Samstag, 24. September 2011

Lyrik,Gedichte, Verse - Versus memoriales - schnelllebige Tage, flüchtige Momente des Vergessens (6)






























Christian Friedrich Hebbel (*18.März 1813 in Wesselburen,
Dithmarschen; + 13. Dezember 1863 in Wien) war ein
deutscher Dramatiker und Lyriker. Sein Pseudonym in der
Jugend war Dr. J.F. Franz


ABENDGEFÜHL

Friedlich bekämpfen
Nacht sich und Tag.
Wie das zu dämpfen,
Wie das zu lösen vermag !

Der mich bedrückte,
Schläfst du schon, Schmerz ?
Was mich beglückte,
Sage, was war's doch, mein Herz ?

Freude, wie Kummer,
Fühl' ich, zerrann,
Aber dem Schlummer
Führten sie leise heran.

Und im Entschweben,
immer empor,
Kommt mir das Leben
Ganz wie ein Schlummerlied vor.




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Joachim Ringelnatz (*7. August 1883 in Wurzen; + 17. November 1934 in Berlin; eigentlich Hans Gustav Bötticher) war ein deutscher Schriftsteller, Kabarettist und Maler, der vor allem für humoristische Gedichte um die Kunstfigur Kuttel Daddeldu bekannt ist.

 


An Gabriele B.

Schenk mir dein Herz für vierzehn Tages,
Du weit ausschreitendes Giraffenkind,
Auf daß ich ehrlich und wie in den Wind
Dir Gutes und Verliebtes sage.

Als ich dich sah, du lange Gabriele,
Hat mich ein Loch in deinem Strumpf gerührt,
und ohne daß du's weißt, hat meine Seele
Durch dieses Loch sich bei dir eingeführt,
Verjag sie nicht und sage: "Ja!"
Es war so schön, 

als ich dich sah.
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Cäsar Otto Hugo Flaischlen (* 12. Mai 1864 in Stuttgart; + 16. Oktober 1920 im Sanatorium Horneck in Gundelsheim) war Anfang des 20. Jahrhunderts ein bekannter Lyriker und Mundartdichter. Er starb im Alter von 56 Jahren und ist heute weitgehend vergessen.


Man hätt es nicht dürfen.
man hätt es nicht sollen,
und man hat es
dennoch gewollt . . .

Und es war so schön,
wie's nie gewesen,
hätt man es dürfen,
hätt man's gesollt.


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Die Lyrikerin Monika Schüler, (* 1957 in Großdorf Haßloch/Pfalz), lebt in Worms. Sie war immer schon anders in ihren bizarren Gefühlen, tief empfundenen Wahrnehmungen, seelischen Aphorismen. Und sie hatte immer schon ein unendliches kaum zu beruhigendes Fernweh. So schreibt Monika Schüler in Bildern, Gefühlen, in Düften, Gerüchen. Ihre Gedichte klingen vielleicht wie Musik, in Tönen, Klängen; mal temperamentvoll, dann wieder unerwartet zärtlich. Ihr erster Gedichtband ist wie ein Vulkan - unterlegt durch Meditation, Hypnose, Trance aus einer anderen, fernen Welt des Bewusstseins.

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Texte aus der Tiefe meiner Seele
Books on Demand, Nor
derstedt,
ISBN: 978-3-8448-6994-1, Paperback, 116 Seiten


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ENGELSDUFT ...Magisch -
Silbern - glitzernd
Fliegt er durch die Luft ...

Er klingt mit Flöten,
Harfen, zarten Tönen,
Weich - und himmlisch
Leicht getragen
Durch die Luft ...

Für alle Menschen
Riecht es
Gleich - betörend.

Verzaubernd gleitet er
Berauschend durch die Luft.

Selbst das Elend
Und die Armut
Halten ihren Atem an,

Versinken
im Rauschen
Dieses Phänomens ...

Engelsduft
Liegt webend
In der Luft ...

Wenn Engel
Ihre weiten Flügel
Breiten aus ...

Aus dem Himmelszelt
Sich liebevoll -
Zur Erde
Tief herab begeben ...

Lässt selbst
Die Kindertränen
Süß versiegen ...

Mit Göttlich -
Großer Liebe -
Sind sie - für uns Menschen
Die Behüter in der Welt.

Engelsduft ..

http://www.blogger.com/img/blank.gif
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DIE NACHT

Des Nebels
Graue Schleier;
In Milch gegossen
der Weg
in Schnee getaucht;

begleitet von der Stille
Dunkelheit;
Der Schrei der Eule,
die nach Weisheit schreit;
das Dunkel,
das die Nacht bezeugt.

"Gedanken", das Gespür;
nach Ewigkeit,
Geräusche flirren
durch die Nacht.
Vom Mond erleuchtet,
ist die Kraft.


"Die Augen schauen"
Sehnsuchtsvoll;
"Es ahnt der Morgen."


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LIEBE
" Die Liebe ist so leicht wie das Schweben in die Wolken,sie ist - oder sie ist nicht.Sie braucht keine Diskussionen, sie lebt von wahren Gefühlen.
Ihr Inhalt ist groß und eines.Nicht beseelt von selbst gemachten Gedanken, -
Und Worten, die nicht zu ihr gehören."

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Katharina Lanfranconi ( *20. Juni 1948 in Luzern / Schweiz)
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WECHSTABEN VERBUCHSELN

wenn worte ihren anfang tauschen
fährt krokodil aus seiner haut
der taube lernt im nu lauschen

und erbensuppe kichert laut

wenn torten ihren anfang wauschen
fährt krokodil aus seinem kraut
die laube kann auf einmal tauschen

nur erbsensuppe lacht nicht laut

weil ausgelöffelt statt verwechselt
sie lautstark ihre wut verdaut

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FRAUENPOWER

weisse zähne
die beissen

laufen mit gelben

die lächeln

kür und pflicht
auf gefrorenem
schweisse


schmallippig

umrandet

lauert listig
das eisloch

alle mütchen
zu kühlen


auch heisse

lacht der himmel bin ich
traurig
heult er rotz bin ich recht froh

meine stimmung ist ga schaurig
und gedrückt wenn andre froh

wenn aus pappe eine nase
schreiend dein gesicht verziert

oder eine schweineblase
voller farbe mich verschmiert

und dein unbedarftes quieken

nicht einmal das schlimmste ist
wenn die freunde glücklich blicken
froh wie hühner auf dem mist


könnt ich dich mit haut und haaren
zum teufel schicken weil du nie

die schönen dinge kennst, die wahren
die wonnen der melancholie

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ICH WILL

dich müde küssen
trauriger

bis deine lider
flattern


weisse
schmetterlinge
sterben leise
lächelnd

leichten tod


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MORGENLIEBE

in deinen schlaf

erfand ich
zeichenschriften
die kein gelehrter

und kein mönch
in seiner klause
jemals sann

in goldne
haut hab ich mit
federkielen sie geritzt
wie blaues licht
so fein, dass nicht

ein tropfen blut
von deiner stirne rann

erwachsend schautest du
die schrift im sonnenlicht

die morgenliebe
jauchzte junges glück
und küsste doch
beio jeem wort
das sie verstand

in süssen schlaf zurück

einen tag
wie heute

könnt ich
glatt verschlafen,

verschenken,
oder in eine grosse
umzugskiste packen

draussen vergässe
ich sie im regen
und würde zusehen,

wie ein grosser
hund kommt
und sein strammes
bein hebt

dann würde ich
mir eine zigarette
anstecken und
einen tiefen

zug nehmen,
obwohl ich
das rauchen
längst aufgegeben
hätte

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CLUB DER LEBENDEN DICHTER

kaum gelesen,
noch seltener gehört,

von keinem erfolg
in der stille gestört,

so singt er mit wortklang
den traurigen winden

bleibt meist ohne anhang
da keiner zu finden

die nächtliche kammer
bevölkert gelichter


stipendiert ist im
glücksfall das brot -

berühmt wird vom club
der lebenden dichter

ausschliesslich
wer hin ist und tot

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Stefan Anton George (* 12. Juli 1868 in Büdesheim ,heute Stadtteil von Bingen am Rhein, + 4. Dezember 1933 in Minusio bei Locarno)
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SPRICH NICHT IMMER

Sprich nicht immer

Von dem laub
Vom zerschellen
Reifer quitten
Von den tritten
Der vernichter
Spät im Jahr.

Von dem zittern
Der libellen
In gewittern
Und der lichter

Deren flimmer
wandelbar.


WENN ICH HE
UT NICHT DEINEN LEIB BERÜHRE
Wenn ich heut nicht deinen leib berühre
Wird der faden meiner Seele reissen
Wie zu sehr gespannte sehne.
Liebe zeichen seien trauerflöre
Mit der leidet seit ich dir gehöre.
Richte ob mir solche qual gebühre

Kühlung sprenge mir dem fieberheissen
Der ich wankend
draussen lehne.
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Walter Bendix Schönflies Benjamin (* 15. Juli 1892 in Berlin; + 26. September 1940 in Portbou)


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"Nur um der Hoffnungslosen Willen ist uns die Hoffnung gegeben."

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Nikolaus Lenau , eigentlich: Nikolaus Franz Niembsch, ab 1820 Edler von Strehlenau, geboren am 13. August 1802 in Csatád (dt. Tschodat) im Banat, Königreich Ungarn, heute Lenauheim in Rumänien; + 22. August 1850 in Oberdöbling, heute Stadtteil Wiens) war österreichischer Schriftsteller des Biedermeier.

NEBEL

Du, trüber Nebel, hüllst mir
Das Tal mit seinem Fluß
Den Berg mit seinem Waldrevier
Und jeden Sonnengruß.

Nimm fort in deine graue Nacht
Die Erde weit und breit !
Nimm fort, was mich so traurig macht,
Auch die Vergangenheit !

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Friedrich Rückert (*16. Mai 1788 in Schweinfurt; + 31. Januar 1866 in Neuses (heute Teil von Coburg); Pseudonym Freimund Raimar, Reimar oder Reimer)
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Das Jahr


In einem Land möcht' ich wohnen,
Wo der Natur gesetzter Zwang

Hinwandeln läßt durch glüh'nde Zonen
Des Jahres unverrückten Gang;

Wo nach des Winters Regengüssen
Ein langer fester Sommer kommt
Und auch die Menschen fühlen müssen,
Daß nicht ein wirrer Wechsel frommt.

Und wäre das mir nicht beschieden,
So möcht' ich wohnen an dem Pol,

Wo eines tiefen Winters Frieden
Ich mir ließ auch gefallen wohl;
Da muß des Menschen Geist versenken

Sich können in das Daseins Schacht
Und still sich nach den Sternen lenken
In ewig heller Winternacht.

Unselig ist der Mitte Schwanken,
Dem hier wir unterworfen sind,

Wo Stunden wechseln wie Gedanken,
Und die Gedanken wie der Wind;
Wo keine ruhige Entfaltung
Erlaubt des Jahrlaufs wilde Hast
Und in verworrner Welthaushaltung

Mensch und Natur hat nirgends Rast.

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Angelus Silesius
(lat. für "Schlesischer Bote / Engel", eigentlich Johannes Scheffler; getauft am 25. Dezember 1624 in Breslau; + 9. Juli 1677 ebendort


Dein Kerker bist du selbst
Die Welt, die hält dich nicht,
du selber bist die Welt,
Die dich in dir mit
dir so stark gefangen hält.




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Max Dauthendey (*25. Juli 1867 in Würzburg; + 29. August 1918 in Malang auf Java)

Unsere Augen so leer,
Unsere Küsse so welk,
Wir weinen und schweigen,
Unsere Herzen schlagen nicht mehr.

Die Schwalben sammeln sich draußen am Meer, Die Schwalben scheiden, Sie kommen wieder, Aber nie mehr uns beiden.
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Simone Hirth (*1985) in Freudenstadt, aufgewachsen in Lützenhardt, studierte am Deutschen Literaturinstitut, lebt in Leipzig. Im Jahre 2007 Stipendium der Kunststiftung Baden-Württemberg, Förderpreis der Hermann-Lenz-Stiftung

NOTIZ

Heute lasse ich die Großmütter sterben
und koche nichts.
Heute zweifle ich nicht an den roten Wangen der Teilzeitkraft in der Metzgerei.
Heute verstehe ich die Uhrzeit falsch
und verliebe mich.
Heute warte ich nicht vergeblich auf mein Glück, heute grab ich mich ein.
Heute bewerbe ich mich um eine freie Stelle auf meiner Tapete.
Heute verwette ich mein Erbe
und kaufe nichts.
Heute bin ich weg.

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