Morgengrauen - und vorsichtshalber unauffällig gleich direkt an die Fabriktore gefahren. Galt es doch für entlassene französische Arbeiter Tatsachen zu schaffen, Proteste im Keim zu ersticken.

Das kleinstädtische Innenleben schien den Belastungen wirtschaftlicher Umbruchprozesse halbwegs standzuhalten, auch wenn die rechtsradikale Front National bei den letzten Wahlen 30 Prozent der Stimmen holte. Sorgsam verdeckte Risse einer multikulturell verordneten Zuversicht. Bis zu jenem Tag wenigstens, an dem die Kopftücher kamen, als die "neue arabische Moral" im Gewand des "Tschador" oder Schleiers ihren sichtbarsten Ausdruck bekam.

Und Nantua ist überall in Frankreich, wo der Kulturkampf gegen arabische Islamisten gerade erst begonnen hat. Wo der Schule abermals gesellschaftlich Ungelöstes überantwortet wird. Ob Drogenhandel, Schülergewalt, Bandenkriege, Erpressung oder auch das neuerliche Sendungsbewusstsein der Imame.

Sie heißen Fatima, Leila oder auch Samira. Es sind lebenslustige 17jährige Mädchen. Nur ihr Äußeres signalisiert Fremdheit. Und das selbst in Schulen, die 1.200 Schüler mit fünfzehn Nationalitäten kennen. Ein dunkles Tuch verhüllt ihre Gesichter, Wimpern und Augenlider sind mit Kohle geschwärzt. Der Schleier als erkennbares islamisches Merkmal kultureller Ungleichheit der Geschlechter, mithin als Symbol unterdrückter Frauen, polygame Zwangsehen, Beschneidung, körperliche und seelische Gefangenschaft, Unterwerfung, Schläge ... "Allah wird es schon richten", heißt es da am Gymnasium Xavier Bichart zu Nantua. "Ich will mein Kopftuch immer behalten, das verlangt meine Religion", bekunden junge Mädchen am großen Schulgitter auch ungefragt. Texte, wie die vom gottlosen Voltaire, wollen sie in der Französisch-Stunde auch nicht mehr lesen.

MOSLEMBRÜDER ALS LEIBWÄCHTER

Ihre Moslem-Brüder, die sie wie Leibwachen zum Unterricht begleiten und auch wieder abholen, hören es gern. Nur ihr türkischer Iman zu Nantua kann solchen Bekennermut nicht mehr vernehmen. Er wurde kurzerhand des Landes verwiesen, weil er nur die koranischen, aber nicht die französischen Gesetze respektieren wollte.

Ob Fatima, Leila oder Samira - sie wurden in Frankreich geboren, haben die französische Staatsbürgerschaft und sprechen meist nur Französisch. Ihre Eltern zog es in den 70er Jahren wirtschaftlicher Expansion in die Fremde, als Hunderttausende aus dem nördlichen Afrika als Billigarbeiter kamen - mit viel Hoffnung und oft einer Wellblechhütte oder Bretterbude als Endstation.

KOPFTÜCHER ALS FOLKLORE

Frankreichs Einwanderungspolitik beruhte in ihrem Wesenskern immer darauf, dass sich die Zugereisten immer anpassten. Ganz gleich welcher Hautfarbe, ganz gleich von welchen fernen Kontinenten - Kinder der Einwanderer verinnerlichten in der Schule den Lehrsatz als wichtigstes Gebot: "Unsere Vorfahren, die Gallier." Gewiss gab es auch in früheren Jahren schon verhüllte Kopftuch-Mädchen an den Schulen. Damals wurden sie als "folkloristische Farbtupfer" empfunden. Vor zehn Jahren konnte noch nach einer 1981 vereinbarten Konvention ein Marokkaner auch in Frankreich seine marokkanische Frau ohne Gerichtsverfahren nach seinem Gutdünken verstoßen. Mittlerweile hingegen lösen derlei offensive Charaktere arabischer Kulturen im Land der Franzosen vielerorts ein "nationales Psychodrama" aus, so die Pariser Tageszeitung Le Monde. "Es ist nicht leicht, das Feuer zu löschen, wenn die Seele brennt."

Mit vier bis sechs Millionen Moslimen rangiert der Islam inzwischen vor etwa 800.000 Protestanten und 750.000 Juden in der französischen Republik. Religionsexperten vermuten gar, dass es inzwischen mehr praktizierende Muslime als Katholiken gibt. Immerhin leben in Frankreich ebenso viele Muslime wie im Libanon und Libyen zusammen an Einwohnern zählen.

MODERNE APARTHEID

Gewandelt hat sich das ehemals entspannte Klima der Menschen untereinander - gewandelt haben sich die politischen Ausgangspositionen. Da war der Golfkrieg mit französischen Militäreinsatz, da tobt in Algerien - ehemals französische Kolonie - ein barbarischer Bürgerkrieg mit 30.000 Toten zwischen radikalen islamischen Fundamentalisten und einer weltlich eingestellten Militärdiktatur. Da leben Tausende und Abertausende Eingewanderte in 400 Trabantenstädten vor sich hin - ohne Arbeit, ohne reelle Ausbildungschancen und mit einer Lebensperspektive aus in Beton gegossenen "Kaninchenställen". Eben ein abgelegte Vorort-Volk aus Elend, Resignation, Isolation und im ständigen Kleinkrieg mit der Polizei. Im modernen Sprachgebrauch: "urbane Apartheid".

WESTWÄRTS VON ALLAH

Mehr als 700.000 der französischen Arbeitslosen sind unter 25 Jahre alt. Hunderttausende haben keinen Schulabschluss, keine Berufsausbildung. Sie alle ahnen , dass der Zug längst endgültig an ihnen vorbei gefahren ist. Gewaltexplosionen. Den "beurs", den in Frankreich geborenen nordafrikanischen Einwandererkindern, bleibt reichlich wenig. Keine gesellschaftliche Anerkennung, kein Modellversuch der Integration.

"Die Araber sind zerrissen zwischen zwei kulturellen und sozialen Welten", schrieb der Soziologie-Professor Francois Dubet. "Sie wollten die neue übernehmen ohne ihre alte Identität zu verlieren, sich verändern und sich zugleich treu bleiben." Ihr Ausweg? Gefängnis oder neuerdings verstärkt der Imam. "Radio Beurs" und "Radio Orient" senden täglich Gebetsstunden - freitags direkt aus Mekka. Über 48 Prozent der Maghrebiner verneigen sich laut Umfragen täglich. Sinnsuche in Frankreich, westwärts von Allah.

Das ehedem bespöttelte "Kopftuch-Feuilleton" geriet unversehens zum Schleierkrieg zweier Welten in fragilen Umbruchzeiten. Ein Kopftuch markiert den Trennungsschnitt entgegengesetzter Kulturen. In ihrem allseitigen Präsenzgebaren hatten die Imame - obwohl der viel beschworene Koran dies nicht zwingend vorschreibt - ihren Frauen längst flächendeckend "Kopftuch-Pflicht" verordnet: als Widerstand gegen die westliche Welt mit ihrer konsumorientierten Demokratie samt Feminismus, als Widerstand in Frankreich gegen die algerischen Militärs, Widerstand gegen Razzien, gar Internierung islamischer Fundamentalisten. - Verschleierte Töchter als Speerspitze ... ...

In manchen Gegenden Frankreichs ist die Welt der Moslems bereits erlebte Wirklichkeit. In der Stadtregion Lille-Toucoing-Roubaix im äußersten Norden etwa, da ist Schweinefleisch in den Einzelhandels-Geschäften nur unter dem Ladentisch zu haben, wird offiziell in den Bars zwar Wein oder ausgeschenkt, ist in Wirklichkeit aber nicht zu haben. Angst. Naheliegend, dass in solchen Landstrichen mit einer maghrebinischen Bevölkerung von 53 Prozent der Schleierkrieg begann und sodann in weitere Provinzen hineingetragen wurde.

TOLERANZGRENZEN

Es blieb Erziehungsminister Francois Bayrou vorbehalten, "die Toleranzgrenze" der Gesellschaft aufzuzeigen. Unter Berufung auf die verfassungsmäßige Trennung von Kirche und Staat untersagte der katholische Politiker in seinem Erlass vom September 1994, religiöse Symbole mit auffälligen Merkmalen an staatlichen Schulen zur Schau zu stellen - Kopftuch-Verbot. Als vor etwa fünf Jahren der Streit ausbrach, der seither auch Gerichte beschäftigt, verschleierten sich rund 1.200 muslimische Schülerinnen im ganzen Land. Jetzt werden Töchter islamischen Glaubens, die sich trotz des Ministers Verdikt mit ihrem "Hedschab" schmücken, kurzerhand der Schule verwiesen. Ob in Lille, Paris, Marseille oder Nantua - Lehrer aus Rausschmeißer, Tschador-Mädchen als Märtyerinnen. Ratlosigkeit unter Frankreichs Pädagogen. Von der Politik "missbraucht" fühlen sie sich allemal. "Was wird aus den Mädchen, wenn wir sie verstoßen müssen?", fragten erregt Schuldirektoren. Keiner weiß es. Achselzucken ist die Reaktion.

Dabei war es der Erziehungsminister selbst, der als früherer UDF-Abgeordneter derlei "Ausgrenzungsmaßnahmen" als "pädagogisch sinnlos" und für "die Integration schädlich" bezeichnete. Schließlich ist der Islam längst zur zweitwichtigsten Religion Frankreichs geworden.

Tatsächlich hat der Kopftuchstreit verwirrend an Eigendynamik gewonnen. Islamische Konfessionsschulen bahnen sich in der Republik von "Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit" ihren unaufhaltsamen Weg. Derweil päppelt der Staat den Katholizismus als Gegenmodell. Schon jetzt zählt Frankreich 10.000 katholische Privatschulen aus klerikal feudaler Vergangenheit, die neuerdings von den Regierung konservativen Zuschnitts bevorzugt in der Ausstattung bedacht werden.

Im Angebot jener Bildungseinrichtungen nehmen die Vermittlung moralischer Maßstäbe und mehr französische Kultur im traditionellen Sinne breiten Raum ein. Aber selbst dort wackeln schon sicher gewähnte Fundamente des Abendlandes. Sagte doch Pater Max Cloupet, Generalsekretär der katholischen Schulen: "Wir schließen keine Muslime von unserem Schulalltag aus, nur weil sie sich auch äußerlich zu ihrem Glauben bekennen."






Samstag, 21. Januar 1995

Kein Sinn für Après-Ski






































Die bäuerliche Atmosphäre in den Pyrenäen lockt immer mehr Wintersportler an. In der Gebirgsoase von Font-Romeu versuchen Bewohner Ski-Tourismus mit Umweltschutz in Einklang zu bringen. An den Winterabenden wird es dort sehr früh still - dort droben in behaglichen Skihütten.


die tageszeitung, Berlin
vom 21. Januar 1995
von Reimar Oltmanns

Schon seit mehr als acht Jahrzehnten schlängelt sich ein kleiner gelber Bummelzug mit 30 Stundenkilometern am Berghang der französischen Pyrenäen entlang durch die winterliche Skiregion um Font Romeu. Irgendwie scheint die Zeit dort oben in jenen Gebirgsoasen stehen geblieben zu sein. Fernab vom industriellen Skizirkus Frankreichs dieser Jahre hechelt eine betagte Kokslok mit ihren Winterurlaubern vorbei an verwunschener Fassadenpracht vergessener Hotelpaläste.

Als die Schmalspurbahn im Jahre 1911 in ihrer dreistündigen Fahrt die ersten Passagiere von 415 auf 1.592 Meter hoch liegende Plateaus beförderte, da wurde der Skizug noch als Triumph der Technik gefeiert. Heute hingegen mag in den Pyrenäen wohl niemand mehr über weitere Naturzerstörungen im Sinne des Massen-tourismus frohlocken.

FRÜHERER GLANZ DES FIN DE SIÈCLE

Seltsam bizarr sortiert sich hier noch scheinbar gesellschaftlich Überlebtes aus dem früheren Glanz des Fin de Siècle - Atmosphären vor dem Gipfelglück. Die Dörfer im Dreiländereck Frankreich, Spanien und Andorra mit ihren massiven, auch mittel-alterlichen Häusern kennen keine Hektik. Niemand, so will es scheinen, mag für Skier, Schlepplifte und Schlitten umsatzträchtige Schlagzeilen inszenieren. Eine in sich zurückgezogene Beschaulichkeit darf in den Pyrenäen noch ungestraft vor sich hindösen - noch.

Dafür trotzt der Charme der Belle Époque den hastigen Zeitläuften dezente Existenz-berechtigung ab. Skulpturen oder auch Säulen entblättern verblasste Reminiszenzen an eine Ära, als die Pyrenäen noch der diskrete Schauplatz der Romantiker waren.

FEDERBETT ZU GEWINNEN ... ...

Victor Hugo, Heinrich Heine und Königin Hortense grüßen fortwährend aus jenen Backsteinen; Hinweisschilder als Spurensicherung sozusagen. Und in den Dörfer kündigen unbeirrt noch Plakate den ereignisreichen Lottoabend an, bei dem es nunmehr einen Mikrowellenherd, einen Schinken oder wie eh und je ein Federbett zu gewinnen gilt.

Überhaupt erinnert das Hochgebirge der Pyrenäen an der französisch-spanischen Grenze mit seinen vom Atlantik bis zum Mittelmeer reichenden 430 Kilometer langen Hauptkamm so manchen älteren Zugereisten an die Berge im Herzen Europas. An die Alpen, wie sie einst vor 2o oder 30 Jahren einmal ausgesehen haben. Nämlich an jene Epoche, in der es noch keine in den Wald geschlagenen Schneisen, keine betonierten Hänge, keine mit Planierraupen zurechtgewalzten Abfahrpisten - eben Riesenabfahrten, Traumabfahrten - gab; aber auch noch keine konturlose Hotelkonglomerate , einfallslose Ferienhauslawinen - vom Touristenmüll und den obligaten Autostaus einmal ganz zu schweigen.

DAS FRANZÖSISCHE KANADA


Von der Öffentlichkeit zunächst nur halbherzig zur Kenntnis genommen, haben sich die Pyrenäen indes mit ihrem umweltbedachten Familiensinn ganz allmählich aus ihrem stiefschwesterlichen Schattendasein der Alpen befreien können. Der Besucher weiß sich in einer rauen, von Gämsen bevölkerten Bergszenerie mit forellenreichen Seen, weiten Tannen-, Rotfichten-, Buchen- und Ulmenwäldern - die Pyrenäen werden auch das "französische Kanada" genannt.

"Noch Ende der sechziger Jahre hab es hier in den Pyrenäen mehr Kühe als Einwohner", erinnert sich René Bouscail, seines Zeichens Bürgermeister des Dorfes Les Angles. Früher wollte er Ortsvorsteher seiner Region geradewegs den Rücken kehren, weil es außer Schweinezucht oder Holzwirtschaft kaum Arbeit gab. Heute jedoch gibt der Bürgermeister Skikurse, organisiert Bergwanderungen.

"Nur an den Winterabenden", fährt er fort, "wird es früh still bei uns. Auf diese entrückten Après-Ski-Sektschlüfereien legt hier niemand großen Wert. Die Pyrenäen haben unsere Gastfamilien einfach zu müde gemacht", sagt René Bouscail verschmitzt.

DREITAUSEND SONNENSTUNDEN IM JAHR

Tagsüber führen die Pisten vorbei an tobenden Sturzbächen, zwischen spalier-stehenden Schwarzfichten und Buchen hindurch. Überhängende Felswände, ein Fluss, der sich in Kaskaden tief durch den Kalkstein sägt, nicht gezackt wie in den Alpen, sondern hingeklotztes Urgestein - das sind die unverkennbaren Naturmerk-male der Pyrenäen. Auf 1.800 Meter Höhe liegt der Luftkurort Font-Romeu mit seinen 3.200 Einwohnern und mehr als 3.000 Sonnenstunden im Jahr. Auf der Hochebene weicht der Wald vor riesengroßen, über 1.000 Kilometer weiten Langlaufgebieten zurück.

Bisher hatte sich Font-Romeu als Kurort für Atemwegserkrankungen einen Namen gemacht. Unterdessen renovierten Bauern ihre früheren Stallungen, bauten sie zu Ferienwohnungen um. Und das exakt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Anziehungs-kraft der Alpen zusehends auffälliger verloren geht. Bekanntlich sind die Berg-schutztäler dort aufs höchste gefährdet: Die Lawinengefahr nimmt zu, Hänge kommen ins Rutschen, und Täler gelten als teilweise unpassierbar.

Unverkennbar deutet sich unter Frankreichs Wintersporturlaubern ein Trendwandel an. Gesucht wird wieder das idyllische und bäuerlich strukturierte Dorf inmitten einer noch intakten Landschaft. Etwa die Pyrenäenregion um Font-Romeu. Sie verfügt über 32 Skilifte, 460 Schneekanonen, 40 Pisten und 52 Kilometer für den alpinen Ski. Verständlich, dass die Besucherzahl in den winterlichen Pyrenäen um 20 Prozent auf etwa 80.000 Wintersportler nach oben schnellt.

Verständlich aber auch, dass Henry Tontom Raymond vom Touristenbüro in Font-Romeu ein wenig sorgenvoll in die Zukunft blickt. Er bedeutet: "Viele Urlauber kommen jetzt auf einmal zu uns, weil sei den weißen Industriemüll in den Alpen satt haben. Wir aber müssen höllisch aufpassen, dass wir nicht dieselben unverzeihlichen Fehler machen. Sonst sind auch unsere Berge kaputt."

Ökologischer Schneeurlaub

Vorsorglich basteln touristische Zukunftsplaner schon beizeiten an einem neuen, einprägsamen Winterprofil für die Pyrenäen - dem naturverträglichen, ökologischen Schneeurlaub.

Autofrei müssen demnach Dörfer und Skigebiete sein. Die beiden höchsten Gipfel wurden rechtzeitig schon unter Naturschutz gestellt. Und in Font-Romeu setzen zudem 10.000 Solarzellen zur Gewinnung von Sonnenenergie ein markantes Signal des Umweltbewusstseins. Touristenmanager Henry Tonton Raymond bemerkt: "So viele Urlaubermassen wollen wir hier auch gar nicht haben. Schon jetzt sind wir praktisch ausgebucht. Und bei jeder Neuerung haben wir zuallererst unsere Berge zu fragen, ob sie es noch mitmachen wollen. Skispektakel hin oder her - ohne ihr Wohlbefinden gedeiht nichts mehr."






























Samstag, 12. November 1994

Les femmes de la Résistance: Lutte, victoire - oubli




















































Des miliers de Françaises - comme celles- ci - représenté es sur la photo prise 1944 dans l'Alsace libérée - furent actives dans la Résistance contre la force d'occupation allemande. Cinquante ans après la fin de la guerre, seulement peu de personnes se souviennent de la résistance féminine. Cependant, la victoire n'a jamais été que le seul fait des hommes, dit Jeanne Moirod, 89 ans (*1905+1997), d'Oyonnax à la frontière suisse. Elles ont lutté, tiré, posé des bombes, elles furent arrêtes, violées - torturée par la Gestapo.
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Tagesspiegel, Berlin
12. novembre 1994
Reimar Oltmanns
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L'actualité fait ressurgir les batailles d'autrefois, mais maintenant elles sont menées par des messieurs grisonnants. La France célèbre le cinquantième anniversaire de la Libération, de sa propre libération de la domination des nazis allemands.
La France se souvient volontiers de sa résurrection comme "Grande Nation" ce qui doit faire oublier ces années sombres de la collaboration française avec l'Allemagne nazie. Nul autre pays que la France du milieu des années 90 ne revit avec un tel sentiment de honte et d'impuissance et une telle précision obsédante, la période de l'Occupation, donc du Régime de Vichy. En Allemagne, l'ère d'Après-Guerre semble prendre fin- chez notre voisin la France par contre on a l'impression que le travail sur ces années de terreur a seulement commencé.
L'ARTERE PRINICIPALE DE LA RÉSISTANCE
Oyonnax, petite ville industrielle pittoresque avec ses 23.000 habitants est située au sein des montagnes du Jura, dans le sud-est de la République. C'est ici dans le maquis inaccessible de cette région du Jura que battait l'artère de la Résistance française.
Aujourd'hui - comme jadis en 1943 - d'anciens résistants défilent au travers des ruelles tortueuses pour arriver sur la place de la vieille poste et commémorer leurs morts; à l'époque, il y avait aussi des femmes. Depuis - 50 ans plus tard - les Françaises de la Résistance ont apparamment disparu de la scène. Peu de personnes dans la population française peuvent - cinq décennies plus tard - encore se souvenir du fait que ce sont précisément "les femmes résistantes" qui furent l'échine de ces expéditions de libération. Sans les dizaines de milliers de femmes qui acheminaient les armes, étaient agents de liaison ou voire même compagnons de lutte au sein d'un groupe de sabotage, la République ne pourrait quasiment pas revendiquer pour elle ses propres actions militaires de libération. Un résultat auquel la France, dans l'Après-Guerre, accorda politiquement sa place méritée au sein des Alliés.
600.000 FRANÇAISES - LES FEMMES RÉSISTANTES
Au sein de la Résistance, les femmes se sont battues, ont pris armes, posé des bombes, elles furent arrêtees. violées, comme porteuses d'informations torturées avec une cruauté particulière par la Gestapo. Et partout on les a oubliées. Mais ce sont précisement ces femmes qui ont vaincu aux côtés des hommes. Au début de la Guerre, 600.000 Françaises étaient membres du Comité des femmes contre le fascisme. Parmi les trois mille agents agents de l'Alliance Gaulliste, il y a avait 70 femmes. Et au camp de concentration de Ravensbrück 'les trois-quarts des 7.000 détenues françaises revendiquèrent leur appartenance à la Résistance.
CHEZ DES DAMES D'UN CERTAIN AGE
Dans une coquette petite maison de la rue Diderot à Oyonnax, des dames d'un certain âge se retrouvent régulièrement pour une tasse de café chez "notre Jeanne ", comme elles disent . La résistance des femmes françaises était quotidienne , jamais spectaculaire. Ells s'appellent Pépette, Lisette ou aussi Andrée. Elles ont de 70 à 90 ans. Elles sont d'origine différente, elles ont des opinions divergentes. Jeanne , 89 ans, fut dans sa vie une trotzkiste, la sympathie d'Andrée , 71 ans, alla après la guerre vers les Gaullistes. Mais ces femmes assises autour de la table ont quelque chose en commun :le combat qu'elles ont vécu, traversé ensemble contre les occupants allemands - et ceci au sein de la Résistance.
En réalité ce fut aussi une lutte intense contre le traditionnel "rôle des femmes", une sorte d'évasion émancipatrice hors du carcan de leur existence comme femmes au foyer ; au moins provisoirement.Dans la Résistance, certaines Françaises ont vu se réaliser une infime partie de leur vision :être soi-même l'auteur du changement de sa propre vie, ce qu'en France on appelle aussi "révolution culturelle "; il n'y eut par conséquent pas de grades dans la Résistance.
Dans l'état d'exception qu'était celui de l'époque, ce fut une égalité vécue avec les hommes. La Résistante Lucie Aubrac (*1912 +2007) parla avec enthousiasme d'un "changement profond et radical des consciences " suscité par la Résistance ; et aussi d'une "femme nouvelle" qui est née de la Résistance.Ce fut par conséquent le "vécu de la guerre "qui marqua ces femmes d'une façon décisive . Des événements qui font l'objet d'un débat. Ces événements qui actuellement laissent une image un peu jaunie dans les mémoires, mais par contre dont la netteté ne quitte pas les femmes de la Résistance.
MEDAILLE MILITAIRE
En fait, la réunion chez Jeanne autour d'une tasse de café s'avère être plutôt une alliance pour une réalité féminine. Une assemblée de femmes, de vieilles dames qui cherchent toujours à expliquer pourquoi, après la guerre, le pouvoir masculin recommença à marginaliser les femmes. Par contre Jeanne Moirod, 89 ans, ne devrait pas trop se plaindre. Elle compte en effet parmi les rares femmes de la République à avoir obtenu après 1945 la "Médaille de la Résistance " (1.024 hommes et 6 femmes) voire aussi la "Médaille Militaire ".En dépit de cela, c'est peut-être précisément cette femme avec ses hautes décorations qui observe avec recul le comportement des hommes en général. " ce sont des égoistes. La victoire n'a jamais été le seul fait des hommes ,même s'ils créent actuellemnt leurs propres groupes de messieurs et défilent avec tambours et trompettes dans les rues. Les femmes étaient et sont bien trop modestes".
PAS LE TEMPS D'ENTERRER NOS MORTS
Rétrospective : en 1944, plus de 6 millions de personnes étaient sur les chemins de l'exode. Principalement des mères avec leurs enfants traversaient le pays, organisaient péniblement leur survie. Et les Allemands transformaient de plus en plus les camps en forteresses. La France était devenue un pays de femmes.dans le Jura ; les années de Jeanne.
C'est toujours la nuit, pour ne pas être repérée par la Gestapo que cette ouvrière en verrerie, 30 ans à l'époque, se faufilait dans les montagnes du Jura, hors des sentiers ; chaque fois 30 à 40 kilomètres, mal chaussée, mal nourrie, avec comme seul compagnon un pistolet.Le boulanger, le boucher,le curé et aussi l'instituteur avaient déjà été fusillés ensemble par la Gestapo pour " aide au sabotage ". La responsabilité incombait alors à Jeanne seule de trouver dans la montagne des cabanes pour servir de cachettes - et avant tout, d'y acheminer discrètement les camarades.
Et de plus en plus d'hommes venaient rejoindre la Résistance française. Peut-être aussi tout simplement pour ne pas être envoyés au "Service de Travail Obligatoire - STO". Sa maison dans le Jura fut improvisée en plaque tournante de la Résistance dans le Jura. C'est là que les journaux clandestins étaient reproduits, c'est là qu'étaient collectées les adresses conspiratives, que l'on cherchait des lieux de cachette pour les armes et les hommes. C'étrait la maison de Jeanne. Une maison gérée par les femmes.
DES MORTS ET DES LARMES
Jeanne dit " nous n'avions même pas le temps de pleurer nos morts, tant nous étions sur la brèche ". Juste après la guerre, avec tout ces nombreux bâtiments détruits,incendiés,lorsque régnait la misère insupportable, qu'il y avait dans les caves à peine de quoi manger, Jeanne, alors maire-adjointe d'Oyonnax, retroussa à nouveau les manches pour rendre les restrictions moins pénibles. Passage de la résistance dans les montagnes aux ruines dans les villes . Sa collègue Pépette ajoute :"Ce n'est qu'à un âge avancé que nous avons pris conscience de tout. Seulement maintenant nous regardons avec une peur grandissante cette période et trouvons que nous avons eu beaucoup de chance d'en être ressorties vivantes."
DES FRANÇAISES TONDUES
"Dans la Résistance", dit Andrée, "nous sommes devenues des femmes différentes.Et nous avons gardé jusqu'à aujourd'hui cette façon d'être autres". Madame Andrée pointe discrètement le dgoit sur une maison voisine. Là vit une famille dont les parents ont tiré leur revenu de la Collaboration. Ce sont des plaies qui ne veulent pas se cicatriser en France, du moins pour cette génération. C'est par conséquent pour ces femmes "du domaine de l'impossible " que enfants ou petits-enfants entrent par le mariage dans une famille de collaborateurs. Cela ne viendrait à l'idée de personne, parce que tous savent suffisamment "combien nous avons souffert, quelles douleurs il nous a fallu supporter ". C'est assumer le passé à la française.
A la Libération, il y eut 127 000 plaintes pour collaboration,80 000 verdicts furent prononcés;parmi ceux-ci 6.800 condamnations à mort dont 1.500 furent exécutées.
Ce sont des photos avilissantes qui ont fait le tour du monde, se sont gravées dans la mémoire allemande :des femmes tondues"parce qu'elles avaient eu une liaison avec la Gestapo ou aussi des soldats de la Wehrmacht. Andrée, la vieille dame pleure. Son père a été dénoncé par des Français, a été fusillé. Andrée, sa fille resta seule avec ses deux jeunes frères. Elle dut s'occuper des deux et son temps libre c'était : la Résistance.
LA JEUNE GENERATION ET LE PASSE
On peut comprendre aisément que le groupe de résistance remplaçait de plus en plus la famille ; c'était une communauté au sein de laquelle on se jurait solidarité.Le droit de toucher à certains tabous était réservé aux enfants . A savoir cette réticence profond entretenue soigneusement par rapport à la fréquentation des Allemands.Quand la nièce de Jeanne , Pierrette, à seulement 16 ans, voulut aller en Allemagne dans le cadre d'un échange scolaire, la réaction spontanée de Jeanne fut :"T'es devenue folle. Tant que je vivrai , tu n'iras pas dans ce pays. Sache-le ". La jeune fille répondit :" Mais c'est toi qui m'as toujours dit qu'il fallait faire la distinction entre les Allemands et les atrocités des nazis.C'est ce que fait aussi notre professeur d'histoire." Jeanne fut à ce moment-là effrayée de voir que, sans réfléchir, elle transmettait à la jeune génération de vieilles images hostiles. Et elle répondit brièvement :"C'est vrai, beaucoup de choses ont changé,vas-y". Depuis, sa nièce Pierrette est mariée avec un Allemand de Francfort. Quand ,au sein du cercle d'anciens Résistants, Jeanne parle de Pierrette et de son mari Erich, elle a souvent sur le bout de la langue la remarque suivante,pour ainsi dire comme justification "Il n'a pas fait l'armée et il confectionne de bons gâteaux au chocolat".
DES CIMETIERES - et TOUJOURS DES CIMETIERES DE SOLDATS
Des jours tristes de novembre dans les cimetières de France, aussi dans les cimetières de soldats. Moments de commémoration. Des fanfares de partout. Tous les ans, le 11 novembre, jours férié commémorant l'armistice de la Première Guerre Mondiale ,des femmes âgées,anciennes résistantes comme Jeanne , continuent à se rendre sur la tombe de leurs grands-pères , pères et fils morts à la guerre. L'année dernière, elles sont allées pour la première fois à Dagneux, où se trouve le cimetière allemand, à l'est de Lyon: C'est là que reposent 20.000 soldats tombés au cours des deux Guerres Mondiales. Les anciennes résistantes venues d'Oyonnax ont commémoré les morts des deux pays.
Il y a une chose que beaucoup d'anciennes Résistantes ne peuvent et ne veulent pas admettre.Lorsque le 14 juillet 1994, pour la première fois, des troupes allemandes ont défilé à nouveau sur les Champs Elysées dans le cadre de l'Eurocorps", des souvenirs traumatisants furent réveillés. Plus d'une personne a éteint son téléviseur. "C'est sûr", dit Jeanne,"L'Allemagne et la France sont enfin des partenaires. Mais, nous, on ne peut pas oublier "

Gekämpft, gesiegt - vergessen, verstorben



















































Tausende von Französinnen - wie auf dem Foto 1944 im befreiten Elsass - waren aktiv im Widerstand gegen deutsche Besatzungsmacht. Fünfzig Jahre nach Kriegsende erinnern sich nur wenige an die weibliche Résistance. Dabei war der Sieg niemals männlich, sagt die 89jährige Jeanne Moirod (*1905+1997) aus Oyonnax an der Schweizer Grenze. Sie haben gekämpft, geschossen, Bomben gelegt, wurden verhaftet, vergewaltigt - von der Gestapo gefoltert.

Tagesspiegel, Berlin
vom 12. November 1994
von Reimar Oltmanns


Die Schlachten von einst wurden aus aktuellem Anlass nochmals geschlagen: nunmehr gemächlichen Schrittes von ergrauten Herren. Frankreich zelebriert die fünfzigjährige Gedenkfeier der Befreiung und Selbstbefreiung von deutscher Nazi-Herrschaft.

Frankreich erinnert sich gern seiner Wiederauferstehung als "Grande Nation", die jene dunklen Jahre auch der französischen Kollaboration mit dem nationalsozialistischen Deutschland vergessen machen soll. Kein anderes Land durchlebt Schmach und Ohnmacht der Besatzungszeit mit seinem Vichy-Regime erneut mit solch selbstquälerischer Genauigkeit wie Frankreich inmitten der neunziger Jahre. In Deutschland mag die Nachkriegs-Ära zu Ende gehen - im Nachbarland Frankreich hingegen scheint die Aufarbeitung jener Schreckensjahre erst begonnen zu haben.
BUSCHWALD

Das pittoresk anmutende Industriestädtchen Oyonnax mit seinen 23.000 Einwohnern liegt im Dickicht des Jura-Gebirges im Südosten der Republik. Hier im unzulänglichen Buschwald dieser Region Haut Jura pulsierte einst die Hauptader des französischen Widerstands.
FRAUEN VERGESSEN
Heute ziehen - wie damals im Jahr 1943 - ehemalige bewaffnete Widerstandskämpfer demonstrativ durch dieselben verwinkelten Gassen auf den Platz zur alten Post um ihrer Toten zu gedenken. Seinerzeit waren auch kämpfende Frauen dabei. Mittlerweile - nach 50 Jahren - sind die Französinnen der Résistance scheinbar spurlos von der Bildfläche verschwunden. Kaum jemand in der französischen Öffentlichkeit kann sich noch fünf Jahrzehnte danach daran entsinnen, dass gerade "les femmes résistantes" das eigentliche Rückgrat jener Befreiungsfeldzüge waren. Ohne die Zehntausenden von Frauen als Waffenbeschafferinnen, Verbindungsagentinnen oder auch als kämpfende Kameradinnen einer Sabotagegruppe - die Republik könnte militärischen Eigenleistungen der Libération wohl kaum für sich beanspruchen. Ein Ergebnis, das Frankreich politisch einen gebührenden Platz unter den Siegermächten der Nachkriegs-Ära einräumte.
7.000 FRANZÖSINNEN INTERNIERT
Die Frauen im Widerstand, sie haben gekämpft, geschossen, Bomben gelegt, sie wurden verhaftet, vergewaltigt, als Informationsträgerinnen von der Gestapo besonders grausam gefoltert. Und sie wurden allenthalben vergessen. Gerade diese Französinnen aber haben mit den Männern obsiegt. Zu Kriegsbeginn gehörten allein 600.000 Französinnen dem Komitee der Frauen gegen den Faschismus an. Unter den dreitausend Agenten, der gaullistischen Alliance waren 700 Frauen. Und im Konzentrationslager Ravensbrück bekannten sich drei Viertel der 7.000 internierten Französinnen zur Résistance.
KUCHENTAFEL ÄLTERER DAMEN
In einem schmucken Häuschen in der Rue Diderot zu Oyonnax treffen sich neuerdings ältere Damen regelmäßig zu einem Kaffeekränzchen bei "unserer Jeanne", wie sie sagen. Alltäglich war der Widerstand französischer Frauen, unspektakulär allemal. Sie heißen Pépette, Lisette oder auch Andrée. Sie sind zwischen 70 und 90 Jahre alt. Unterschiedlich ist ihre Herkunft, gegen-sätzlich sind ihre politischen Anschauungen. Die 89jährige Jeanne war Zeit ihres Lebens Trotzkistin, die 71jährige Andrée freundete sich nach dem Kriege mit den Gaullisten an. Aber eines verbindet die Damen an der Kuchentafel - ihr gemeinsam erlebter, durchlittener Kampf gegen deutsche Besatzer - und das in der Résistance.
AUSBRUCH
Tatsächlich war es auch ein intensives Gefecht gegen die traditionell zementierte Frauenrolle, eine Art emanzipatorischer Ausbruch aus ihrem umzäunten Hausfrauen-Dasein - zeitweilig zumindest. Im Widerstand wurde für manche Französin ein Quäntchen ihrer Vision Wirklichkeit: das eigene Leben selbstständig zu verändern, in Frankreich auch "Kulturevolution" genannt. Bei der Résistance gab es folglich keine Dienstgrade.
KRIEGSERLEBNISSE
Es war gemeinsam mit den Männern erlebte Gleichberechtigung in dieser Ausnahme-Epoche. Ihre Résistance-Kollegin Lucie Aubrac (*1912+2007) sprach sogar euphorisch von der "tiefen und radikalen Bewusstseinsentwicklung durch den Widerstand - auch "von einer neuen Frau", die aus der Résistance entstanden sei. Mithin sind es Frauen-Kriegserlebnisse früherer Jahre, die die Damen entscheidend prägten; Geschehnisse, die des Gesprächs noch bedürfen - augenblicklich scheinbar vergilbte Ereignisse, die die Résistance-Frauen in ihrer Tiefenschärfe nicht ruhen lassen.
MÄNNER-MACHT
In Wirklichkeit offenbart sich die Kuchentafel bei Jeanne zudem als ein femininer Daseins-Verbund. - Eine Frauen-Gemeinschaft alter Damen, die noch fortwährend nach Deutungen dafür sucht, warum nach dem Kriege Frankreichs Männer-Macht die Frauen erneut an die gesellschaftliche Peripherie verbannte. Dabei dürfte sich eigentlich die 89jährige Jeanne Moirod kaum beklagen. Zählt sie doch zu den seltenen Frauen der Republik, die nach 1945 die "Medaille der Résistance" (1.024 Männer und sechs Frauen), gar die "Medaille des Militärs" bekam. Dessen ungeachtet ist es vielleicht gerade die hochdekorierte Frau, die das allseitige Männer-Gebaren beargwöhnt. "Egoisten sind sie. Dieser Sieg war niemals männlich, auch wenn sie jetzt eigene Herren-Gruppen gründen und in den Städten marschierend posaunen. Die Frauen waren und sind einfach viel zu bescheiden."
JAHRE DER JEANNE -
Rückblende: Über sechs Millionen Menschen waren im Jahre 1940 auf der Flucht. Hauptsächlich Mütter mit ihren Kindern schleppten sich durch das Land, organisierten ihr Überleben. Zwei Millionen Männer waren in Gefangenschaft. Und die Deutschen bauten zusehends immer mehr Lager zu Festungen aus. Aus Frankreich war unversehens ein Land der Frauen geworden - im Jura die Jahre der Jeanne.
GESTAPO
Immer nachts, von der Gestapo unbemerkt, schlich die damals 30jährige Hilfsarbeiterin einer Glasfabrik in die unwegsamen Jura-Berge - jedes Mal 30 bis 40 Kilometer, schlecht beschuht, schlecht ernährt, nur mit einer Pistole als Wegbegleiter. Den Bäcker, den Fleischer, den Pfarrer und auch den Lehrer hatte die Gestapo allesamt "wegen Beihilfe zur Sabotage" schon standrechtlich erschossen. Nun lastete auf Jeanne allein die Verantwortung, unbewohnte Berghütten als Versteck ausfindig zu machen - und vor allem, die Kameraden dort auch unbemerkt hinzubringen.
UNTERGRUND
Und es kamen immer mehr Männer, die sich dem französischen Widerstand anschlossen. - Vielleicht einfach auch deshalb, weil sie sich nicht zum Arbeitsdienst nach Deutschland deportieren lassen wollten. Ihr Haus im Ort war unversehens zur Drehscheibe der Résistance im Jura geworden. Hier wurden Untergrund-Zeitungen hektografiert, hier liefen konspirative Adressen zusammen, wurden Schlupfwinkel für Menschen und Waffen ausgesucht. Es war Jeannes Haus - ein Haus in Frauen-Regie.
TOTE UND TRÄNEN
Jeanne sagt: "Wir hatten nicht einmal Zeit, unsere Toten zu beweinen - so sehr stockte der Atem in uns." Gleich nach dem Krieg mit dem vielen zerstörten, nieder gebrannten Gemäuer, als die Not unerträglich daherkam, es keine Wohnungen, kaum Essbares in unseren Kellerverstecken gab, krempelte Jeanne als Vize-Bürgermeisterin von Oyonnax wieder die Ärmel hoch, um die Knappheit zu lindern - vom Widerstand im Gebirge zu den Trümmern in den Städten. "Richtig zur Besinnung", ergänzt ihre Kollegin Pépette, "sind wir erst im hohen Alter gekommen. Erst jetzt fragen wir uns immer ängstlicher, welch ein Glück wir doch an unserer Seite hatten, so heil davon gekommen zu sein."
KAHL GESCHORENE FRAUEN
"Im Widerstand", äußert Andrée, "sind wir andere Frauen geworden. Und dieses Anderssein haben wir uns bis heute bewahrt." Mit einem dezenten Fingerzeig deutet Madame Andrée auf das Nachbarhaus. Dort lebt noch eine Familie, deren Eltern beherzt in der Kollaboration ihr Auskommen suchten. Es sind Wunden, die in Frankreich nicht vernarben wollen; wenigstens in dieser Generation nicht mehr. Folglich ist es für die Frauen ein "Ding der Unmöglichkeit", dass etwa Kinder oder Enkel in eine Kollaborationsfamilie einheiraten. Auch käme niemand auf diese absonderliche Idee, weil sie inzwischen alle hinlänglich wissen, "wie wir gelitten haben, welche Schmerzen es zu ertragen galt". - Vergangenheitsbewältigung auf französisch.
TODESSTRAFEN

Nach dem Kriege wurden 127.000 Kollaborations-Verfahren eingeleitet, 80.000 Gerichtsurteile gesprochen; darunter 6.800 Todesstrafen verhängt, von denen 1.500 vollstreckt worden sind.

Es waren entwürdigende Frauen-Bilder, die um die Welt gingen, die sich vor allem ins deutsche Gedächtnis eingruben: Kahl geschorene Französinnen, die sich mit der Gestapo oder auch Soldaten der Wehrmacht eingelassen hatten. Die alte Dame weint. Ihr Vater wurde von Franzosen verraten, ist erschossen worden. Die Tochter Andrée blieb allein zurück mit ihren zwei kleinen Brüdern. Für beide hatte sie zu sorgen und ihre Freizeit hieß - Widerstand
.
FEINDBILDER
Verständlich, dass Résistance-Gruppen zu einer Art Familien-Ersatz gediehen; eben zu einer eingeschworenen Solidargemeinschaft. Es blieb den eigenen Kindern vorbehalten, Tabus anzutasten. Nämlich jene sorgsam gehüteten Vorbehalte im Umgang mit den Deutschen. Als Jeannes erst 16jährige Nichte Pierrette mit einem Schüleraustausch Deutschland besuchen wollte, war Jeannes spontane Reaktion: "Du bist wohl verrückt geworden. Solange ich lebe, fährst du nie in dieses Land, merke dir das!" - Das Mädchen antwortete: "Aber du selber warst es, die mir immer sagte, wir müssen zwischen dem normalen Deutschen und den Gräueltaten der Nazis unterscheiden. Das macht unsere Lehrerin im Geschichtsunterricht schließlich auch." In diesem Moment erschrak Jeanne darüber, wie sie unbedacht alte Feindbilder auf die junge Generation übertrug, unvermittelt weitergab. Und sie antwortete knapp: "Das stimmt schon.Vieles hat sich geändert gehe hin." Zwischenzeitlich ist Nichte Pierrette mit einem Deutschen aus Frankfurt verheiratet. Wenn Jeanne in Widerstandskreisen über Pierrette und ihren Mann Erich spricht, liegt ihr häufig ein Hinweis auf der Zunge - als Rechtfertigung sozusagen: "Er war nicht beim Militär und ist nämlich ein netter Schoko-Bäcker."
FRIEDHÖFE - SOLDATEN-FRIEDHÖFE
Triste November-Tage auf Frankreichs Friedhöfen, auch Soldaten-Friedhöfen. Gedenk-Momente. Fanfarenstöße vielerorts. Jedes Jahr zum 11. November - gesetzlicher Feiertag des Waffenstillstandes im Ersten Weltkrieg - besuchen die betagten Widerstandsfrauen wie Jeanne noch die Grabstätten ihrer im Kriege verlorenen Großväter, Väter und Söhne. Im vergangenen Jahr fuhren sie erstmals auch nach Dagneux - zur deutschen Begräbnisstätte, die östlich von Lyon liegt. Hier fanden 20.000 Gefallene aus beiden Weltkriegen ihre letzte Ruhe. Die Frauen vom Widerstand aus Oyonnax gedachten der Toten beider Länder.
VERGESSEN - NIEMALS

Nur mit einem können und wollen sich viele alte Damen der französischen Résistance nicht abfinden. Als am 14. Juli 1994 erstmals wieder deutsche Truppen im Rahmen des Eurocorps auf den Champs Elysées mitmarschierten, da wurden traumatische Erinnerungen wach. Da haben so manche kurzerhand den Fernseher abgeschaltet. "Sicherlich", sagt Jeanne, "Deutschland und Frankreich sind endlich Partner geworden - vergessen können wir aber nicht."

Samstag, 10. September 1994

Ein Quäntchen Selbstverleugnung ganz in der Tradition Rousseaus







































































Frauen sind der Realität und dem Lebensgefühl der Menschen weitaus näher. Zwei französische Politikerinnen mit gegensätzlichen Ansichten, aber einem gemeinsamen Ziel: Sie wollten die starre Pariser Männer-Macht brechen.Die Ärztin Dominique Voynet von den Grünen und die konservative Sozialministerin Simone Veil. Zu Beginn des neuen Jahrhunderts verstand es Staatspräsident Nicolas Sarkozy, Frauen in seiner Regierung als "Minenhündinnen" männlicher Macht-Interessen fremd zu bestimmen. Im Pariser Parlament bleiben Frauen in einer erdrückenden Minderheit. Ein schwieriges Kapitel: Französinnen in der Politik. Rückbesinnung.



Frankfurter Rundschau
vom 10. September 1994
von Reimar Oltmanns

Was waren das noch für denkwürdige Frauen-Zeiten - damals in den achtziger Jahren. Aufbruchstimmung. Der Amtssitz des französischen Staatspräsidenten Francois Mitterrand hatte sich unversehens zu einer einflussreichen Frauen-Bastion entwickelt - und das trotz seiner jahrhundertealten männerbündischen Exklusivität.

Zunächst von der Öffentlichkeit eher verschmitzt aufgenommen, umgab sich François Mitterrand in seinem "Schloss" mit immer mehr Frauen. Ausgerechnet in
einer Republik, die schon in ihrer Geschichte Frauen von der politischen Macht-teilhabe wohlbedacht ausschloss. Am Parlament und den Parteigremien der Sozia-listen vorbei, wies Mitterrand nahezu unbekannten Politikerinnen zunächst den Status "Elysée-Beraterinnen", sodann einen Ministersessel zu. Hießen sie nun Elisa-beth Guigou (Europa), Ségolène Royal (Umwelt), Martine Aubry (Arbeit), Frédérique Bredin (Sport), Yvette Roudy (Frauenrechte) wie auch Edwige Avice als Staats-sekretärin für Verteidigung oder gar Edith Cresson, die als Ministerpräsidentin ein kurzes Gastspiel gab. Ohne Mitterrands gezielte Ausschau nach geeigneten Politi-kerinnen wären Frankreichs Frauen wohl kaum in die inneren Machtzirkel der Männer vorgedrungen. "Es ist ein untragbarer Zustand, dass so wenige Frauen im Parlament sitzen. Sie sind der Realität einfach näher als die Männer", rechtfertigte er damals seinen Alleingang.

ANFLUG AUF "MACHO"-NESTER


Mit ihrem Anflug über "Pariser Macho-Nester" (Libération) wähnten sich vielerorts Frankreichs Frauen in Aufbruchstimmung. Die Ära politischer Ausgrenzung schien beendet. Seinerzeit durchdrang zum Entsetzen so mancher Pariser Beoabachter "mit diesem weiblichen Schattentheater eine feminine Atmosphäre, Wärme, Offenheit, ja Spontaneität" das ansonsten majestätisch erkaltete Elysée-Gemäuer. Wetterfühlige Chronisten wie das Mitglied der Académie française, Jean d'Ormesson, mutmaßten im "Le Figaro" gar: "Ein Netz aus Ehe- und Regierungsfäden war aufgespannt, um allen Abstürzen vorzubeugen. Die berühmte Gegengewalt war durch die doppelten Bande der Ehe und der Abhängigkeit ernsthaft unter Kontrolle."

Kein Land westlicher Demokratie leistet sich derlei widersprüchliche Beispiele, wenn es um politische Gestaltungsspielräume der Frauen geht. Tatsächlich rast die Gesellschaft draußen im Lande der Politiker-Klasse zu Paris bizarr davon. "Es sind die letzten Gefechte der Männer", konstatiert die 50jährige sozialistische Bürger-meisterin Marie-Eliane Drut-Gorju aus dem Kleinstädtchen Brion im Département Ain. "Mit unserer finanziellen Unabhängigkeit und der Schwangerschaftsverhütung haben sie ganz allmählich die Oberhand über uns Frauen eingebüßt. Jetzt heben sie ihre angestammten Plätze in der Politik zu ihren allerletzten Verteidigungsgräben aus. Frauen, die kandidieren wollen, wurden bisher immer in die Niederlage geschickt. Als ich geboren wurde, da hatte meine Mutter noch nicht einmal das Wahlrecht. Nach Jahrzehnten des Verzichts wollen wir jetzt mitmischen. Ob in den Rathäusern oder in Paris - auch diese Barrieren werden wir über kurz oder lang einnehmen."

FRANZÖSINNEN AUF DEM VORMARSCH

Überall in der Republik sind Französinnen auf dem Vormarsch. Nur in den Zentren der politischen Macht sind die Frauen bislang draußen vor der Tür geblieben - unfreiwillig. Ganze sechs Prozent Frauen vermochten es bisher, als Abgeordnete die Türen aufzustoßen. Frankreich - das Schlusslicht westlicher Demokratien? Deutschland zählt beispielsweise 20,5 Prozent oder Finnland 38,5 Prozent Frauen in den gesetzgebenden Nationalversammlungen. In der im Jahre 1993 gewählten bürgerlichen Regierung Balladur hingegen dürfen lediglich drei Frauen am Kabinettstisch Platz nehmen. Bis auf wenige Ausnahmen sind die Ministerinnen von einst mithin von der politischen Bildfläche verschwunden - sitzen nicht einmal mehr auf den Oppositionsbänken.

Dafür kam eine alte Bekannte mit 67 Jahren zurück: Simone Veil als ranghöchste Ministerin im Kabinett Balladur, zuständig für Gesundheitspolitik . Auch wenn Madame Veil schon zu Zeiten der Präsidentschaft Giscard d'Estaings (1975 - 1980) ein auf Frauen-Erfordernisse zugeschnittenes Abtreibungsrecht durchsetzte, beabsichtigt sie in dieser Epoche konservativer Renaissance nur ein zentrales Gesetz über die Hürden zu bringen. Mit dem sogenannten "Mutterlohn" (die Hälfte vom Mindesteinkommen von etwa 500 Euro) nach dem zweiten Kind gilt es, berufstätige Französinnen zu locken. Sie sollen möglichst ganz auf ihren Beruf verzichten, "weil doch die Lage der Französinnen so zerbrechlich geworden ist", mahnt Simone Veil da.

VICHY-REGIME

In Wirklichkeit, so mutmaßt die frühere sozialistische Frauenbeauftragte Yvette Roudy, bezweckt Madame Veil, die Frauen wieder an den Küchenherd zu schicken. Yvette Roudy erregt sich: "Hier soll die Arbeitslosigkeit auf dem Rücken der Frau gesenkt werden. Aus ihren Bäuchen sollen dafür mehr Kinder kommen, um die Geburtenrate zu erhöhen. Wir wissen schon, dass alte Geister wieder am Ruder sind, Aber wir dachten nicht, dass sie sich trauen würden, mit Gedanken des Vichy-Regimes des Marschall Pétain aufzuwarten.

Nationalspezifisch französisch scheint schon die verhärtete Ausgangslage vieler Frauen zu sein, die ihre Lebensentwürfe in die Politik erfolgreich einzubringen gedenken. Die einstige Staatssekretärn Véronique Neiertz macht in Frankreich eine "fatale Entwicklung" aus. "Alles Weibliche wird in der Politik getilgt. Selbst das Wort Frau ist zum Tabu geworden."

GESCHLECHTS-NEUTRAL: REPUBLIKANISMUS

Ob konservativ oder linksorientiert - ausnahmslos eine Gemeinsamkeit teilen sich französische Politikerinnen: Ihre leidvollen Erlebnisse mit der Männerwelt. Selbst den Anschein von Gleichberechtigung haben sie in der politischen Arena noch nicht erleben können.

Wer sich in der Pariser Männer-Hierarchie auch nur halbwegs durchzusetzen trachtet, ist gut beraten, einen "geschlechtsneutralen Republikanismus" zu verinnerlichen. Und das in einer Zeit, die auch in Frankreich Identitätskrisen in der Männer-Kultur offenbart. Aber trotz Gesellschaftskrise und Männerproblemen - keine Frau, die auf der Karriereleiter mühsam nach oben kletterte, wagt sich etwas als "Feministin" zu bekennen, Frauen-Logik wie Frauen-Wahrnehmung in der Politik offensiv zu vertreten. Mancherlei verschämte Gesichter, Frauen-Getuschel über ihre verstecke Geschlechtsidentität vielerorts. Ein Quäntchen weibliche Selbstverleugnung wird im Pariser Politik-Milieu schon seit jeher belohnt.

KEIN FEMININER ZUKUNFTSIMPULS

Sorgsam von nahezu allen Präsidenten der Republik gesiebt und schließlich oben angekommen, sind es die Politikerinnen selbst, die sich im Männer-Milieu vorzensieren. Folglich mag so gar kein "femininer Zukunftsimpuls", wie Françoise Picq von der Frauenbefreiungsbewegung kritisch anmerkt, durch das Regierungsgemäuer nach draußen dringen. Madame Picq urteilt: "Gestört ist die Beziehung zwischen Staat und Gesellschaft gravierend. Eine Brücke zwischen beiden zu schlagen, das wäre eigentlich klassische Frauenpolitik. Doch nichts passiert." Da mögen 350.000 Haushalte heillos überschuldet, fast jeder vierte Jugendliche unter 25 Jahren ohne Arbeit sein, die Frauen-Armut bedrohlich zunehmen - unisono verlautet es aus berufenen femininen Mündern an der Macht: "Ich verstehe mich nicht als Frau, sondern als Politiker" oder wie es Danielle Mitterrand quasi als gesellschaftliche Richtschnur vorgab: "Ich fühle mich nicht als Frau, wenn ich handele. Ich werde von Ideen getragen und nicht von einer weiblichen Identität."

Aber selbst fernab von Paris - in den Städten wie Gemeinden will es erprobten Kommunalpolitikerinnen im zentral beherrschten Frankreich nur schwerlich gelingen, ihren Einfluss etwa durch lokale Kärrnerarbeit auszubauen. Insgesamt verfügt die Republik über 1.986 Bürgermeisterinnen. Das sind wieder nur 5.4 Prozent der Ämter. Ihnen stehen 36.456 Männer gegenüber. Naturgemäß gelten Bürgermeisterämter in den Provinzen als Schlüsselpositionen, als Eintrittskarte für die großen Politik-Entwürfe in Paris.

"STADT-BARONE"

Eine alte Karriere-Faustregel besagt nun einmal: Wer kein Rathaus mit nach Paris bringt, braucht erst gar nicht anzulanden. In Frankreich sortiert das Mehrheitswahl-
recht die politische Klasse - gibt es folglich keine Landeslisten. Frauen abweisend - für politische Minderheiten zudem - ist es ohnehin. Und die zentrale Verfügungsgewalt aus Paris bis ins letzte Dorf hinein beseitigt Hoffnungen auf Veränderungen.

Indes: Lippenbekenntnisse für die Gleichberechtigung der Frauen in der Politik gab es schon viele. Nur ändern will sich offenbar wenig; vornehmlich dann, wenn es um Macht wie Reichweite der sogenannten "Stadtbarone" geht. Jeder Regierungsvorschlag erregt Misstrauen, wird allzu oft im Keim erstickt. Und die wenigen Frauen, die es letztendlich geschafft haben, einem Rathaus vorzustehen, bekommen oft massive Schwierigkeiten. In Straßburg etwa, dem Sitz des Europa-Parlaments, wurde das Privatleben der Bürgermeisterin Catherine Trautmann von der dortigen Presse ausgiebig der Öffentlichkeit vorgeführt. Es sei unvorstellbar, dass eine Frau politische Karriere machen könne, schrieb die Zeitung "Dernières Nouvelles d'Alsace", "wo sie doch ständig in der Männerwelt sei", da müsse Madame ihren eifersüchtigen Ehemann frustrieren. "Wir dürfen doch mal nachforschen", hieß es scheinbar arglos.

Das Département Meuse kennt eine von drei Präfektinnen (Regierungspräsident) in der Republik. Im Jahre 1991 ist die Verwaltungsbeamtin Colette Horel in diese Spitzenposition berufen worden. Aber noch nach Jahren hat sich die feinere Gesellschaft vor Ort noch nicht damit arrangieren können, dass eine Frau Zukunftsaufgaben des Bezirks vordenkt und auch umsetzt. Wenn Madame Horel mit ihrem Mann aus dienstlichen Anlässen an repräsentativen Empfängen teilnimmt - so weiß sie stereotyp eines vorauszusagen. Ihr Mann wird - Bückling links, Bückling rechts - als "Monsieur le préfet" begrüßt. Sie natürlich als schmückendes Anhängsel beäugt, zumal der eigentliche Präfekt eng anliegende Kleider und dazu auch noch lange Strass-Ohrringe trägt.

POLITIK IST SUMPF

"Nein", sagt die 35jährige Ärztin Dominique Voynet, Sprecherin der französischen Grünen, "Politik in Frankreich ist Sumpf geworden. Es kann nicht darum gehen, dass Frauen Ämter besetzen, Die ganze Männer-Mentalität bedarf einer radikalen, auch kulturellen Mentalitätserneuerung. Sie ist ein Überbleibsel aus dem vergangenen Jahrhundert. Eine Zumutung für uns Frauen." Das glaubt auch die langjährige Präsidentin der Frauenvereinigung "Choisir - la cause des femmes", die Rechtsanwältin Gisèle Halimi. Sie saß im Jahre 1982 im Pariser Parlament. Damals brachte sie gemeinsam mit der sozialistischen Fraktion eine Novelle durch - eine Änderung, die in allen öffentlichen Ämtern eine Frauenquote von 25 Prozent vorsah. Nur der Verfassungsgerichtshof kippte das Gesetz mit der Begründung, "die Quote spaltet die Bürger in zwei Kategorien".

Nach Jahren vergeblicher Versuche, mit "kleinen Schritten" Machtverteilung samt Klimawandel in der Politik einzuleiten, bereitet Madame Gisèle Halimi mit ihren Frauen nun eine Volksbefragung zur Änderung der französischen Verfassung vor. Danach soll dem Artikel 3 der französischen Verfassung hinzugefügt werden: "Der gleiche Zugang der Frauen und Männer zu den politischen Mandaten wird durch Parität gesichert." Die Frauenrechtlerin sagt: "Ich möchte ein für allemal mit dem Mythos aufräumen, dass Frauen schon jetzt in der Politik mitmachen dürfen. Exakt 52 Prozent der Bevölkerung sind Frauen - aber nur sechs Prozent sind Abgeordnete."

Als Gisèle Halimi im Elysée Palast François Mitterrand ihre Absicht vortrug, sagte dieser: "Das ist eine gescheite Idee. Anders kommen wir wohl mit der Frauen-Frage in unserer Gesellschaft nich voran." - Nur: Die Entscheidung über ein Frauen-Plebiszit - wie etwa zu den EU-Verträgen - liegt nun in den Händen der konservativen Regierung. Und die lässt sich Zeit - viel Zeit.















Sonntag, 29. Mai 1994

Europa in 50 Sekunden




















Schnell - immer schneller sollen Fernsehbilder in die Wohnzimmer huschen. "Infotainment" heißt zu Neudeutsch das Schlagwort dieser Epoche. Nachrichten durch Showeffekte - Kriege als Nervenkitzel, Waffengänge als Quotenrenner. Und das in sieben synchro-nisierten Sprachen nahezu 18 Stunden am Tag.


Frankenpost, Hof
29. Mai 1994
von Reimar Oltmanns

Kriege legen bekanntlich Nervenkitzel frei. Erst recht, wenn neuzeitliche militärische Schlachten weltweit in Wohnzimmern am Fernseher minutiös zu verfolgen sind - als abendliches Unterhaltungsprogramm sozusagen, als Kassenfüller: Waffengänge als Einschaltquoten-Renner.

Die "Operation "Wüstensturm" im Jahr 1991 war in vollem Gang, ein Sieger des Golfkrieges stand noch gar nicht fest, da lösten jene dramaturgisch gekonnt inszenierten Gefechtsbilder des amerikanischen Erfolgssenders CNN mit seinem Frontberichterstatter Peter Arnett vom Dach des Hotels El-Raschid in Bagdad euphorische Selbstgewissheit aus. Im fernen malerischen Genfer Schloss Château de la Poupée wurde EuroNews aus der Taufe gehoben. Es war die visionäre Geburtsstunde des ersten paneuropäischen Kabel- und Satelliten-Nachrichtenkanals mit Sitz in Lyon. "Wir machen das Fernsehen der Zukunft. Wir brauchen die Amerikaner nicht, um uns für teures Geld die Neuheiten auf dem Globus zu erklären. Wir werden schon recht bald die Stimme Europas in der Welt sein", tönte der Italiener Massimo Fichera als neugekürter EuroNews-Präsident. Und sein Chefredakteur, der Franzose Gérard Decq, fügte hinzu: "Allen, die bei EuroNews arbeiten, ist es bewusst, dass sie zu einer einzigartigen Fernsehanstalt gehören. Der alte Kontinent wird Paroli bieten."
MODERNSTE TECHNIK
Seit dem 1. Januar 1993 - dem Starttermin des europäischen Binnenmarktes - strahlt EuroNews synchron in fünf Sprachen (Französisch, Englisch, Deutsch, Spanisch und Italienisch) sein tägliches 18-Stunden-Programm über den Satelliten Eutelsat II auf 13 Grad Ost aus. So wurde eine optimale Abdeckung des europäischen Rundfunkgebietes einschließlich des Mittelmeer-Raumes sichergestellt. Mit etwas größeren Antennen ist der EuroNews-Empfang auch im nördlichen Skandinavien, in Osteuropa und im nördlichen Afrika möglich. In vielen Ländern wurde EuroNews zudem ins Kabel eingespeist. Über elf Millionen Europäer können den Nachrichten-Sender aus Lyon aus der Steckdose empfangen.

Theoretisch erreicht EuroNews mit modernster Technik für Produktion wie Sendeablauf 41 Millionen Haushalte (etwa 110 Millionen Menschen).

Theoretisch. Welche Zuschauer sich EuroNews ansehen, wie oft am Tag, wie lange - keiner weiß es. Weder gibt es Reichweitenmessungen noch exakte Zielgruppen-Untersuchungen. Nicht einmal die Direktion hat einen präzisen Überblick darüber, wo denn nun EuroNews tatsächlich überall zu sehen ist.
JEDER MACHT ALLES
Schon seit dem Jahr 1988 bastelten Fachleute der Union Europäischer Rundfunkorganisation (UER) an einem tragfähigen, einheitlichen Konzept eines europäischen Nachrichtensenders. Ob Politiker oder Medienstrategen, sie alle waren sich darüber im klaren, dass dem Fernsehen beim Zusammenwachsen Europas eine Schlüsselrolle zufällt. Dabei gibt es so etwas wie EuroNews schon sehr lange - nur nicht als eigenständige Anstalt. Über den Programm-Pool "Eurovision" tauschen die Mitgliedländer der UER jährlich ohnehin etwa 16.000 Filmbeiträge aus. Da sich mit der "reinen Lehre der Nachrichten", wie es CNN den Europäern vormachte (CNN-Europa-Bilanz 1991: 41 Millionen Dollar Einnahmen über Wertbuchungen), offenkundig Geld verdienen lässt, wurde EuroNews gegründet - als Zweitverwertungsanstalt, als monotone Nachrichtenmaschine sozusagen.

Journalisten-Alltag bei EuroNews in Lyon. Amerikanisches Großraumbüro ohne Wände. Hunderte von Bildschirmen, Computer, lautes Sprachbabylon, nur junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahre alt, oft ohne Berufserfahrung, lockere Atmosphäre, hilfsbereite, wissbegierige junge Europäer - meist voller Erwartung eigens für EuroNews mit Sack und Pack aus fernen Städten direkt von der Uni nach Lyon zu EuroNews ohne Rückfahrkarte umgestiegen. "Bewusst", räsoniert Präsident Massimo Fichera, "stellen wir nur junge Menschen ein, von denen viele erst Schulabgänger sind. Sie sind nämlich noch enthusiastisch, haben noch keine dieser Berufsmacken." Und preiswert ist die mehrheitlich große Anzahl freier junger Mitarbeiter für den Sender außerdem. Von Sozialversicherungs- oder Krankenkassen-Beiträgen mögen die EuroNews-Oberen so gar nichts hören. Sie bleiben nur einer kleinen Kern-Mannschaft vorbehalten. Debütanten hingegen, die nach einer Zehn-Stunden-Akkordschicht mit etwa 70 Euro ins Bett fallen, dürfen sich glücklich schätzen. Profis kommen aufs Doppelte. Nur die sind nicht häufig zu sehen.
EUROPA - EINHEITSBREI
Jedenfalls nicht in der deutschen Redaktion. Beinahe täglich hängt Michael Unger, ehemals ZDF in Paris, zur Mittagszeit am Telefon. Mit auffällig leiser Stimme müht er sich schon seit Monaten ab, deutsche Kollegen für EuroNews zu gewinnen. Fast immer vergeblich. Entnervt zeigt Unger auf die Namen deutscher Redakteure im Computer. Gewiss - viele waren schon da. Mal eine, wenn es hoch kommt, mal drei Wochen. Nur keiner mochte sich auf Dauer einrichten. Schon ein kurzer Blick in die EuroNews Fabrik verrät die Arbeitsphilosophie: Hier kann jeder alles machen - und das durchgängig allein: Schneiden, Texten, Übersetzen, Sprechen, Von 6 Uhr morgens bis zwei Uhr nachts sendet EuroNews seine Nachrichten im 30-Minuten-Rhythmus. Das Filmmaterial liefert die "Eurovision". Aus dem Fundus darf der Sender beliebig schöpfen. In Lyon werden die Bilder neu gemischt und geschnitten; gemäß Optik, die Inhalte bestimmt, dürfen Reakteure in ihrer jeweils eigenen Sprache formulieren. Eben Texte, die in der Mehrzahl keine 50 Sekunden überdauern. Ob Kriminalität auf Sizilien, soziale Unruhen in Spanien, Unwetter in den Alpen oder Neonazis in Deutschland - eine Nachricht ist wie die andere, Europa ein Einheitsbrei.
SCHNELL UND SCHNELLER
Längst ist es bei EuroNews aktenkundig. Doch keiner kann unter diesen Arbeitsbedingungen Besserung loben, zumal Redaktionsbesprechungen auf Geheiß des Chefredakteurs Gérard Decq als "Zeitverschwendung" gelten. "Action" ist nun einmal oberste Maxime. Schnell und immer schneller sollen die Bilder in die Wohnzimmer huschen - atemlos zudem. Wird doch in Gruppen gearbeitet. Und wie diese sich mit welchen Journalisten zusammensetzen, weiß die Redaktionsleitung mit Bestimmtheit erst einige Stunden vor Wochenbeginn. Folglich kommen viele Texte flüchtig bis unbedarft daher, Aussprachefehler gehören en masse zum ständigen Wegbegleiter. Bis zum Überdruss drehen sich kaum aktualisierte Nachrichtenfilme in der Wiederholungsschleife. Einfach, weil die EuroNews-Mannschaft unterbesetzt, unterbezahlt und unterqualifiziert ist. Statt der erforderlichen 170 sind nur 120 Personen tätig. Und an der Spitze steht ein Mann, der nicht einmal die leiseste Vorahnung auf seiner Seite weiß, welche Formulierungen mit welchen inhaltlichen Tendenzen etwa in Deutschland, Spanien oder sonstwo über den Äther huschen. Gérard Decq parliert en français. Und damit hat es sich. Verständlich, dass er als Programmchef dieses ersten paneuropäischen Nachrichtensenders aus einer Not eine Tugend macht, am liebsten beschauliche Filme ohne jeden Informatioswert sendet. Decq befindet. "Alles spricht für sich, auch diese Aufnahmen. Basta!"

Alexander Homann vom Medienzentrum im ostbelgischen Eupen, der EuroNews sowohl in der Kombination deutsch-französisch als auch in Englisch-Französisch im Brüsseler Kabel hat, hält diesen Sender in seiner gegenwärtigen Verfassung für eine Fiktion. Er urteilt: "Die müssen noch viel an sich arbeiten, um nennenswerte Zuschauerzahlen erreichen zu können."
GEDULD ERSCHÖPFT
Vorbei sind jedenfalls die Jahre, in denen die französische Republik geduldig alles hinnimmt, was EuroNews der Öffentlichkeit, aber auch den Staats- und EU-Finanzen zumuten mag. Dabei schien Frankreich einst sogar ein bisschen stolz darauf zu sein, neben den Sendern ARTE (Straßburg), EuroSport (Paris) nun auch EuroNews in Lyon in seinem Land zu wissen. Dem vorausgegangen war eine erbitterte Konkurrenzschlacht zwischen siebzehn europäischen Städten um den Standort von EuroNews. Aus Deutschland hatte sich München beworben. Doch mit der Lyoner Offerte, 2,5 Millionen Euro für die Ausrüstung des Senders und auf 99 Jahre ein Gebäude mietfrei zur Verfügung zu stellen, da mochten die Bayern dann doch nicht mithalten. ARD und ZDF, die lange Zeit mit einem Engagement geliebäugelt hatten, haben sich ebenso wie die Engländer beizeiten aus dem waghalsigen Projekt zurückgezogen. Ihnen schien eine seriöse Finanzplanung auf mindestens zehn Jahre zu ungewiss.
WER BEZAHLT DIE DEFIZITE ?
Es war die französische Tageszeitung Le Monde, die in der Ära des Sozialabbaus das üppig subventionierte Finanzgebaren der Sendeanstalt und auch die "schweren Probleme mit der journalistischen Berufsethik" bei EuroNews kritisch hinterfragte - somit eine Trendwende einläutete. "Wer soll das Defizit bezahlen?", fragte Le Monde. In der Tat, Werbung gibt es so gut wie gar nicht, obwohl sie mit etwa fünf Millionen Euro im Etat veranschlagt wurde. Scheinbar irreparable Finanzlücken pflastern somit den EuroNews-Weg. Allein im ersten Jahr 1993 erwirtschaftete der öffentlich-rechtliche Sender einen Verlust von 6.5 Millionen Euro. Ohne gezielte Millionensummen der Europäischen Union hätte EuroNews längst den Weg zum Konkursrichter antreten müssen. Nur mit europäischen Steuergeldern lässt sich EuroNews noch künstlich beatmen. Zuschüsse über Zuschüsse fließen aus Brüssel oder Straßburg. Allein für das Jahr 1994 verdoppelte die Europäische Union ihre Finanzspritze auf umgerechnet 4,5 Millionen Euro. Für den Soziologie-Professor am Collège de France, Pierre Bourdieu (*1930+2002) "fehlen in Frankreich wie überall die kritischen Intellektuellen, die dieses Milieu der gegenwärtigen Selbstbeweih-räucherung, Selbstinszenierung stören würden."
KONTROLLEUR IM KNAST
Aber mittlerweile mag selbst der unternehmerfreundliche französische Kommunikationsminister Alain Carignon kaum noch für undurchsichtige Geldausgaben von EuroNews geradestehen. Der Minister ließ sich erst einmal EuroNews Originalrechnungen vorlegen. Er erschrak. Sodann befand er: "Die Situation ist für EuroNews äußerst besorgniserregend." Weitere, wie von EuroNews als üblich erwartete Millionenspritzen ? - "Nein", beschied Carignon, "dies verstößt gegen alle Gesetze über die Finanzierung mit öffentlichen Geldern. Das Maß ist voll!"
Dabei war die Saubermann-Karriere des Alain Carignon von Kennern französischer Verhältnisse ohnehin als PR-Inszenierung, als Ablenkungs-Manöver begriffen worden. Kaum zwei Monate nach seinen hehren Buchhalter-Folskeln musste der Neu-Gaullist nämlich vom Ministeramt zurücktreten - wegen nachgewiesener Korruption. Ein Berufungsgericht verurteilte den früheren Bürgermeister von Grenoble zu fünf Jahren Haft, von denen er vier abzusitzen hatte. - Ende einer Karriere. Viel Zeit widmete Carignon im Gefängnis dem Fernseh-Sender EuroNews. Nur in Lyon,bei den Machern,wollte sich niemand an den früheren Förderer und Sponcor erinnern. Ganz nach der branchen-üblichen Verdrängungs-Methode: linkes
Ohr ist das Opernhaus, rechtes Ohr fahren die Autos raus - einst hastig über den Bildschirm gehutscht und nun für immer aus dem Sinn. Ob Carginon, die TV-Soap Denver-Clan oder nunmehr bei EuroNews - Alain Carignon, der Kommunikationsminister von einst, wurde nicht mal mehr ins Vorzimmer des Chefredakteurs zugelassen.